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Picasso in Witten

17.02.2012 | 17:59 Uhr
Picasso in Witten

An Restaurants, die sich mit Kulturikonen schmücken, kann ich mich schlecht gewöhnen. In Herne gab es das „Goethe“. In dieser Kolumne habe ich verzweifelt versucht, den Bezug zwischen Dichterfürst und Emscher herzustellen. Es gab böse Briefe aus Sodingen. Das „Goethe“ schloss irgendwann. Immer noch gibt es in Herne die Goethe-Stuben, Motto: „Wir zeigen jedes Schalke-Spiel live.“

Daran dachte ich, als ein Kollege vom „Picasso“ in Witten erzählte. Der Kunst-Revoluzzer aus Andalusien und die beschauliche Stadt im Ennepe-Kreis? Die Lösung ist einfach. Sie heißt Luis Alvarez und wirbt mit (s)einem berühmten Landsmann für das Restaurant mit „Ruhrblick“.

Der liegt winters (das Restaurant öffnet wochentags um 17.30 h) im Dunkeln, aber es scheinen die Gäste von Luis Alvarez doch der Küche wegen anzureisen. Sie ist sehr spanisch ohne großes Topfgucken nach Moden oder anderen Nationen. Gerade das überzeugt und lässt einen willig die 26,90 € für ein echt großes Filet vom Iberico-Schwein zahlen. Was für ein Geschmack! Dunkel, herzhaft, fest, aber nicht hart, von der westfälischen Wald- und Wiesensau weit entfernt. Bei den Beilagen lässt Alvarez es schlicht zugehen: ein paar Kartöffelchen, ein wenig Rahmsauce, ohne Schnickschnack angerichtete Gemüse.

Fischsuppe mit stattlicher Einlage

Das ist so recht nach dem Geschmack von Puristen. So sie Spanien-Fans sind, werden sie lauter gute Bekannte auf jener Karte finden, die ein Picasso ziert. Als Starter im Winter empfiehlt sich die Fischsuppe. Mit 6,90€ bei stattlicher Einlage von Muscheln bis zarten Filetstückchen – richtig gut. Pulpo, Schinken vom Schwarzfuß-Schwein, oder eine samtige Manchego-Mousse mit getrockneten Tomaten: Man kann locker auch mit einer Reise durchs Vorspeisensortiment selig werden.

Es war mehr als ordentlich, was beim Test auf den Tisch kam. Im „Picasso“ geht es nicht so sehr um verstiegen hintergründige Aromenspiele und Kreativitätspirouetten. Die Gerichte sind ehrlich, die Zutaten hochwertig. Das ist heute ja auch schon eine Kunst, obschon nicht die von Pablo Picasso.

Preise: Im guten Mittelfeld. Die Fischsuppe für 6,90 ist angesichts üppiger Einlage fast günstig, Figurbewussten reicht sie als Hauptgang

Ambiente: Vorne im Raucherbereich eher kneipig. Hinten am Kanonenofen sehr gemütlich. Sommers schöne Außenterrasse

Service: Liegt in den Händen der Chefin. Kompetent und vorwiegend aufmerksam

Adresse: Picasso im Ruhrblick, In der Lake 19, 58456 Witten, Tel.: 02302-1797872, www.picasso-im-ruhrblick.de

Lars von der Gönna

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