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Psychologin gibt Pflegekräften ein Empathie-Training

24.01.2015 | 17:15 Uhr
Psychologin gibt Pflegekräften ein Empathie-Training
Sich in andere Menschen mit ihren Sorgen und Nöten hineinzudenken, lässt sich mit speziellen Techniken üben.Foto: Archiv, Matthias Graben

Essen.  Victoria Schönefeld von der Uni Duisburg-Essen gibt Menschen in Pflegeberufen Tipps, wie sie sich in Menschen mit ihren Sorgen hineindenken können.

Diplom-Psychologin Victoria Schönefeld forscht an der Universität Duisburg-Essen zum Thema Empathie und bietet, etwa an Schulen für Krankenpflege, Empathie-Trainings an. Annika Fischer sprach mit ihr.

Kann man Empathie trainieren?

Grundsätzlich gehen wir vom „Homo Em­pathicus“ aus, wir besitzen die Fähigkeit zur Empathie. Wir unterscheiden aber zwischen einer emotionalen und einer kognitiven Seite: Die Fähigkeit zum Mitfühlen bringt jeder mehr oder weniger mit, diese emotionale Grundausstattung können wir nicht trainieren. Wohl aber unsere Werkzeuge: Trainierbar sind Techniken, mit denen wir herausfinden, was in unserem Gegenüber vorgeht.

Wie machen Sie das?

Diplom-Psychologin Victoria Schönefeld von der Uni Duisburg-Essen. Foto: privat

Wir arbeiten daran, Gefühle bei anderen zu erkennen: Was ist ihm wichtig, was sind seine Bedürfnisse? Die Gefühle eines Gegenübers zu ergründen, geht über Kommunikation, im Dialog. Die Idee dahinter ist: Hinter allen Handlungen steht ein Bedürfnis, das versuchen wir zu ergründen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Sagen wir, ein Patient ruft sehr oft nach der Pflegekraft, immer ist etwas anderes. Da sollte man nicht von außen bestimmen: Der hat das und das. Oder einfach nur sagen: „Alles ist gut.“ Es könnte etwas hinter seinem Verhalten stehen, etwa, dass er Angst hat vor einer Operation, sich unsicher fühlt, noch Informationen braucht. Das sollte man gemeinsam herausfinden und Lösungen dafür suchen.

Lässt sich messen, ob die Empathie wächst?

Schwierig, aber es gibt Annäherungen: Wir haben Fragebögen, in denen die Menschen selbst Auskunft geben. Wir können die betroffene Person fragen, ob und wie sehr sie sich verstanden fühlt – es gehören ja immer mindestens zwei dazu. Deshalb können wir auch beide Wahrnehmungen einander gegenüberstellen, dann messen wir den Grad der Übereinstimmung.

Kommt es vor, dass jemand zu viel Empathie zeigt, sie nicht steigern, sondern zurückfahren müsste?

Ein Zuviel an „Reindenk-Fähigkeit“ ist eher nicht vorstellbar, aber zu viel Empathie im Sinne von „Mit-Leiden“, das kann auch schaden. Mancher ist sehr stark betroffen, leidet mit im Wortsinn. Das kann weniger gesunde Ausmaße annehmen, wenn man sich überrollen, mitreißen lässt von der Traurigkeit eines anderen. Dann sollte man versuchen, sich etwas zurückzunehmen.

Tatsächlich darf man nicht nur bei den anderen gucken, sondern sollte auch Empathie für sich selbst haben. Wichtig ist Ausgewogenheit, dazu gehört auch ein gesunder Umgang mit sich selbst. Niemand darf sich vernachlässigen, sich vergessen, dann bleibt er auf der Strecke. Ein Pfleger kann sich nicht zwei Stunden mit jemandem hinsetzen für ein Gespräch. Aber er kann signalisieren: Ich habe dich gesehen, ich habe dich verstanden, auch wenn ich gerade leider keine Zeit für dich habe.

Bräuchten nicht mehr Menschen ein Empathie-Training?

Die entsprechenden Anforderungen in den sozialen Berufen sind schon besonders hoch, Pflegekräfte sind gehäuft mit dem Thema Empathie konfrontiert. Die meisten haben auch bereits eine entsprechende Idee von zwischenmenschlichen Beziehungen; viele, das wissen wir, wünschen sich aber Weiterbildungen in dem Bereich. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass jeder Mensch wissen will, wie es jemandem geht, oder dies einfach spürt, mitbekommt. Aber wir können nicht jedem Empathie beibringen. Zum Glück klappt das im Alltag bei den meisten ja von ganz allein.

Annika Fischer

Kommentare
24.01.2015
19:43
Psychologin gibt Pflegekräften ein Empathie-Training
von anorak13 | #1

Die sollte lieber den Ärzten so ein Training geben.
Dem Pflegepersonal sollte man lieber mehr Kolleginnen und Kollegen schenken.
Der Pflegeberuf ist...
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2015-01-24 17:15
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