Wohlstands-Index - Sicherheit ist wichtiger als Freiheit

Sicherheit ist den Deutschen mittlerweile wichtiger als Freiheit.
Sicherheit ist den Deutschen mittlerweile wichtiger als Freiheit.
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Was wir bereits wissen
Sicherheit ist für die Deutschen ein Zeichen für Wohlstand, vor allem die finanzielle Sicherheit. Der Wunsch nach Freiheit verliert an Bedeutung.

Berlin.. Was macht ein gutes Leben aus? Was ist Wohlstand? Braucht es dafür viel Geld und Besitz oder genügen ein intaktes Familienleben, Gesundheit und ein Leben in Frieden? Die Mehrheit der Deutschen beantwortet diese Frage derzeit eindeutig wirtschaftlich. Für 77 Prozent der Bundesbürger heißt Wohlstand vorrangig: „Keine finanziellen Sorgen haben“.

Werden individuelle, gesellschaftliche und ökologische Aspekte wie Meinungsfreiheit, medizinische Versorgung oder Umweltschutz, die das Lebensgefühl wesentlich mitprägen, hinzugenommen, so bezeichnet sich fast jeder zweite Bürger (48 Prozent) in Deutschland als „wohlhabend“.

Am glücklichsten sind die Menschen in Hamburg

Vor drei Jahren sagten das lediglich 42 Prozent. Dies ist das Ergebnis des Nationalen Wohlstands-Index, für den bundesweit 24.000 Bürger über 14 Jahren vom unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragt wurden.

Studie Spitzenreiter im Wohlstandsranking der Deutschen sind die Hamburger mit 55,2 Prozent und Bayern mit 54,5 Prozent. Im Mittelfeld liegen Nordrhein-Westfalen (48 Prozent), Thüringen (44,4 Prozent) und Niedersachsen (43,5 Prozent). Das Schlusslicht bildet Sachsen-Anhalt, wo sich nur 34 Prozent der Menschen als wohlhabend fühlen.

Das Thema Sicherheit spielt im Lebensgefühl der Deutschen aktuell eine sehr große Rolle. „Gut leben können die meisten Deutschen erst, wenn ihr materieller Lebensstandard gesichert ist und ihr persönliches und soziales Wohlergehen für die nahe Zukunft erhalten werden kann“, fasst Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski die Befragung zusammen.

Sicherheit ist wichtiger als Freiheit

„Sicherheit ist für die Bundesbürger heute wichtiger als Freiheit.“ So verstehen die meisten Menschen unter Wohlstand ein sicheres Einkommen und den Besitz von Eigentum (je 71 Prozent). Gut zwei Drittel möchten sich materielle Wünsche erfüllen können, wünschen sich einen gesicherten Arbeitsplatz und möchten für die eigene Zukunft finanziell vorsorgen können.

Zufriedenheit Doch vergleicht man die Wünsche mit der Realität, klaffen gewaltige Lücken. „Es besteht ein erhebliches Defizit zwischen Wohlstandsverständnis und Wohlstandswirklichkeit“, meint Opaschowski. So sei ein Leben ohne finanzielle Sorgen nur für 43 Prozent der Befragten Realität. Nur 40 Prozent könnten für ihre Zukunft finanziell vorsorgen, nur jeder Zweite verfüge über ein sicheres Einkommen, nur ein Drittel der Befragten kann sich materielle Wünsche erfüllen. Die Angst um den Job ist latent und in Ostdeutschland am größten. Nur 41 Prozent haben keine Zukunftsängste.

Soziale Spaltung

Die großen Wohlstandsgewinner sind laut Studie die Menschen über 65 Jahren. Die Mehrheit erhalte eine feste Rente und genieße ihre Freizeit, heißt es. Nur 15 Prozent dieser „Generation Superior“ stufe sich unten auf der Wohlstandskala ein. Ihre Sorgen – wenn vorhanden – konzentrierten sich auf Krankheit und Kontaktarmut. Jungen Leuten bis 24 Jahren fehle dagegen diese finanzielle Sicherheit. „Insgesamt hat sich die soziale Spaltung in Deutschland nicht weiter verschärft“, resümiert Opaschowski.

Nicht nur die Zahl der Wohlständigen ist gestiegen, sondern auch der Anteil der Wohlstandsverlierer von 20,4 auf 16,9 Prozent gesunken. „Dennoch dürfen wir nicht übersehen, dass es jedem sechsten Deutschen immer noch nicht gut geht.“