Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Postkarten

"Postcrossing" bringt Menschen wieder zum Karten-Schreiben

07.09.2012 | 17:34 Uhr
"Postcrossing" bringt Menschen wieder zum Karten-Schreiben
Lieblingsstücke: Täglich landen Postkarten im Briefkasten der Venzkes in Düsseldorf, beide im positiven Sinne „süchtig“ nach der Idee, die Menschheit mit bunten Ansichten zu verbinden.Foto: Jakob Studnar

Essen.  Das Internet lässt Menschen wieder schreiben: Postkarten. Mit Stift und eigener Schrift an Adressen, die ausgelost werden. Zurück kommen bunte Ansichten aus entfernten Ländern – das nennt sich „Postcrossing“ und entwickelt sich zu einer globalen Massenbewegung.

Aus dem letzten Urlaub auch wieder nur SMS versandt: Sonne, Strand und lecker Essen in 160 Zeichen? Leider, die Menschen schreiben ja keine Postkarten mehr. Dachten wir, bis uns diese Nachricht erreichte (per Mail): In nicht einmal sieben Jahren haben mehr als 327 000 Leute aus 208 Ländern in der ganzen Welt einander mehr als zehn Millionen Karten geschickt.

Und die kannten sich nicht einmal! Zusammengebracht hat sie ausgerechnet das Internet: „Postcrossing“ ist Kommunikation 1.0, zurück in die Zukunft.

Postcrossing auf 26 Millionen Briefträger-Kilometern

Irgendwann in dieser Woche hat „Nordbaer“ die 7309. Postkarte seit kaum 2000 Tagen auf den Weg gebracht. In Düsseldorf, nicht am Nordpol, wie man denken könnte – der Nick-Name kommt von Norbert. Norbert Venzke ist damit im offiziellen User-Ranking der weltweiten Postcrosser die Nummer drei.

Und seine Postkarten, auch das ist im Internet zu sehen, weil jeder jeden Postein- und -ausgang registriert, haben sich auf bald 26 Millionen Briefträger-Kilometern gekreuzt („to cross“) mit fast ebenso vielen Karten, die der 56-Jährige aus seinem eigenen Kasten gefischt hat. „Von Leuten jeden Alters, jeden Standes, auf der ganzen Welt.“

Wer beim Postcrossing mitmacht, ist schnell infiziert

Die Adressen gibt’s per Netz zugelost, schreiben muss man sie per Hand: „Happy Postcrossing“. Foto: Jakob Studnar

Das ist der Sinn von www.postcrossing.com, dieser Seite, die der Portugiese Paulo Magalhães erfand und ins Netz stellte, einfach, weil er Postkarten mag. Die Idee: Menschen registrieren sich, legen ein Profil an, teilen dem Rest der Welt mit, welche Sorte Karten sie mögen (schwarz-weiß, Tiere, Landschaften, gezackte Ränder) oder ob sie lieber besondere Briefmarken hätten, bekommen eine Identifikationsnummer für alle künftige Post und die ersten fünf Adressen zugelost.

Und los geht es mit hemmungslosem „Happy Postcrossing“. Denn so läuft es tatsächlich immer: Wer mitmacht, ist schnell infiziert, „süchtig“, sagen die Leute, und deshalb stimmt das mit den 7000 Karten von Norbert Venzke auch nicht ganz. Der kommuniziert nämlich nebenher auch noch übers Forum – macht sicher noch 7000 extra.

Weshalb der gelernte Bankkauf- und heutige Computer-Fachmann erzählen kann von Glücksmomenten wie diesen: „Sie gehen zum Briefkasten, und zwischen all den Rechnungen finden sie schöne Post. Das ist toll.“ Obwohl diesen Weg meistens seine Frau macht; die „crosst“ ebenfalls mit, sortiert vor und ruft besorgt beim Briefträger an, wenn der nichts gebracht hat: „Bei dem sind wir bekannt.“ Und dann sitzen die beiden zusammen und schauen sich an, was die Welt ihnen zugedacht hat.

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Endlich Schnee im Sauerland
Bildgalerie
Winter
Knieprothesenoperation
Bildgalerie
Operation
Halden-Hügel-Hopping
Bildgalerie
Fotostrecke
Halde Großes Holz
Bildgalerie
Halden im Revier
article
7070612
"Postcrossing" bringt Menschen wieder zum Karten-Schreiben
"Postcrossing" bringt Menschen wieder zum Karten-Schreiben
$description$
http://www.derwesten.de/panorama/wochenende/postcrossing-bringt-menschen-wieder-zum-karten-schreiben-id7070612.html
2012-09-07 17:34
Postcrossing, Postkarte, Post, Internet, Briefe
Wochenende