Wenn die Jugend Revolution macht
10.02.2012 | 19:22 Uhr 2012-02-10T19:22:00+0100
Essen. Der Ägypter Wael Ghonim erzählt in seinem Buch „Revolution 2.0“, wie er und ganz viele andere via Facebook Hosni Mubarak stürzten und wie dieser Aufstand ein Vorbild für andere Regionen auf dieser Welt sein kann.
Revolutionen macht man heute mit Facebook, mit Youtube, mit Twitter. Das hat sich herumgesprochen nach dem Arabischen Frühling, nur – wie genau stellt man es an?
Das ist eine Sache, die man sich jetzt aus Erster Hand erzählen lassen kann. Wael Ghonim ist einer der bekannteren Helden des Arabischen Frühlings. Ein damals 31-jähriger, unpolitischer, frommer ägyptischer Familienvater, der im Marketing von Google arbeitete. Der 2010 der frustrierten Jugend seines Landes auf Facebook eine besonnene Stimme gab. Der durch den Umsturz im Nachbarland Tunesien radikalisiert wurde und zu einem Wortführer der Anti-Mubarak-Bewegung aufstieg. Der verhaftet, verhört und elf Tage im Gefängnis misshandelt wurde, während draußen die Schlacht tobte.
Ägyptens Revolution war ein Lernprozess – für die Welt, für Ägypten und auch für Wael Ghonim. Anfang 2010 leitete er eine Online-Petition von prominenten Regimekritikern und ärgerte sich, dass ihr Forderungskatalog drei Monate brauchte, um 100 000 Unterstützer zu finden. Später legte er die Facebook-Seite „Wir sind alle Khaled Said“ an, auf der man sich per Foto, Text oder Video mit einem jungen Todesopfer der Geheimpolizei solidarisieren konnte. Die Seite fand dieselbe Anzahl Unterstützer binnen einer Woche.
Eine kritische Masse der Mutigen
So entstand eine kritische Masse an Mutigen, die sich im Juni erstmals auf die Straße wagte („Ägypten wird sich nicht verändern, wenn wir unsere Klagen lediglich auf Facebook vorbringen“) und die bis Januar zu jenem Sitzstreik auf dem Tahrir-Platz anschwoll, den wir aus dem Fernsehen kennen.
Ghonims Buch entstand in nur vier Monaten. Den großspurigen Untertitel glaubt es mit einem kurzen Epilog einlösen zu können. Hastig scheint es auch übersetzt und redigiert zu sein. Aber kleine Fehler verzeiht man diesem Bericht, der uns so nah an eine ganz große Sache unserer Zeit heranlässt: die Facebook-Revolution. Die eben noch Ägypten aus den Angeln hob. Schon morgen vielleicht Russland. Und eines Tages, wer weiß, auch China.
- Wael Ghonim: Revolution 2.0. Wie wir mit der ägyptischen Revolution die Welt verändern. Econ, 380 Seiten, 18,50 Euro
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