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Musiker und ihre Musen: Das Mädchen aus dem Song

13.08.2010 | 17:35 Uhr
Joan Baez und Bob Dylan 1963 bei der Bürgerrechtsdemonstration in Washington D.C., wo Martin Luther King seine berühmte "I have a dream"-Rede hielt. Sie wollte ihn als Partner, um gemeinsam die Welt zu verändern. Doch er sagte ihr: "It ain't me, babe". Foto: Michael Heatley - Das Mädchen aus dem Song, Schwarzkopf & Schwarzkopf. 246 Seiten, 14, 95 €
Joan Baez und Bob Dylan 1963 bei der Bürgerrechtsdemonstration in Washington D.C., wo Martin Luther King seine berühmte "I have a dream"-Rede hielt. Sie wollte ihn als Partner, um gemeinsam die Welt zu verändern. Doch er sagte ihr: "It ain't me, babe". Foto: Michael Heatley - Das Mädchen aus dem Song, Schwarzkopf & Schwarzkopf. 246 Seiten, 14, 95 €

Essen. "Das Mädchen aus dem Song" heißt ein neues Buch, das die Geschichten erzählt, die sich hinter berühmten Namen verbergen: Angie, Lola, Rita, Suzanne oder Maggie May.

Mick Jagger hat’s getan. Leonard Cohen hat’s getan. Und Eric Clapton auch. Für ein Mädchen oder eine Frau ein Lied geschrieben und dem angebeteten Geschöpf so zu ewigem Leben verholfen. Im Song werden „Angie“, „Suzanne“ oder „Layla“ niemals alt, sondern bleiben immer so, wie sie damals waren: jung und schön, begehrenswert, aber unerreichbar. Oder zwar willig, aber mit einem anderen verheiratet. Die ihnen gewidmeten Lieder wurden Welthits. Selbst wenn man den Text nicht kennt, den Refrain, und damit den Namen der inspirierenden Holden, vergisst man nie. In „Das Mädchen aus dem Song“ spürt Musikjournalist und Autor Michael Heatley Angie, Suzanne, Layla und den anderen nach.

Nicht immer ging es um die Liebe

Sein Hauptaugenmerk gilt den Geschichten, die dahinter stehen: Warum, wann, unter welchen Umständen, entstanden die Stücke? Dem Facettenreichtum sind keine Grenzen gesetzt: Nicht alle Songs gelten der großen Liebe. So schrieb John Lennon 1968 „Dear Prudence“, um eine Meditationskollegin in Indien aus ihrer Hütte zu locken, Neil Diamonds „Sweet Caroline“ preist die niedliche Sorglosigkeit eines kleinen Mädchens namens Caroline Kennedy, das er 1962 auf einem Cover von „Life“ sah. Auch den Minnesängern war nicht immer Erfolg beschieden: „Diana“ (Ayoub) hat Paul Anka weder 1956 noch später erhört, „Peggy Sue“ (Gerron) bevorzugte ein Jahr darauf Buddy Hollys besten Freund Jerry Allison.

Häufig ist auch Beziehungsstress der Grund für die vermeintliche Ode – so handelt Paul Simons „Hearts And Bones“ (1983) von der Ehekrise mit Carrie Fisher, Axl Roses „Sweet Child O’Mine“ (1988) leugnet die hitzigen Streitereien mit seiner damaligen Freundin Erin Everly oder „Brillant Disguise“ (1987) von Bruce Springsteen thematisiert Misstrauen und Untreue nach der Hochzeit mit Julianne Philipps.

Aber auch Happyends kommen vor

Happyends dagegen sind in der schnelllebigen Glitzerwelt der Musiker und ihrer Musen selten. Kommen aber vor. Paul McCartney („Maybe I’m Amazed“) hat seine Linda bis zu ihrem Tod geliebt, Paul Hewson alias Bono von U2 („Sweetest Thing“) und seine Alison sind seit der Schulzeit 1976 zusammen, und bei Coldplay-Sänger Chris Martin („Moses“) und seiner Ehefrau Gwyneth ist angeblich auch alles in Butter.

Heatleys Buch fasziniert auch, weil die Lebenswege von Rosanna, Sharona und Diana gründlich recherchiert wurden. Der Autor begnügt sich nicht mit dem Moment, in dem Jagger mit erhitzten Lenden Marianne Faithful auffordert „Let’s Spend The Night Together“ (1967), Gainsbourg und Birkin „Je t’aime . . . mais non plus“ (1968) stöhnen oder Bowie mit „The Prettiest Star“ (1970) um die Hand von Angela Barnett anhält.

Er will auch wissen, was später aus Lola, Layla oder Lucy wurde. Während einigen wie Ankas Diana oder Spring­steens Ex-Gattin Julianne ein ruhiges, bürgerliches Leben vergönnt war, gerieten andere, wie Carrie Fisher oder Marianne Faithful, in Abhängigkeit von Drogen, die manchmal, wie im Fall der Warhol-Muse und „Femme Fatale“ (The Velvet Underground) Edie Sedgwick, tödlich endete. Das „Girl From Ipanema“ besitzt heute eine Boutiquenkette und „Lovely Rita“, die Politesse aus dem Lied der Beatles, die in Wirklichkeit Meta heißt, ging 1985 in Ruhestand.

Die meisten Lieder über Mädchen sind von Männern

Bei 48 von 50 Beispielen der „Mädchen aus dem Song“ sind die Urheber männlich. Nur Dory Previn warnte 1970 in „Beware Of Young Girls“ vor Mia Farrow, die ihr den Ehemann André Previn wegschnappte, und Sängerin Stevie Nicks vermischte 1979 in „Sara“ ihre eigene Geschichte mit der ihrer Freundin Sara Recor und der von Mick Fleetwood (Fleetwood Mac), der zeitweise mit beiden ein Verhältnis hatte. Und eine Ehefrau noch dazu.

Das schreit nach einem zweiten Buch: „Die Jungen aus dem Song“. Oder doch nicht? Seltsamerweise fällt mir spontan kein einziger ein.

Michael Heatley: Das Mädchen aus dem Song, Schwarzkopf & Schwarzkopf. 246 Seiten, 14, 95 €

Susanne Schramm

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Kommentare
14.08.2010
11:26
Musiker und ihre Musen: Das Mädchen aus dem Song
von Francesco Sinibaldi | #2

A place to be seen...

In a promise
theres the
light that
always remains
like a delicate
leaf in the
dark of a forest,
and there, in
your eyes, I
see beautiful
skies and a tender
relief.

Francesco Sinibaldi

14.08.2010
10:51
Musiker und ihre Musen: Das Mädchen aus dem Song
von tivie | #1

Hallo Frau Schramm!
Jetzt haben Sie es also auch getan - nachdem Spiegel online es Mitte letzten Monats es schon gemacht hat. Aber Ihre Rezension hat mir besser gefallen, danach würde ich das Buch auf meine Einkaufsliste setzen.
Ihre letze Anmerkung erstaunt mich aber! Demnach scheinen Sie nicht gaga zu sein ;-)
Und wenn Sie noch mehr Songs über Jungs/Männer suchen, schauen Sie mal bei www.davidgilmour.com in den Blog. Vor einigen Tagen wurde genau darüber geschrieben

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