Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Indien

Wut und Trauer in Indien nach Tod von vergewaltigter Studentin

29.12.2012 | 17:14 Uhr
Wut und Trauer in Indien nach Tod von vergewaltigter Studentin
Foto: dpa

Neu Delhi.   Der Tod einer vor gut zwei Wochen in Indien von mehreren Männern vergewaltigten jungen Frau hat dort Trauer und Proteste ausgelöst. Die Polizei erklärte am Samstag, die sechs mutmaßlichen Vergewaltiger würden nun des Mordes angeklagt.

Mit Wut und tiefer Bestürzung hat Indien am Samstag auf den Tod der von mehreren Männern brutal vergewaltigten jungen Inderin reagiert. Premierminister Manmohan Singh und die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, richteten bewegende Worte an die Nation und versprachen einen besseren Schutz für Frauen. Viele Menschen gingen im Gedenken an die 23-Jährige auf die Straße.

Er sei "zutiefst betrübt", dass die junge Studentin ihren schweren Verletzungen erlegen sei, erklärte Singh und äußerte Verständnis für die Massenproteste nach der brutalen Tat Mitte Dezember. Dies seien "verständliche Reaktionen" eines jungen Landes gewesen, das auf einen Wandel hoffe. Singh rief die Inder auf, ihre Emotionen und Energien in "konstruktives" Handeln umzuwandeln. "Es ist nun an uns, dafür zu sorgen, dass ihr Tod nicht umsonst war", erklärte Singh. Indien müsse zu einem besseren und sichereren Platz für Frauen werden.

Sechs mutmaßlicher Vergewaltiger sollen des Mordes angeklagt werden

Der Name der jungen Frau ist nicht öffentlich bekannt, sie wurde "Indiens Tochter" genannt. Die Studentin war am 16. Dezember in einem Bus Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden. Der Bus mit getönten Scheiben fuhr dabei an mehreren Polizeikontrollen vorbei, ohne dass jemand etwas von dem Verbrechen einschritt. Die Frau wurde schwer verletzt und anschließend von ihren Peinigern zusammen mit ihrem männlichen Begleiter aus dem Bus geworfen. Am Samstagmorgen (Ortszeit) starb sie in einer Klinik in Singapur an Organversagen.

Die sechs Männer, die die 23 Jahre alte Inderin in Neu Delhi vergewaltigt und tödlich verletzt haben sollen, werden des Mordes angeklagt. Die Polizei wolle das Anklageprotokoll schnellstmöglich ausfüllen, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Ihnen droht die Todesstrafe. Der Prozess soll nach Medienberichten bereits nächste Woche beginnen.

Gandhi versprach, der tragische Tod der jungen Frau werde "nicht umsonst" gewesen sei. "Als Frau und Mutter verstehe ich den Schmerz", erklärte sie. In Indien ist sexuelle Gewalt gegen Frauen an der Tagesordnung. Viele Opfer trauen sich aber nicht, ihre Peiniger anzuzeigen, weil sie sowohl die schwerfällige Justiz als auch die Reaktionen männlicher Polizisten fürchten. Der Fall der jungen Frau löste jedoch eine Protestwelle und eine Debatte über den tief in der Gesellschaft verwurzelten Konflikt aus.

Regierungsviertel aus Furcht vor Protesten abgeriegelt

Aus Furcht vor neuen Massenprotesten rief die Polizei in Neu Delhi die Menschen zur Ruhe auf und riegelte mehrere Bezirke im Zentrum der indischen Hauptstadt ab. Trotz der starken Polizeipräsenz und der strengen Sicherheitsvorkehrungen gingen aber in Neu Delhi und etwa in Kolkata viele Menschen im Gedenken an die Frau auf die Straße, darunter auch zahlreiche Männer.

Sie zündeten Kerzen an und trugen Schilder mit Sprüchen wie "Todesstrafe für Vergewaltiger" und "Mein Körper - Mein Recht". Viele Demonstranten hatten sich in Anspielung auf die Unterdrückung von Frauen in der indischen Gesellschaft den Mund oder die Augen verbunden.

