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Mangold mit Hasenlänge aus dem Treibhaus

30.12.2015 | 19:59 Uhr
Mangold mit Hasenlänge aus dem Treibhaus
Treibhaus-Mangold bei Bauer Dirksen.Foto: Jens Dirksen

Niederrhein.  Das Schöne am Gärtnerleben ist ja, dass man im Rhythmus, im Einklang mit der Natur lebt. Man erlebt die Jahreszeiten intensiver als auf dem Weg von der Haustüre zum Auto.

Und doch, es muss eine Erklärung für so eigenwillige Einrichtungen wie Ge­wächs­häuser und Frühbeete geben – da ist der Gärtner der Natur gerne eine Hasenlänge voraus.

Aber so ein Frühlingsanfang wie in der zurückliegenden Woche kann einen schon noch irritieren – und vor die Frage stellen, ob die Natur vielleicht nicht mehr mit uns leben will. Natur? Naja, die Indizien dafür, dass die Klimaveränderung von Menschenhand gemacht ist, sind fast eindeutig. Nur werden wir uns im Garten über kurz oder lang zwischen rheinischem Fundamentaloptimismus und westfälischer Sturheit entscheiden müssen: Weitermachen wie bisher – oder Zitronenhain am Niederrhein? Bauer, bleib bei deinem Grünkohl – oder Paprika pur an den Hängen der Ruhr?

Die Aschenputtel unter den Gemüseplanze

Ich jedenfalls male mir bei jedem Urlaub in der Provence, in Andalusien, auf Mallorca oder den Kanaren aus, wie schön es sein könnte, wenn man daheim Bougainvilleas durch den Garten ranken hätte, unter ihrer Last ächzende Zitronensträucher und Auberginenstämmchen, vielleicht sogar zwei Dutzend Artischocken (weit hinten, versteht sich, die Dinger sind die Aschenputtel unter den Gemüsepflanzen).

Das beste Rezept für überbackenen Mangold

Aber wenn dafür der Feldsalat eingeht? Hm. Nochmal drüber nachdenken. So wie über den Sinn von Mangold im Treibhaus: Ich hatte ja die Beta vulgaris, die „gewöhnliche Rübe“, aus dem Freiland in Töpfe verpflanzt und bin zur Indoor-Ernte übergegangen: Mangold enthält ungewöhnlich viel Vitamin K und Kalium, Eisen, Calcium... – „Also ich esse den ja lieber ohne überbackenen Käse drüber“, bekam ich neulich am Mittagstisch zu hören. Trotzdem waren die Reste des überbackenen Mangolds am nächsten Tag verschwunden, irgendwer hatte sie zwischendurch kalt vernascht. So schmeckt Mangold, 10 Minuten angedünstet (erst die kleingeschnittenen Stiele, zum Schluss für 2 Minuten die Blätter drübergeben), mit Weißwein abgelöscht, mit Muskat, Salz und Pfeffer gewürzt (und entweder mit Käse überbacken oder mit Brühe angereichert) nämlich auch. Eigentlich habe ich die Natur so am liebsten.

Jens Dirksen

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Mangold mit Hasenlänge aus dem Treibhaus
Mangold mit Hasenlänge aus dem Treibhaus
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2015-12-30 19:59
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