Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Facebook-Partys

Zwei junge Franzosen nach Randale bei "Project X"-Party verurteilt

26.06.2012 | 14:16 Uhr
Nach Vorbild der US-Komödie "Project X" luden zwei Franzosen über Facebook zu einer Party in einer Ferienvilla an der Côte d'Azur. Jetzt wurden sie für die Verwüstung verurteilt.Foto: dapd

Paris.  Nach dem Vorbild der US-Kinokomödie "Project X" luden zwei junge Franzosen Tausende Unbekannte via Facebook in eine Ferienvilla an der Côte d'Azur. Die wilde Party endete in Chaos und Verwüstung. Jetzt verurteilte ein Gericht die beiden Männer zu Haft- und Geldstrafen.

Mit der schicken Villa an der Côte d'Azur wollten sich die Sprongs aus Hollande einen Lebenstraum erfüllen. Jetzt stehen sie buchstäblich vor einem Trümmerhaufen. Das Unfassbare passiert am 19. Mai. Eine wilde Party in ihrem Ferienhaus, organisiert über das Soziale Netzwerk Facebook, mündet in einer Katastrophe: Fensterscheiben gehen zu Bruch, Möbel und Matratzen landen im Pool, Waschbecken werden abgerissen, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird geplündert.

Jetzt hat eine Strafkammer in Draguignan die Übeltäter, zwei junge Franzosen, wegen "gemeinschaftlicher Sachbeschädigung" bestraft: zu je einem Jahr Gefängnis, davon sechs Monate hinter Gittern, und zu 20.000 Euro Geldstrafe zur Wiedergutmachung. Ein Zivilprozess folgt im Dezember.

600 bis 1200 "Gäste" im Teenageralter

Einer der Verurteilten, ein 22 Jahre alter Gärtner, nennt sich bei Facebook "Allan". Er und sein arbeitsloser Freund sind fasziniert von der amerikanischen Komödie "Project X", die wenige Wochen zuvor im Kino lief.  Teenager nutzen darin aus, dass die Eltern nicht zu Hause sind. Doch die Party in der "sturmfreien Bude" endet in einer Orgie aus Gewalt, Drogen und Zerstörung.

Stichwort
Project X

Der Vorfall an der Côte d'Azur ist der erste dieser Art in Frankreich. In den USA hingegen hat der "Project X"-Film bereits etliche Nachahmer gefunden. Auch hier dasselbe Bild wie in Südfrankreich: 500, 1000, in einem Fall sogar 2000 Partygäste folgen dem Aufruf über Facebook oder Twitter. In einem Fall, in Houston (Texas), kommt am 13. März ein Jugendlicher ums Leben. Als die Polizei die Party beenden will, greift ein Gast zur Pistole und feuert offenbar aus Versehen einen tödlichen Schuss ab.

Auch in Deutschland gab es erste Aufrufe zu Partys nach dem Film-Vorbild: Bei Facebook kursierten beispielsweise Einladungen zu "Monsterpartys" zum Ferienanfang am 6. Juli in Essen und Düsseldorf . In beiden Fällen wurden die Partys jedoch im Vorfeld von der Stadt verboten.

Die Fiktion im US-Film und die Wirklichkeit in der Villa Sprong - sie liegen nicht sehr weit auseinander. "Allan" mietet die Villa über eine Agentur vor Ort, die im Auftrag der Sprongs handelt. Die 500 Euro für die Miete haben "Alan" & Co schnell wieder in der Tasche. Denn an diesem Abend strömen nach Schätzungen der Polizei etwa 600 bis 1200 junge Menschen zu der Villa an der azurblauen Küste. Die meisten sind zwischen 16 und 20 Jahre alt.

Wilder DJ, Striptease - und das Motto: "No Limit"

Die einzige Spielregel des Abends: jeder bringt eine Flasche Alkohol mit und zahlt zwei Euro Eintritt. Die Gegenleistung: Drinnen erwarten sie ein "wilder DJ", Striptease-Tänzerinnen und lauter gleich gesinnte Gäste. Wer am Eingang etwa das "Schicksals-Armbändchen" überstreift, gibt sichtbar zu erkennen: Ich will heute Abend flirten. Auf einem Flyer geben die Veranstalter die ausgelassene Parole dieses Katastrophen-Abends aus: "No Limit".

