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Bahnunfall

Polizei: Kein dringender Verdacht gegen Fahrdienstleiter

10.02.2016 | 10:49 Uhr
Polizei: Kein dringender Verdacht gegen Fahrdienstleiter
Aus den Trümmern der Unglückszüge bargen die Rettungskräfte bislang zehn Todesopfer. Foto: dpa

Bad Aibling.  Nach dem Zusammenstoß zweier Züge bleibt es nach Polizeiangaben bei zehn Todesopfern. Die Ermittlungen dauern an, die Bergung läuft.

Nach ersten Vernehmungen der Polizei ergibt sich im Zusammenhang mit dem Zugunglück von Bad Aibling kein dringender Verdacht gegen den Fahrdienstleiter. "Wir wehren uns vehement gegen dieses Gerücht", sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier am Mittwoch am Unglücksort im Hinblick auf entsprechende Berichte. Zwar könne ein Fehler oder Vergehen des Diensthabenden auch nicht ausgeschlossen werden; die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Doch sei der Fahrdienstleiter bereits unmittelbar nach dem Zusammenstoß zweier Regionalzüge am Dienstag befragt worden. Daraus ergebe sich "noch kein dringender Tatverdacht", betonte Thalmeier.

Die Polizei rechnet nach neuesten Erkenntnissen nicht mit weiteren Todesopfern. „Es wird niemand mehr vermisst“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwoch. Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein Opfer mehr in den beiden Zügen befinden: „Es wird keine elfte Leiche geben.“ Der Sprecher war zudem optimistisch, dass alle Verletzten überleben werden: „Wir dürfen optimistisch sein.“

In Bad Aibling konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass die Tragödie im oberbayerischen Bad Aibling durch menschliches Versagen ausgelöst worden sein könnte. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle. Auch andere Medien berichteten darüber. Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren. Rund 80 Menschen wurden verletzt, davon 17 schwer.

Am Dienstag waren die zwei Nahverkehrszüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim bei hohem Tempo frontal ineinander gekracht. „Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen“, berichtete ein sichtlich betroffener Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Bergung dauert mindestens zwei Tage

Die Bergung der Unglückszüge wird nach Einschätzung der Rettungskräfte noch mindestens zwei Tage dauern. Ein erster Spezialkran der Deutschen Bahn sei am Mittwochvormittag eingetroffen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Kran habe eine Tragkraft von 160 Tonnen.

Zunächst sollten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) mit Spezial-Schneidegerät versuchen, die Triebköpfe auseinanderzuschneiden und danach die Züge voneinander zu trennen. Ungefähr hundert Helfer waren im Einsatz. Ein weiterer Kran aus Leipzig mit einer Tragkraft von 75 Tonnen steht auf Abruf bereit.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube werden die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. Wegen des Unglücks hatten sich die politischen Parteien entschieden, auf den Politischen Aschermittwoch in Bayern zu verzichten.

37 Kilometer lange Strecke bleibt gesperrt

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Rund 700 Rettungskräfte hatten sich um die Verletzten gekümmert. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, war zunächst unklar. (dpa)

Kommentare
10.02.2016
18:13
Polizei: Kein dringender Verdacht gegen Fahrdienstleiter
von woelly | #7

Um einen Anschlag auf eine Bahnstrecke zu verüben, bedaf es für einen geschulten Attentäter nicht unbedingt Sprengstoff.

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http://www.derwesten.de/panorama/zahl-der-toten-bei-zugunglueck-in-bayern-steigt-auf-elf-id11552313.html
2016-02-10 10:49
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