Worauf Sie beim Zahnersatz unbedingt achten sollten

Zahnersatz ist Vertrauenssache: Weniger als zwei Prozent der Versicherten lassen sich nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK im Ausland behandeln.
Zahnersatz ist Vertrauenssache: Weniger als zwei Prozent der Versicherten lassen sich nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK im Ausland behandeln.
Foto: Waz
Was wir bereits wissen
In Deutschland ist Zahnersatz vergleichsweise teuer. Erheblich preiswertere Angebote gibt es zwar bei Zahnärzten in Polen, Tschechien oder Ungarn, bei der Behandlung im Ausland kommt es aber immer wieder zu Schwierigkeiten. Experten raten, worauf Verbraucher beim Zahnersatz achten sollten.

Essen.. Die Werbebotschaft einer ungarischen Zahnklinik klingt interessant. „Bis zu 70 Prozent billiger als in Deutschland“, heißt auf deren Webseite. Die Goldkeramik-Krone soll 390 Euro kosten, statt 620 Euro in Deutschland. Bei einem Implantat verspricht die Klinik mit einem Preis von 490 Euro eine Ersparnis von 1260 Euro. Doch Vorsicht ist geboten. „Es gibt vor allem sprachliche Probleme und bei der Anpassung von Zahnersatz“, berichtet Axel Wunsch, Sprecher der Krankenkasse Barmer GEK.

In Tschechien, Polen oder Ungarn werben viele Dentisten mit Spottpreisen, jedenfalls gemessen am deutschen Niveau. Doch einer Umfrage der Kasse zufolge lassen sich weniger als zwei Prozent der Versicherten auch im Ausland behandeln. Ein Drittel von ihnen gab an, dass es bei der Behandlung Komplikationen gab. Probleme mit der Qualität der Arbeit könnten zumindest einen Teil der Ersparnis wieder aufzehren, sagt Wunsch. Zum Beispiel werden zusätzliche Hotelkosten anfallen, wenn das Einsetzen von Implantaten viel länger dauert als geplant oder man zur Nachbesserung einer missglückten Arbeit zwei Mal in die Praxis reisen muss. Oder es kommen hohe Anwaltskosten auf den Patienten zu, wenn er Schadenersatz bei einer schlechten Arbeit im fremden Land einklagen will.

Die Kassen bezahlen auch im Ausland den Festzuschuss

Der Barmer-Sprecher hat dennoch ein paar Tipps für die parat, die sich im Ausland mit Zahnersatz versorgen wollen oder es aus finanziellen Gründen müssen. „Es sollte ein Zahnarzt sein, der klare Preisvorstellungen hat, seine Qualifikationen offen legt oder Zertifikate beibringen kann,“ erläutert Wunsch. Die Kassen bezahlen übrigens auch im Ausland den Festzuschuss für Kronen oder Brücken. Gespart wird daher ausschließlich beim Eigenanteil, den Patienten aufbringen müssen.

Related content Dieser eigene Beitrag zur „Restaurierung“ geschädigter Zähne ist in Deutschland nicht zu knapp bemessen. Laut Zahnreport 2014 kostet Zahnersatz im Bundesdurchschnitt pro Fall 1295 Euro. Davon tragen die Patienten 724 Euro. Bei einer höherwertigen Versorgung kann es schnell noch viel teurer werden. Dabei gibt es aber dem Report zu Folge beträchtliche regionale Unterschiede. Zahnärzte in Baden-Württemberg stellen ihren Patienten durchschnittlich 937 Euro Eigenanteil in Rechnung. Ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt begnügen sich mit 508 Euro. Für Barmer-Sprecher Wunsch steht aber bei der Auswahl des Zahnarztes ein anderes Motiv als der Preis ganz oben auf der Liste: „Zahnbehandlungen sind Vertrauenssache, und Vertrauen hat man am ehesten in den eigenen Zahnarzt“, erläutert er.

Kronen oder Implantate im Ausland fertigen lassen

Die Differenz zwischen Kassenzuschuss und Rechnungsbetrag lässt sich zum Teil vermindern, wenn die Kronen oder Implantate im Ausland gefertigt werden. „Die Qualität entspricht nach meiner Erfahrung dem unteren Standard in Deutschland“, sagt die Zahnärztin Juliane Klemming. „Wenn jemand sparen will, kann er das machen.“ Meist geht ein Auftrag nach Fernost über ein deutsches Zahnlabor, das im Falle schlechter Qualität auch für die Gewährleistung verantwortlich ist.

„Bei gesetzlich Versicherten übernehmen die Kassen einen Zuschuss von etwa 50 Prozent der Kosten“, erklärt die Verbraucherzentrale in NRW. Doch der Zuschuss richtet sich nach dem Befund des Arztes, nicht nach den Kosten des Ersatzmaterials. Je höherwertig der Zahnersatz ist, desto mehr muss der Patient selbst drauflegen.

Preisgünstiger kommen Versicherte davon, die regelmäßig zum Zahnarzt gehen und dies auch im Bonusheft festhalten. Wer in den letzten zehn Jahren regelmäßig auf dem Stuhl Platz genommen hat, kann bis zu 65 Prozent der Kosten erstattet bekommen. Experten raten darüber hinaus grundsätzlich dazu, sich bei der Behandlung immer eine zweite Meinung einzuholen, also bei einem anderen Zahnarzt zu überprüfen, ob der eigene die richtige Therapie empfohlen hat. So lassen sich auch womöglich kostengünstigere Behandlungsalternativen herausfinden. Einig sind sich die Fachleute aber vor allem in einem Punkt: Die Qualität der Behandlung sollte immer im Vordergrund stehen.