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Ruhrgebiets-Lexikon

Komma lecker beim Hennes Bender bei

01.03.2010 | 12:50 Uhr

Bochum. Hennes Bender hat ein Ruhrgebiets-Lexikon geschrieben: „Komma lecker bei mich bei“. Im Interview spricht er über den tiefen Graben zwischen Hochkultur und freier Szene, über das Liebenswerte am Revier - und warum er Wattenscheid-Eppendorf so fürchterlich findet.

„Essen ist so was wie der Streber in der Ruhrgebietsklasse. Der Pott-Primus. Alle sind neidisch auf ihn, aber wenn es darauf ankommt, will jeder mit ihm befreundet sein.“ Hat eigentlich schon mal jemand zuvor einen so treffenden Satz zum Spannungsverhältnis zwischen Kulturhauptstadt und Rest-Ruhrgebiet zu Papier gebracht? Nö? Macht nichts, hat ja Hennes Bender jetzt auch schon getan. Mit Georg Howahl sprach der Comedian und Erz-Bochumer über den tiefen Graben zwischen Hochkultur und freier Szene, über das Liebenswerte am Revier und darüber, dass wir Beschönigungen gar nicht nötig haben.

Herr Bender, Ihr Buch „Komma lecker bei mich bei“ haben Sie untertitelt „Kleines Ruhrpott-Lexikon“. Warum nicht Reiseführer?

Hennes Bender: Man kennt das ja, in den ganzen Reiseführern wird nur gelobhudelt – Aaah, das Centro, Uuuh, Zollverein. Da habe ich gesagt: Nee, wir müssen da jetzt mal drüber reden. Was mir wichtig war: Dass ich ehrlich bin und auch sage, was nicht toll ist.

Was denn?

Hennes Bender: Ich habe mir mal vor Augen geführt, dass es im Ruhrgebiet ganz viele Geschichten gibt, die ganz strange sind. Gerade auch, was die Kultur angeht.

Zum Beispiel?

Hennes Bender: Als etwa überall in Bochum diese Plakate für das Konzerthaus hingen, da habe ich mich gefragt, ob das eine gute Idee ist. Da kamen Leute und sagten: Da darf man nicht gegen sein. Ich sagte: Ich frag ja nur, ob man das finanziert kriegt. Ich meine, ich bin kein Mathematiker. Aber viele sagten: Das kriegt man nicht gestemmt und bewirtschaftet.

Eine Meinung, die Sie ja durchaus mit einigen teilen.

Hennes Bender: Ich habe die Konzerthaus-Pläne mal auf einer öffentlichen Veranstaltung kritisiert. Da war es auf einmal still im Raum. Ich dachte: Was ist denn jetzt los? Dann sagte mir jemand: „Viele hier hätten das gern selbst gesagt, aber sie sind in einer Position, wo sie das nicht sagen dürfen.“ Das ist der alte Hofnarren-Effekt. Der Schock kommt, wenn man merkt: Das hat der ernst gemeint. Ich komme mir dann vor wie bei „Des Kaisers neue Kleider“, wenn man als einziger sagt: „Der ist ja nackt“.

Böse Zungen würden sagen: Da wettert einer aus der freien Szene gegen die Etablierten?

Hennes Bender: Allein was ich in dieser Hinsicht über Bochum schreiben könnte, würde ein Buch füllen. Was davon in mein Ruhrpott-Lexikon geflossen ist, ist die vierte, entschärfte Fassung. Die Leute, die das jetzt lesen, wissen, wenn sie gemeint sind. Mir geht es aber darum, zu sagen: Ihr müsst Euch um Eure Leute kümmern. Es geht nicht darum, dass wir als freie Künstler irgendetwas hinterher getragen haben wollen. Aber man muss doch mal vor Ort gehen und schauen, wer hier wirklich Kultur macht. Es steht doch oft sogar das Wort Kultur davor. Auch was die Kulturhauptstadt angeht: Man schaue sich den Essener Bahnhof an, der Anfang des Jahres 2010 noch nicht fertig war und auch jetzt noch aussieht wie eine Baustelle. Die haben’s wirklich vergeigt.