Indiens diplomatischer Vertreter in Singapur, T.C.A. Raghavan, verteidigte unterdessen die Verlegung der Frau von Indien in eine Klinik in Singapur. Dies sei ausschließlich aus medizinischen Gründen erfolgt. Zuvor war Kritik laut geworden, die Frau sei weggebracht worden, um neue Spannungen im Land zu verhindern.

Bei einer Pressekonferenz sprach er zudem vom Leid der Familie der Studentin, die bei deren Tod am Krankenbett saß. "Sie haben mich mehrmals gebeten, zu sagen, wie berührt sie angesichts der vielen Bekundungen und Wünsche für sie waren." Der Leichnam der 23-Jährigen sollte im Laufe des Samstag zurück in ihre Heimat gebracht werden.

Die sechs mutmaßlichen Täter wurden festgenommen. Ihnen drohen nun Anklagen wegen Mordes. Darauf steht in Indien die Todesstrafe. (afp)



Kommentare
29.12.2012
17:58
Wut und Trauer in Indien nach Tod von vergewaltigter Studentin
von xxyz | #2

Indien ist insbesondere in den sozialen Bereichen und im Bereich der Bürgerrechte um Jahrzehnte zurück. Die Nation hat Flugzeugträger, fliegt in den Weltraum, hat A-Bomben, aber es verhungern täglich Menschen.

Hoffentlich wird diese Ereignis dazu genutzt, neben den Frauenrechten auch die Bürgerrechte, das Sozialsystem und die Korruption anzuprangern.



29.12.2012
17:42
Wut und Trauer in Indien nach Tod von vergewaltigter Studentin
von Schlaubaer | #1

Im Iran werden solche feigen Mörder und Vergewaltiger öffentlich gehenkt und in China erschossen. Das wird im Westen immer als "unmenschlich" und "undemokratisch" dargestellt. Warum eigentlich - das "Mutterland" der Demokratie. die USA, vollziehen doch auch die Todesstrafe? Angesichts solcher Fälle kann man dazu auch nur sagen: Na und ....

Aus dem Ressort
The Voice of Germany - Rea Garvey sichert sich „die Waffe“
The Voice of Germany
Die Blind Auditions von „The Voice of Germany“ zeigen, warum Liveshows nicht mehr das Nonplusultra im Fernsehen sind. Die Dramaturgie ist bis ins kleinste Detail geplant. So gab es zum Schluss der fünften Blind Audition den bisher emotionalsten Moment der vierten „The Voice of Germany“-Staffel.
Achtung, Zeitumstellung - Deutschland dreht die Uhren zurück
Winterzeit
Die Mehrheit der Deutschen würde die Zeitumstellung gerne abschaffen. Die Politik hält aber daran fest. Jetzt am Wochenende werden die Uhren wieder umgestellt. Vor? Zurück? Viele Menschen sind verwirrt. Doch für die Mitarbeiter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ist die Umstellung Routine.
„Killer von Brabant“ – neue Spuren ins Neo-Nazi-Milieu
Belgien
Vor etwa 30 Jahren erschütterte eine Gangster-Bande Belgien. Sie ermordete 28 Menschen. Die Täter seien im Neonazi-Milieu zu suchen, sagt jetzt eine Richterin. Sie hatten ein perfides Ziel: Die Killer wollten die Ohnmacht des Staates vorführen.
Der Herr der Pfeile, Phil Taylor, kommt nach Mülheim
Darts
Keiner trifft so oft wie er ins Schwarze. Der erfolgreiche Dartspieler wird in England gefeiert wie ein Pop-Star. In Krombach gastierte er bei einem Show-Turnier. Und jetzt tritt „The Power“ bei der Dart-Europameisterschaft in Mülheim an.
Ebola breitet sich aus - neue Fälle in New York und Mali
Ebola
Für New York wird ein Schreckensszenario wahr: Es gibt den ersten Ebola-Kranken in der Stadt. Auch in Mali wurde ein erster Fall bestätigt. An vielen Flughäfen werden Gesundheitskontrollen eingeführt. Microsoft-Mitbegründer Paul Allen spendet 100 000 Millionen Dollar für den Kampf gegen das Virus.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?