Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Panorama

(Wochenendzusammenfassung) Bundespresseball tanzt trotz Zeitungskrise

25.11.2012 | 09:41 Uhr
Foto: /dapd/Axel Schmidt

Party im Angesicht der Zeitungskrise: Rund 2.500 Gäste haben auf dem 61. Bundespresseball in Berlin ausgelassen gefeiert. Bundespräsident Joachim Gauck und seine Partnerin Daniela Schadt genossen ihren Premierenauftritt sichtlich und tanzten am Samstag bis in die frühen Morgenstunden. Kanzlerin Angela Merkel fehlte traditionell. Dafür kamen aus ihrem Kabinett sechs Minister.

Berlin (dapd). Party im Angesicht der Zeitungskrise: Rund 2.500 Gäste haben auf dem 61. Bundespresseball in Berlin ausgelassen gefeiert. Bundespräsident Joachim Gauck und seine Partnerin Daniela Schadt genossen ihren Premierenauftritt sichtlich und tanzten am Samstag bis in die frühen Morgenstunden. Kanzlerin Angela Merkel fehlte traditionell. Dafür kamen aus ihrem Kabinett sechs Minister. Bei Schampus, Austern und heißen Rhythmen ging es vor allem um eines: Die Krise, von der Hunderte Journalisten betroffen sind.

Freitagvormittag noch hatte der Verlag Gruner + Jahr, der auch Sponsor des Balls war, der Belegschaft das Aus der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" mitgeteilt, letzte Woche hatte die "Frankfurter Rundschau" Insolvenz angemeldet, im Oktober die Nachrichtenagentur dapd. Gauck sieht die Krise eher pragmatisch: Zeitungen werde es immer geben, man wisse derzeit nur nicht, wie viele, sagte er. "Die Menschen wissen ganz genau, welche Veränderungen in der Medienlandschaft anstehen."

Ähnlich argumentierte Vize-Kanzler Philipp Rösler (FDP): "Die Zeitungslandschaft ändert sich, die Lesegewohnheiten ändern sich. Darauf müssen sich die Verlage einstellen", sagte er. Und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erklärte, Zeitungen müssten eben innovativ sein.

Grünen-Chefin Claudia Roth meinte, sie sei traurig über diese Nachrichten, es müsse etwas passieren. "Es ist wirklich ein Schatten heute dabei." Auch für SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann war der Presseball angesichts der schlechten Nachrichten für die Branche überschattet: "Das sind bittere Wermutstropfen für diesen Ball." Weniger beunruhigt war dagegen Innenminister Thomas de Maiziére (CDU): : "Mich betreffen viele Krisen in der Welt", sagte er. Er hoffe, damit heute nicht beschäftigt zu werden.

Zum ersten Tanz des Abends im Festsaal des Hotels Intercontinental führte Gauck die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Sonja Mayntz, auf das Parkett. First Lady Daniela Schadt, in weinrotem Kleid, tanzte zugleich mit Gregor Mayntz. Gekommen waren zu dem Ball auch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, sowie die Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Stanislaw Tillich und Christine Lieberknecht.

Zu den Gästen zählten daneben ZDF-Chefredakteur Peter Frey, ARD-Moderator Ulrich Deppendorf, seine Kolleginnen Caren Miosga, Dunja Hayali und Gabi Bauer sowie die Schauspieler Andrea Sawatzki und Christian Berkel und der Modeexperte Michael Michalsky. Dagegen fehlt die komplette SPD-Spitze: Weder Peer Steinbrück noch Sigmar Gabriel oder Frank-Walter Steinmeier waren gekommen.

Das Ball-Motto "Perpetuum Mobile" sollte den Veranstaltern zufolge "die speziellen Regeln und Gesetzmäßigkeiten im Parlaments- und Regierungsviertel" deutlich machen. Darüber hinaus hätten sich auch die politischen Schwerpunktthemen wie Schulden- oder Eurokrise zu einem Perpetuum Mobile entwickelt. Musikalische Höhepunkte waren die Auftritte der Harlem Gospel Singers und von Roman Lob.

An den Buffets wurden Austern, Thunfisch und erlesene Trüffel serviert. Darüber hinaus gab es Schwarzfederhuhn, Mango-Lassi mit gerauchten Garnelen und gebratene Schweinebrust an Ferkelchen-Confit. Dazu floss der Champagner in Strömen.