Aber das Ruhrgebiet hat ja auch gute Seiten. Haben Sie fürs Lexikon neue entdeckt?

Hennes Bender: Ich war zum ersten Mal in Eisenheim in Oberhausen und dachte: Wie geil ist das denn hier? Das ist eine eigene Welt. Und ich bin Halden-Fan geworden. Ich denke schon, dass rüberkommt, dass das eine sehr lebenswerte Gegend ist. Ich bin übrigens auch einmal auf diesen Campingplatz in Hamm gefahren. Das ist unfassbar, wenn man da steht. Der Platz im Schatten der Meiler liegt direkt neben der A2, ein ständiges Rauschen. Und die meisten Camper kommen aus dem Ruhrgebiet.

Sind es solche Schrullen, die Sie am Ruhrgebiet lieben?

Hennes Bender: Es ist eher was anderes, nämlich die Leute hier. Ich brauche meine Leute um mich herum. Ich brauche Leute, die ehrlich sind, die ohne Umschweife sagen, wenn sie was scheiße finden. Das ist eine Tugend, die ich schätze.

Und was ist denn nun am Ruhrgebiet schlecht?

Hennes Bender: Eigentlich finde ich’s ja nicht schlecht, aber es gibt einige Ecken, die sind fürchterlich. Wattenscheid-Eppendorf. Da habe ich mal gewohnt und möchte dort nicht begraben sein. Wattenscheid und ich – das passte nicht zusammen.

Auch zum Rest von Bochum hatten Sie als Künstler ein zwiespältiges Verhältnis...

Hennes Bender: Das lag daran, dass ich von der lokalen Presse immer eins in die Fresse bekommen habe, auch von Ihrer Zeitung. Kritik schön und gut. Aber sie sollte fair sein. Deshalb habe ich lange einen Bogen um Bochum gemacht und immer nur in den umliegenden Städten gespielt. Aber ich habe irgendwann auch festgestellt, dass Jürgen von Manger seine größten Erfolge außerhalb des Ruhrgebiets hatte und erst posthum zum Ruhrgebietsbürger erklärt worden ist. Da dachte ich dann: Okay, ich bin wenigstens nicht der einzige.

Hennes Bender, „Komma lecker bei mich bei“, Ullstein, 269 S., 7,95 Euro. Im März erscheint Benders Karikaturenband „Alles Wesentliche“ (Lappan). Am 15.4. tritt Bender erstmals seit acht Jahren wieder in Bochum auf (Riff).

Georg Howahl

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Kommentare
06.08.2010
13:47
Blockierter Kommentar.
von vernebelt | #30

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.05.2010
21:30
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von die Nina aus Eppendorf | #29

Wattenscheid_Eppendorf ein Leben lang....
gibt nix besseres als hier zu leben...

und Bochumer112, wer bist du eigentlich das du dir so ein spruch rausnimmst????

15.03.2010
19:34
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von Hennes Bender | #28

Häh? Hab ich was gegen Schalke gesagt? Würde ich mich doch niemals wagen! Und gegen Selbstbefriedigung hab ich auch nichts. Und von WO soll ich abhauen? Schön wie eloquent und orthographisch korrekt man hier in diesem unmoderierten Blog seinen Ehrensenf loswerden darf. Ist ja immer noch ein freies Land...

13.03.2010
02:08
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.03.2010
19:24
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von DieSchatzi | #26

Ich steh nicht so auf Hennes Bender, auch nicht auf Bochum, auf Georg Howahl um so mehr.
Hallo!
Gehn wir mal ESSEN?

