Zehn dramatische Staudamm-Unfälle der jüngeren Geschichte

Wassermassen strömen im Februar 2017 aus dem beschädigten Überlauf des Oroville-Staudamms in Oroville (USA). Hunderttausende Menschen mussten evakuiert werden.
Wassermassen strömen im Februar 2017 aus dem beschädigten Überlauf des Oroville-Staudamms in Oroville (USA). Hunderttausende Menschen mussten evakuiert werden.
Foto: Dale Kolke / dpa
  • In Vietnam haben es drei Männer fertiggebracht, betrunken das Ventil eines Staudamms zu öffnen
  • Die Aktion ging mit einem Sachschaden von etwa 12.500 Euro noch glimpflich aus
  • Echte Dammbrüche haben oft weit schwerwiegendere Folgen

Berlin.  Wo der Mensch versucht, die Natur in neue Bahnen zu lenken, besteht die Gefahr, dass die Natur nicht mitspielt. Besonders imposante Beispiele für solche Eingriffe sind Staudämme und Talsperren. Bricht der Schutzwall, der das Wasser staut, kann das fatale Folgen haben.

Die drei Betrunkenen, die jetzt in Vietnam das Ventil eines Staudamms öffneten, können daher noch von Glück reden, dass es bei ihrer Aktion nur zu einem Sachschaden von umgerechnet etwa 12.500 Euro kam. Zehn dramatische Staudamm-Unfälle der jüngeren Geschichte:

• Am 30. April 1802 brach die Talsperre von Puentes und verursachte das größte Desaster der spanischen Wasserbau-Geschichte mit 608 Toten. Heftige Regenfälle hatten damals die Pfähle weggespült, mit deren Hilfe die Staumauer erbaut worden war. Die Talsperre von Puentes war zu der Zeit die größte der Welt mit einem Fassungsvermögen von 13 Millionen Kubikmetern.

• Als „Holmfirth Flood“ ging die Überschwemmung in die Geschichte ein, die am 5. Februar 1852 durch einen Bruch des Bilberry-Staudamms in England verursacht worden war. Mindestens 80 Menschen kamen damals ums Leben.

• Nur zwölf Jahre später erschütterte der nächste Dammbruch England. Am 11. März 1864 brach der Dale-Dyke-Staudamm bei Sheffield und forderte 230 bis 270 Todesopfer.

• Am gleichen Tag vier Jahre später traf es die japanische Stadt Irukaike. Dort brach die Talsperre des Stausees. Mehr als 1000 Menschen starben.

• Am 31. Mai 1889 hielt die South-Fork-Talsperre bei Johnstown in den USA den mehrtägigen Regenfällen nicht mehr stand. Mehr als 2200 Menschen kamen ums Leben, als 20 Millionen Kubikmeter Wasser 23 Kilometer talabwärts rasten.

• Die Tigra-Talsperre bei Gwalior in Indien war quasi neu, als sie am 4. August 1917 während eines Hochwassers brach. Es ist ihre erste Füllung. Etwa 1000 Menschen sterben. Ein 400 Meter langes Teilstück wurde als Ganzes etwa 14 Meter weit verschoben.

• Noch heute sichtbar sind die Ruinen der Gleno-Talsperre im italienischen Bergamo. Am 1. Dezember 1923 versagte die Staumauer. Bis zu 600 Menschen starben, als sich die Flutwelle durch die Ortschaft Bueggio in den Iseo-See ergoss.

• Tragisch war der Bruch der St.-Francis-Talsperre bei Los Angeles am 12. März 1928 auch deshalb, weil ihr Ingenieur William Mulholland kurz zuvor noch Risse in der Mauer begutachtet, aber nicht für bedeutsam gehalten hatte. Zwischen 400 und 500 Menschen starben, darunter auch 42 Grundschüler.

• Im Zweiten Weltkrieg hatten es britische Bomber auf mehrere Talsperren im Sauerland abgesehen. Am 17. Mai 1943 traf es die Edertalsperre und die Möhnetalsperre, woraufhin sich eine Flutwelle bis ins Ruhrtal ergoss. Mehr als 1600 Menschen verloren ihr Leben, darunter 1200 Kriegsgefangene in einem nahe gelegenen Lager.

• Am 8. August 1975 brachen nach einem Taifun 62 Staudämme in Henan in China. Wie viele Menschen unmittelbar durch die Flutwellen starben, ist nicht eindeutig geklärt. Manche Quellen sprechen von 26.000, andere von 85.000. Hunger und Epidemien foderten in der Folge weitere rund 145.000 Leben.