Der Bundespresseball wird über den Verkauf der Eintrittskarten und durch die Unterstützung von Sponsoren finanziert. Die Tickets kosten 450 Euro pro Flanierkarte und 690 Euro pro Saalkarte. Sie sind nicht auf dem freien Markt erhältlich, sondern nur auf Einladung der Bundespressekonferenz.

(http://www.bundespresseball.de/)

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
26.11.2012
10:17
(Wochenendzusammenfassung) Bundespresseball tanzt trotz Zeitungskrise
von Syndikus | #2

Ich war zufällig am Wochenende in Berlin und habe dort die Berichterstattung über den Presseball mitbekommen. Den Journalisten sei eine ordentliche Party mehr als gegönnt, aber in diesem Zusammenhang darf sicherlich angemerkt werden, dass dieselbe Zunft erst kürzlich u.a die sponsorfinanzierten Feiern in den Landesvertretungen skandalisiert hat. An das eigene Maßhalten werden offenbar andere Maßstäbe angelegt, denn den feiernden Journalisten wurden laut Tagesspiegel beim Presseball u.a. Tausende von Austern, viele Kilo von schwarzen Wintertrüffeln und eine "Live Pastamanufaktur" bereitgestellt. Und bei der Tombola wurde mal eben eine Mercedeslimousine verlost, ohne dass sich iregendwer Gedanken darüber zu machen scheint (Bundespräsidenten wurden dagegen schon wegen "Bobbycarts" für käuflich erklärt!). Man stelle sich einmal vor, irgendjemand anderes aus dem Politikbetrieb als die Bundespressekonferenz würde eine derart barocke Party ausrichten - was wäre da los im Blätterwald!!!

25.11.2012
14:25
(Wochenendzusammenfassung) Bundespresseball tanzt trotz Zeitungskrise
von Pandora0611 | #1

So what?
Keiner der Anwesenden hat die Karte selbst bezahlt. Sie wurden alle eingeladen oder gesponsert. Da will man sich natürlich nicht die Laune verderben lassen.
Wen interessiert es wirlich, daß die FR, FTD oder dapd pleite sind; das Leben geht weiter!
Hauptsache, der Champus, die Austern und der Kaviar geht nicht aus.

Umfrage
Jeder dritte Deutsche fordert ein Verkaufsverbot für Weihnachtsgebäck im Spätsommer . Und Sie?

Jeder dritte Deutsche fordert ein Verkaufsverbot für Weihnachtsgebäck im Spätsommer . Und Sie?

 
Aus dem Ressort
Experten warnen vor einem Verbot von Flügen nach Westafrika
Ebola
Die von Ebola betroffenen Länder in Westafrika dürfen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht isoliert werden. Flug- und Reiseverbote würden die Wirtschaft schwächen und somit indirekt den Kampf gegen die Seuche behindern, gar zu weiterer Ausbreitung führen, warnt die WHO. Schon 2630 Tote.
Jeder Dritte will Verkaufsverbot für Lebkuchen im September
Weihnachtsgebäck
Fast zwei Drittel der Deutschen wollen Lebkuchen, Glühwein und Weihnachtslieder vor November aus den Läden verbannen. Einige fordern von der Regierung sogar ein Verkaufsverbot vor einem bestimmten Stichtag. Das hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer Online-Umfrage ermittelt.
ICE prallt bei Ingolstadt gegen einen umgestürzten Baum
Bahn-Unfall
Am Sonntagabend prallte ein ICE auf der Strecke zwischen Ingolstadt und München gegen einen Baum. Bei dem Unfall wurde zwar niemand verletzt, doch die Oberleitung auf einer Länge von 750 Metern von den Masten gerissen. Für die Fahrgäste begann mit dem Unfall eine lange Nacht.
Kundendaten auf DHL-Seite nach Technikfehler öffentlich
Datenschutz-Panne
Stundenlange Datenschutz-Panne bei der Deutschen Post: Bei der Online-Paketverfolgung von DHL waren in der vergangenen Woche Sendungsdaten von Kunden öffentlich für andere einsehbar. Die Post räumte den Vorfall ein und machte einen "technischen Fehler" verantwortlich. Dieser sei inzwischen behoben.
Zahl der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt in NRW gestiegen
Gewalt
Häusliche Gewalt nimmt in NRW immer mehr zu - die Zahl der Strafanzeigen hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Bei einer Tagung wollen Ärzte nun überlegen, wie sie den Opfern besser helfen können. Sie glauben, dass nicht nur die reale Zunahme der Gewalttaten Grund für Anstieg ist.