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Dokudrama

ZDF dokumentiert ein neues Leben nach dem Tsunami

03.02.2012 | 17:38 Uhr
ZDF dokumentiert ein neues Leben nach dem Tsunami
Billi (Veronica Ferres) und Michael (Hans-Werner Meyer) versuchen sich im Vergessen, besuchen eine Diskothek und fragen sich vor allem: Was machen wir hier eigentlich? Foto: ZDF/Alexander Fischerkösen

Elmau.   Billi Cramer und Michael Schäffer haben den Tsunami in Thailand im Jahr 2004 überlebt. Nachdem sie ihr Leben neu sortiert hatten, ließen sie ihre schier unglaubliche Geschichte verfilmen.

Sie haben den Tsunami überlebt, in Thailand am zweiten Weihnachtstag 2004. Aber Billi Cramer und Michael Schäffer zahlten einen hohen Preis dafür: Beide verloren ihre Familien, jeweils den Partner und jeweils zwei Kinder. Und sie verloren beinahe ihren Lebensmut. Erst in Deutschland lernten sie sich kennen und, nach vorsichtiger Annäherung, lieben. Inzwischen haben sie eine gemeinsame Tochter. Ob Zufall, Schicksal oder Wunder – Billi Cramer war schnell klar: „Das war wie Hollywood.“ Jetzt hat das Paar seine Geschichte verfilmen lassen.

Film in Einsamkeit der Alpen entwickelt

„Tsunami - Das Leben danach“ (ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr) erzählt ihre Geschichte. Anschließend folgt eine Doku. Billi Cramer und Michael Schäffer wollen Menschen, die ein ähnliches Schicksal wie sie erlebten und erlitten, Mut machen.

Bis dahin war es für die beiden ein langer Weg, wie sie im Schloss Elmau vor winterlicher Kulisse erzählen. Bewusst hat das Paar das einsam gelegene Hotel bei Garmisch-Partenkirchen gewählt. In dieser Atmosphäre entwickelten Billi Cramer und Michael Schäffer gemeinsam mit Filmproduzentin Natalie Scharf das Drehbuch, das weitgehend den Fakten folgt. Zugleich will es dem Publikum die Emotionen des Paares vermitteln. ZDF-Redakteurin Nele Willaert: „Wir haben zwei Jahre dafür gebraucht.“ Was dem Paar langwierig erschien, war für das ZDF und die Produktionsfirma TeamWorx kurz. Produzent Nico Hofmann erkannte schnell das Potenzial des Dramas im Alltag und sicherte sich die Rechte.

Vor allem Billis Geschichte

Der Film erzählt vor allem Billi Cramers Geschichte. Die Flucht vor grauen Weihnachtstagen in Deutschland ins vermeintliche Tropenparadies kippt mit der Monster-Welle. Billi Cramer ist nach dem Verlust von Mann und Kindern wie in Trance. Glücklicherweise gerät sie an einen Psychologen der Deutschen Botschaft, der sie zurück in die Heimat begleitet.

Daheim wird Billi Cramer von ihrer besten Freundin gestützt, manchmal buchstäblich. Später lernt sie ihren heutigen Mann kennen. Billi Cramer: „Er ist ganz anders als mein erster Mann Burkhard. In der ersten Zeit habe ich nur Männer gesehen, die Burkhard ähnlich sahen.“ Bei Michael Schäffer entdeckt Billi Cramer bald eine andere Qualität: Seelenverwandtschaft. Sie verdoppeln ihre Kraft, in dem sie ihr Leid teilen. Gemeinsam arbeiten sie ihre Vergangenheit auf. Das schafft Platz für eine gemeinsame Zukunft. Und dann wünscht sich Billi Cramer ein gemeinsames Kind. Doch sie ist, so scheint es, bereits zu alt dafür – bis sie wider Erwarten doch schwanger wird. Ein Mädchen wird geboren, Sienna, inzwischen ist sie zweieinhalb Jahre alt, ein Blondschopf mit großen Augen und augenscheinlich großem Appetit.

Buddhismus hilft ihnen

Die Vergangenheit leugnen Billi Cramer und Michael Schäffer nicht. Der buddhistische Glaube stärkt sie. „In einem Zimmer haben wir Bilder von unseren Lieben“, sagt Billi Cramer, „manchmal rede ich noch mit meinem Mann. Er sagt, es ist gut so, wie es ist.“

Reden hilft. Zugleich kostet es Kraft. Beim Gespräch wischt sich Billi Cramer immer wieder eine Träne aus dem Augenwinkel, ihr Mann muss gelegentlich schlucken. Wie sie mit ihrer Traurigkeit umgehen? „Wir nehmen uns in den Arm“, sagt sie, er fügt hinzu: „Wir brauchen das oft.“

Bewusst hat sich das Paar für einen Neuanfang entschieden. Es lebt inzwischen in Südfrankreich. Aber Michael Schäffer arbeitet weiter in Deutschland. Der vielsprachige Ingenieur pendelt nach Stuttgart, ein Vielflieger. „Das ist jetzt unser Leben“, sagt er, „aber wer weiß, was die Zukunft bringt.“ Das Paar sieht ihr optimistisch entgegen.

Jürgen Overkott

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