Wolfgang Menge ist gestorben - er war ein Fernsehvisionär

Mit 88 Jahren ist der bekannte Drehbuchautor Wolfgang Menge verstorben.
Mit 88 Jahren ist der bekannte Drehbuchautor Wolfgang Menge verstorben.
Foto: dapd
Der Drehbuchautor Wolfgang Menge ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Dem breiten Publikum sind aus seiner Feder vor allem die Krimireihe "Stahlnetz" und die Comedyserie "Ein Herz und eine Seele" bekannt. Doch auch jenseits der Unterhaltungsbranche verfasste er Drehbücher, die als visionär gelten.

Berlin.. Die allseits bekannten Stars im Fernsehen wie im Kino sind die Schauspieler und Regisseure. Die Namen der Drehbuchautoren hingegen sind meist nur wenigen bekannt. Wenn es aber einer von ihnen im Nachkriegsdeutschland zu breitem Ruhm gebracht hat, dann der Film- und Fernsehmacher Wolfgang Menge. Im Alter von 88 Jahren ist er in Berlin gestorben. Das bestätigte seine Familie am Donnerstag.

Menge hatte im Laufe seiner Karriere immer wieder für Sensationen gesorgt, für Szenarien, die aktuelle Entwicklungen in spannende Unterhaltungsstoffe umsetzten und zugleich mit sicherem Gespür geradezu visionäre Geschichten erzählten. Mit seiner Politsatire "Die Dubrow-Krise", in der über ein fiktives DDR-Dorf durch die Verschiebung der innerdeutschen Grenze über Nacht die westdeutsche Konsumgesellschaft hereinbricht, nahm er bereits 1969 die Wirren der Wiedervereinigung vorweg.

Menge war ein "Televisionär" mit vielen Facetten

In dem TV-Dokuspiel "Smog" entwickelte er, lange vor der Gründung der Grünen, ein erschreckendes Szenario zu den Folgen der Umweltverschmutzung, und in "Das Millionenspiel" nahm er die Entwicklung zum voyeuristischem Reality-TV vorweg. Als "Televisionär" bezeichnete ihn deshalb der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth.

Neben seinen Fernseharbeiten schrieb der Mann mit dem markanten Glatzkopf auch Drehbücher zu Kinofilmen wie der Konsalik-Verfilmung "Strafbataillon 999", dem Edgar-Wallace-Film "Der grüne Bogenschütze" und eter Zadeks "Ich bin ein Elefant, Madame".

Seine berufliche Karriere hatte der 1924 in Berlin geborene und in Hamburg aufgewachsene Menge als Journalist begonnen. Ab 1949 arbeitete er als Reporter beim "Hamburger Abendblatt", ab 1954 berichtete er für "Die Welt" aus Ostasien. Schon während dieser Zeit schrieb Menge für den Hörfunk und fürs Fernsehen.

"Ein Herz und eine Seele" garantiert noch immer Quote

Mit der legendären Krimiserie "Stahlnetz" (1958-1968) , deren Drehbücher er fast im Alleingang schrieb, gelang ihm zusammen mit Regisseur Jürgen Roland ein wahrer Straßenfeger. Mit "Ein Herz und eine Seele" schuf er die erste deutsche Comedyserie und einen Klassiker, der auch noch beste Quoten erzielt.

"In allen seinen Figuren steckt ein Stück von ihm, und in den besten haben wir ihn ganz", sagte Günter Rohrbach 2002 anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises an Menge. Die Jury würdigte damit sein Lebenswerk und seine realitätsnahen wie visionären Geschichten, mit denen er das deutsche Fernsehen wie kein anderer geprägt habe.

"Ekel Alfred" gilt als Selbstporträt von Drehbuchautor Menge

In gewisser Weise sei Ekel Alfred, der Spießbürger und Sozi-Hasser aus "Ein Herz und eine Seele", nichts anderes als ein Selbstporträt, sagte Rohrbach, der die Serie sowie "Das Millionenspiel" produziert hatte. "Nur so war es möglich, dass eine Figur, aus deren Mund die grauenhaftesten Spießerweisheiten flossen, zugleich ein liebenswerter Mensch sein konnte."

Ab 1974 stand Menge auch selbst vor der Kamera: als Ko-Moderator der Radio-Bremen-Talkshow "3 nach 9" sowie bei "Leute" aus dem Berliner Café Kranzler. Auch als Restaurantkritiker betätigte sich der dreifache Familienvater Menge erfolgreich.

Menge beklagte zuletzt mangelnde Risikobereitschaft vieler Sender

So facettenreich sein Schaffen auch gewesen war, es habe ihm alles gleichermaßen Spaß gemacht, sagte Menge 2004 in einem Interview. "Obwohl", schränkte er ein, "beim Schreiben von Serien hat man nach der achten oder zehnten Folge auch die Schnauze voll".

In den vergangenen Jahren beklagte Menge immer wieder die mangelnde Risikobereitschaft der Sender. Sein letztes Projekt, die Sitcom "Shalom" über jüdisches Leben im heutigen Berlin, sei 2004 vom WDR angeblich gecancelt worden, weil die Produzenten einen "Quotenkiller" fürchteten. (dapd)