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Kuschlig am Kamin in Mülheim

05.08.2011 | 16:11 Uhr

Mülheim.Eigentlich ist Biergarten-Saison. Doch in diesem Sommer fühlt man sich dort wohl, wo es warm ist – „Am Kamin“. Die Küche des Restaurants in Mülheim überzeugt – mit einem Angebot für Daheimgebliebene.

Das Schöne am Hübschhässlichen des Reviers sind die Überraschungen. Eben noch quält man sich zwischen Mülheim und Oberhausen durch die A 40, passiert an ihren Ausfahrten Plattenbau und Sonnenstudio und urplötzlich liegt da ein verträumtes Fachwerkhaus, versteckt in der Mulde: 300 Jahre alt, eine kleine feine Feinschmeckeradresse – und einen Versuch für all jene wert, die es dennoch nicht zu trendy, nicht zu überkandidelt mögen.

Denn „Am Kamin“ reckt sich weder in coolem Neonlicht noch in allzu gedrechseltem Speisekarten-Kisuaheli nach aktuellen Gastro-Moden. Man ist sich – im Schatten alter Kastanien und mit der uralten Standuhr im Gästezimmer – treu geblieben. Was die Gäste schätzen, ist der sehr persönliche Service (fast immer in Händen der Chefin) und eine Atmosphäre, in der gute Laune nicht gleich einen strafenden Blick vom Ober zur Folge hat, weil hohe Küche ach so heilig ist.

Die Karte ist klein und erlesen. Man findet Klassiker der feinen Küche vom Schwarzfederhuhn bis zur Jakobsmuschel, Hummer und Herefordrind. Schon die aktuelle Vorspeisenempfehlung erweist sich als raffinierte Eröffnung (11 Euro): Knusprige Bällchen aus Entenfleisch auf einer sämigen Rote-Bete-Sauce; sacht und nicht zu scharf krönt federleichter Wasabischaum die Edel-Krokette. Viel besser als der Hirschrücken (26 Euro) kann das folgende Edelwildstück kaum zubereitet sein: auf den dunkelrosigen Punkt gebraten mit Granatapfelpürree und krachenden, frisch karamellisierten Mandeln – einfach gut. Die Küche überzeugt, allein im Bereich der Saucen (es gibt zu oft Balsamico-Crema-Einsprengsel) ginge wohl noch mehr.

Vier Gänge plus ausgesuchte Weine

Aktuell übrigens gibt es samt begleitender Weine ein Angebot „Für Daheimgebliebene“. Für 40 Euro sind das vier Gänge, dazu hervorragend ausgesuchte Tropfen (drei verschiedene Rieslinge von knacktrocken bis edelsüß und ein roter Chilene). Es gab eher deftig bereitete Pfifferlinge, eine Kokossuppe, ein butterzartes Kaninchenfilet im Brotmantel und schließlich ein rosenduftiges Passionsfruchteis. Da hatten wir es also: das schöne Revier.

Preise: Für ein Restaurant der oberen Liga nicht überzogen

Ambiente: Ein bisschen altmodisch, aber stimmig. Die Seidenblumengestecke bleiben Geschmacks­sache

Service: Freundlich, warmherzig, humorvoll. Gute Weinberatung!

Und sonst: Ist der edle Biergarten an heißen Tagen äußerst lauschig

Adresse: Am Kamin, Striepensweg 62, 45473 Mülheim, Tel: 0208-760036

www.restaurant-amkamin.de

Kein Ruhetag

Lars von der Gönna

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