Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Archäologie

Stonehenge: Ein Friedhof für die Steinzeit-Promis

07.06.2013 | 18:04 Uhr
Stonehenge: Ein Friedhof für die Steinzeit-Promis
Ein fast schon magischer Anblick: Stonehenge bei Sonnenaufgang.Foto: Getty

Stonehenge.   Es ist der berühmteste aller prähistorischen Steinkreise: Stonehenge. Die Megalithstruktur in der englischen Grafschaft Wiltshire hat die Menschen seit Jahrtausenden fasziniert und Wissenschaftler seit Jahrhunderten Rätsel raten lassen.

Was ist die Bedeutung von Stonehenge? Ein Druidentempel, um Erdgötter zu verehren? Ein urzeitliches Observatorium? Eine Art Krankenhaus, zu dem die Menschen von weither pilgerten, um sich heilen zu lassen? Jetzt hat ein britischer Archäologe eine neue Theorie vorgestellt: Demnach ist Stonehenge so etwas wie eine Grabstätte für die Promis der Jungsteinzeit gewesen.

Professor Mike Parker Pearson vom University College London stützt seine These auf die Analyse von eingeäscherten menschlichen Überresten, die in den so genannten „Aubrey Holes“, einem Ring von 56 Erdlöchern rund um die Megalithstruktur, gefunden wurden. Es war ein gigantisches Puzzle: Pearson untersuchte mehr als 50 000 Knochenfragmente, stellte 63 verschiedene Individuen fest, wies nach, dass Männer, Frauen und auch Kinder zu den Toten gehören und fand schließlich mit der Radiokarbon-Methode heraus, dass die Entstehungszeit von Stonehenge um mindestens 500 Jahre auf ca. 3000 vor Christus zurückdatiert werden muss.

Zu dieser Zeit gab es noch nicht die gewaltigen Sarsen, jene Trilithen aus zwei Ecksteinen und einem Deckstein, die heute die unvergleichliche Silhouette von Stonehenge prägen. Stattdessen bestand die Kultstätte aus einem Kreis von rund 91 Metern Durchmesser, der von 56 aufrechtstehenden Blausteinen gebildet wurde. Unter ihnen wurden die eingeäscherten Knochen bestattet. Grabbeigaben deuten auf die hohe soziale Stellung der Toten. „Sie waren Personen von Autorität“, meint Professor Pearson und ist überzeugt, dass es sich bei Stonehenge ursprünglich um einen Friedhof für die Elite der Steinzeit handelte.

Kultstätten für die Lebenden und die Toten

Die Sarsen allerdings wurden erst später errichtet, um 2500 vor Christus. Pearson hat auch im fünf Kilometer entfernten Durrington Walls gegraben, wo er die größte neolithische Siedlung des nordwestlichen Europas fand. Er hält Durrington Walls für ein nur zu bestimmten Jahreszeiten bewohntes Arbeitslager, in dem sich bis zu 4000 Menschen einfanden, um das Stonehenge, wie wir es heute kennen, zu erbauen. In Durrington Walls hat man die Knochen von Tieren gefunden, die aus weit entfernten Landesteilen herbeigeschafft wurden: ein Beleg dafür, dass die Kultstätte Stonehenge so etwas wie die Kapitale der Steinzeitwelt gewesen sein muss.

Beide Orte, argumentiert Pearson, seien durch astronomische Symbole und eine Prozessionsstraße verbunden gewesen, und bildeten zusammen eine Kultstätte. Während Durrington Walls ein Platz für die Lebenden gewesen sei, wäre Stonehenge der Ort für die Toten. Begräbnisprozessionen seien von Durrington Walls im Osten bei Sonnenaufgang aufgebrochen und hätten Stonehenge im Westen bei Sonnenuntergang erreicht.

Übergang von der Stein- zur Bronzezeit

Doch die Blütezeit des Monuments war kurz. Nur 45 Jahre lang, so Pearson, soll es in Stonehenge die Feste zur Wintersonnenwende gegeben haben, dann hätte ein neues Volk die Regie übernommmen: die sogenannten Glockenbecher-Leute. Sie markieren den Übergang von der Stein- zur Bronzezeit. Sie brachten eine Töpferkultur auf die britischen Inseln und die Technologie der Metallbearbeitung. Entscheidend aber war ihre andersartige Grabkultur: Die Glockenbecher-Leute äscherten ihre Toten nicht ein, sondern bestatteten sie einzeln in der Erde. Stonehenge geriet aus der Mode.

Jochen Wittmann


Kommentare
Aus dem Ressort
Wie Körper und Geist auf Hochtouren kommen
Wandern
Nicht nur zu Ostern bringt ein Spaziergang unsere Gedanken ordentlich auf Trab. Das Wandern fördert die Kreativität. Denn körperliche Bewegung und geistige Beweglichkeit hängen zusammen. Und das meinen nicht nur Dichter und Philsophen, sondern auch Psychologen – und bewiesen es in einem...
Expertenrat am Wanderpfad
Wandern
Der Wanderexperte Uli Auffermann hat mehrere Wanderführer geschrieben. Im Gespräch erklärt er uns, wie man in unserer Region auf Entdeckungsreise geht, wie gut die heimischen Strecken touristisch erschlossen sind - und warumes gut sein kann, sich einfach treiben zu lassen.
Frau Linster, was ist für Sie das Gelbe vom Ei?
Spitzenküche
Die Luxemburger Spitzenköchin über Osterhasen, Kostbares in Schale und die große Kunst, trotz Wohlstand die beste aller Küchen im Dorf zu lassen. Eine Begegnung mit einer Frau, die es an die Spitze ihrer Zunft geschafft hat und darüber hinaus äußerst charmant geblieben ist.
Körperteile und Prothesen aus dem Drucker
Digitale Revolution
Durch die 3D-Druckertechnik werden wir bald Metallstücke oder Körpergewebe künstlich herstellen. Eine Entwicklung, die laut Expertenmeinung die Gesellschaft und die Wirtschaft revolutionieren wird. Von dort bis zum Replikator aus „Star Trek“ ist es nur noch ein kleiner Schritt.
Die Hölle für Braunbären hinter Käfiggittern
Tierschutz
In Polen sind die letzten drei Braunbären aus illegaler Privathaltung an den Zoo von Posen übergeben worden. Für die Tiere bedeutet es das Ende eines lebenslangen Martyriums und die Aussicht auf ein artgerechtets Ende ihres Lebens.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

 
Fotos und Videos
Lebensmittel-Schummel
Bildgalerie
Lebensmittel
Ein Fotograf macht Promis zornig
Bildgalerie
Fotografie
Die Beauty-Trends
Video
Schönheit