Nachbarn begreifen sehr schnell, dass in der ansonsten sehr ruhigen Villa etwas aus dem Ruder läuft. Die meisten Partygäste kommen aus der Umgebung, manche reisen sogar von weither an: aus Marseille, Nizza, ja sogar aus Lyon und dem fernen Paris. Als Dutzende Autos die Straßen im Viertel versperren und sich der Lärmpegel ins Unerträgliche steigert, alarmieren genervte Anwohner die Gendarmerie im benachbarten Fréjus.

Angeklagter zeigte sich uneinsichtig

Der Einheit, die um 23 Uhr eintrifft, bietet sich ein apokalyptisches Bild. Die Straßen sind bevölkert mit Jugendlichen, die sich hemmungslos betrinken oder mit anderen Substanzen zudröhnen. Die Polizisten werden zugleich Zeugen einer beunruhigenden Metamorphose. Die "Project X"-Fans haben sich verwandelt: aus einfachen Kinogängern sind Darsteller eines echten Spektakel geworden. Drinnen hat die wahnsinnige Mega-Party bereits ihren traurigen Höhepunkt erreicht: Die Villa ist komplett geplündert. Den Schaden beziffert die Polizei später mit 80.000 Euro.

Video
Weil sie endlich zu den coolen Jungs gehören wollen, planen drei Teenies eine Mega-Party. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer – und die Fete gerät völlig außer Kontrolle … Komödie von Nima Nourizadeh. USA '12, FSK: ab 16. Start: 03.05.12

Der 22-jährige Angeklagte bestreitet vor Gericht, finstere Absichten gehabt zu haben, als er die Villa mit Pool mietete. Auch die Partygäste nimmt er in Schutz. Doch der Staatsanwalt kauft ihm die aufgetischte Version nicht ab. Das erklärte Ziel der Party sei der Rausch gewesen, erwidert er und fügt hinzu: "Am Ende war alles zerstört." Der Ankläger pocht auf fünf Jahre Gefängnisstrafe und 75.000 Euro Geldstrafe.

Wie uneinsichtig und von sich eingenommen der Angeklagte ist, verrät er in den Tagen nach der Skandal-Party. Einer Lokalzeitung gibt er freimütig Interviews und rühmt sich darin, dass das ausgeflippte Partyvolk ständig seinen Namen skandierte.

Gerd Niewerth



Kommentare
Aus dem Ressort
Promi-Nacktfotos- Apple prüft möglichen "iCloud-Hack"
Sicherheit
Dutzende Nacktfotos von Prominenten kursierten in den vergangenen Tagen im Internet — die Quelle ist bislang unklar. In Foren wurde Apples iCloud ins Gespräch gebracht. Jetzt prüft Apple vorsichtshalber die Sicherheit des Speicherdienstes.
Brutale Räuber schneiden 29-Jährigem in Leipzig die Haare ab
Überfall
Erst traten und schlugen sie ihn, dann klauten sie ihm die Lederjacke und sein Bargeld und schließlich wurden ihm auch noch die langen Haare abgeschnitten. Ein 29-Jähriger wurde am Montag Abend von vier Tätern besonders rabiat misshandelt, wie die Polizei berichtet. Der Mann kam ins Krankenhaus.
Debatte über Sicherheit nach tödlichen Schüssen im Finanzamt
Kriminalität
Am Tag nach dem Angriff auf einen Beamten im Rendsburger Finanzamt will die Staatsanwaltschaft heute gegen den mutmaßlichen Todesschützen Haftbefehl beantragen. Man gehe nach ersten Erkenntnissen von einem Mord aus, sagte der Kieler Staatsanwalt Axel Bieler. Unterdessen wird über die Sicherheit in...
Atomarbeiter verklagen Fukushima-Betreiber Tepco
Fukushima
Japanische Atomarbeiter aus dem Kernkraftwerk in Fukushima, das bei Erdbeben und Tsunami stark beschädigt worden war, klagen gegen Kraftwerksbetreiber Tepco. Er soll ihre Gefahrenzulage unterschlagen haben.
Klinik gibt Entwarnung bei Ebola-Verdachtsfall in Leipzig
Gesundheit
Der Ebola-Verdacht bei einem 45 Jahre alten Patienten auf der Isolierstation einer Klinik in Leipzig hat sich nicht bestätigt.
Umfrage
Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?

Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?