03.03.2010
21:58
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von Schauschlau | #25

Das ist ein netter Kommentar vor dir :-)

03.03.2010
11:44
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von Hennes Bender | #24

Guten Tach an alle virtuellen Diskussionsteilnehmer. Ich bins selber. Ich weiss auch, dass man als Diskussionsobjekt hier nicht auftreten sollte aber ich mache das um mal was klarzustellen. In dem Interview habe ich gesagt, dass ich In Eppendorf nicht tot übern Zaun hängen möchte. (Von Begraben war keine Rede). Es gibt derer aber auch noch viele andere Orte im Pott wo ich nicht tot übern Zaun hängen möchte. Eigentlich möchte ich nirgendwo tot übern Zaun hängen. Auch nicht in Bochum-Laer, wo ich immerhin 20 Jahre gelebt habe. Ich habe ein halbes Jahr in Wattenscheid-Eppendorf gewohnt und war als alter Laerscher einfach geschockt über die Abgeschiedenenheit und Bürgerlichkeit in diesem Stadtteil. Ich habe in meinem Buch ausführlich über das Thema Eingemeindungen und damit auch über das tragische Schicksal von Wattenscheid geschrieben, da dieser Ort mir als Bochumer Besatzer leben am nächsten liegt. Ich hätte auch über Essen-Kettwig oder Wanne-Eickel schreiben können. Das ironische und humoristisch gemeinte Aussagen in Schriftform nicht bei jedem ankommen ist mir auch schon klar. Ich hab auch kein Problem damit wenn mich einer Scheisse findet. Die Reaktionen auf das Buch sind zwiegespalten, die einen mögen es eben nicht, wenn man sehr deutlich wird, andere loben meine nostalgische Sicht auf das Ruhrgebiet. Ich kann und will und werde es auch in Zukunft mit meinem Zeug keinem Recht machen. Ich möchte, dass man ein bisschen an den eigenen Umständen zweifelt und sowas regt nun mal auf. Und das bin ich nun mal: aufregend! Ich bin kein sandgestrahlter, weichgespülter und hochglanzpolierter Lobhudeler, der alles was vor seiner Haustür passiert toll findet. Ich bin auch kein Nestbeschmutzer, denn ich habe das Nest ja nicht beschmutzt, das waren andere. Ich bin nur der Vogel, der sich lauthalt beschwert weil ihm jemand ins Nest gekackt hat. Wer aus Wattenscheid ist, der liebt seine Stadt (ist sie ja irgendwie immer noch), nur ich komm da nun mal nicht her. Tatsächlich gibt es schlimmere Orte bei uns. Vollmarstein (ich freu mich schon auf die Mails). Eins möchte ich aber hier ganz klar sagen: Ich bin in Bochum geboren, bin dort zur Schule gegangen, habe dort studiert und habe dort seit über 42 Jahren meinen Hauptwohnsitz. Man kann also sagen: Ich bin ein Bochumer! Und ich habe auch nicht vor hier wegzuziehen. Ausserdem gehen ich nicht wie ein Landvogt (Super Wort übrigens) durch die Bochumer Innenstadt, ich weiß auch gar nicht wie ein Landvogt geht. So was lernt man nicht in Bochum Laer. Und ich WEISS, daß Europe keine Castingband sind, das habe ich auch nirgendwo behauptet. Da bin ich echt pissig, auf mein unnützes Rockmusikwissen bilde ich mir nämlich ausnahmweise wirklich was ein. Soviel von mir. Glück Auf!

02.03.2010
15:22
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von Wscheider | #23

Der Bender kann mich mal lecker da lecken wo kein Licht hinkommt

02.03.2010
10:05
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von Harry und Toto | #22

Wer ist Bänder?

02.03.2010
00:44
Komma lecker beim Hennes Bender bei
von Staufenberg | #21

Lieber 12 von Bochumer112. Bender ist Bochumer, das weiss ich. Aber er ist kein richtiger Bochumer - sondern nur eine Art Atze Schröder Bochumer! Die Deutschen denken, dass wir hier im Pott doof und lustig sind. Darum haben Atze und Bender Erfolg. Dabei sind wir hier im Pott nur doof!!!

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