ZDF-Dreiteiler „Tannbach“ will viel – und manchmal zu viel

Liesbeth Erler (Nadja Uhl, l.) mit Friedrich (Jonas Nay, r.) und Lothar (Ludwig Trepte, M.) auf der Flucht.
Liesbeth Erler (Nadja Uhl, l.) mit Friedrich (Jonas Nay, r.) und Lothar (Ludwig Trepte, M.) auf der Flucht.
Foto: Dusan Martincek/Lukás Zentel/ZDF
Was wir bereits wissen
Der neue Dreiteiler zum Jahresbeginn wartet mit großer Geschichte auf – und großem Aufwand. Dennoch gelingt „Tannbach“ längst nicht alles.

Essen.. Es ist längst Tradition. Im ZDF beginnt das Jahr mit einem Dreiteiler. Nach Adlon (2013) und dem mit Preisen überschütteten „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2014) geht es in diesem Jahr nach Tannbach (ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr) geht es in ein zerrissenes Dorf.

Tannbach gibt es nicht. Zumindest nicht unter diesem Namen. Vorbild war das Dorf Mödlareuth an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern. Zunächst von Amerikanern besetzt, wird es im Sommer 1945 von den Sowjets übernommen. Die Siegermächte legen die Grenzen fest, in Mödlareuth – ebenso wie im Filmdorf Tannbach – geht sie mitten durch den Ort, trennt Nachbarn, Freunde, Verwandte. Oft sind es nur wenige Meter, die über das Schicksal von Familien entscheiden.

Viele Handlungsstränge

Der Dreiteiler erzählt von diesen Schicksalen. Er beginnt in den letzten Tagen des Krieges, in denen die meisten die Stunden bis zur „Befreiung“ zählen, einige Unverbesserliche aber immer noch kämpfen wollen bis zum letzten Blutstropfen. In denen die ersten bereits versuchen, die Vergangenheit abzustreifen, andere ihr nicht entkommen können – schon weil sie flüchtend durch das ausgezehrte Land irren. Krieg, Flucht, Widerstand, Liebe und Trennung – von all dem erzählt Regisseur Alexander Dierbach und manchmal wünscht man sich beinahe, er hätte ein paar Geschichten weniger erzählt. So viele Handlungsstränge gibt es, dass manches trotz der langen Spielzeit ein wenig an der Oberfläche bleiben muss.

TV-Vorschau Zum Glück kann Dierbach auf ein hervorragendes Ensemble zurückgreifen. Heiner Lauterbach gibt Georg von Striesow, einen adeligen Gutsbesitzer, Natalia Wörner ist – in einer sehr kurzen Rolle – als seine Ehefrau zu sehen. Nadja Uhl spielt Liesbeth, eine Schneiderin aus Berlin, die es auf der Flucht mit ihrem Sohn nach Tannbach verschlagen hat, und Martina Gedeck ist Hilde Vöckler, die Mutter des SS-Mannes, der die Ermordung der Frau von Striesow anordnete. Im Mittelpunkt der Geschichte aber stehen die Nachwuchsstars Henriette Confurius und Jonas Nay als tragisches Liebespaar aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten.

Weltgeschichte im Mikrokosmos

Auf den ersten Blick ist Tannbach ein für deutsche Verhältnisse recht aufwändig in Szene gesetztes klassisches Familiendrama in lange vergangener Zeit. Bei genauerem Hinsehen allerdings merkt man bald, dass es Geschichten erzählt, die überall entlang der deutsch-deutschen Grenzen hätten passieren können und wahrscheinlich auch passiert sind. Und dass die Figuren, die sie erleben, stellvertretend stehen für Hundertausende andere.

Dierbach bettet seinen Figuren ein in den historischen Kontext jener Zeit, bricht historische Ereignisse der Weltgeschichte herunter auf die Provinz und schafft so einen Mikrokosmos, der den Irrsinn jener Tage und die immer noch nachwirkenden Grauen des Krieges zumindest erahnen lässt.

Fazit: Macht da weiter, wo „Unsere Mütter, unsere Väter“ aufhörte, erreicht aber nicht ganz die Klasse des Vorbildes, weil zu viele Geschichten manchmal etwas zu langatmig erzählt werden. Dennoch ein Stück deutscher Zeitgeschichte.