In der Tiefe des Raumes
10.02.2012 | 19:09 Uhr 2012-02-10T19:09:00+0100
Essen. Alte Blockbuster wie „Star Wars“ oder „Titanic“ werden mit 3D-Stempel zur neuen Sensation hochgejubelt. Doch taugen die altbewährten Streifen überhaupt für solch eine Tiefenwirkung? Eine Betrachtung.
Es sind Filme, die derzeit mit einem Werbeaufwand gestartet werden, als erlebe das Kino durch sie die kinematographische Offenbarung. Dabei kennt sie eigentlich schon jeder, es sind Blockbuster der Vergangenheit, seit langem schon Stammgäste auch auf dem Bildschirm. Der Unterschied: Jetzt, so versprechen die Verleiher, könne man diese Filme endlich in dreidimensionalen Bildern erleben. Als sei sowohl das als auch der Aufpreis bei der Kinokarte so erstrebenswert.
George Lucas, der immer schon gewusst hat, wie man aus Altware noch gutes Geld machen kann, startet gerade „Star Wars Episode 1: Die dunkle Bedrohung“ noch einmal, diesmal aber erstmals im 3D-Format. Das Manko ist die Tatsache, dass dieser Film nie mit parallelen „Stereo“-Kameras aufgenommen wurde, dass er noch nicht einmal für eine räumliche Betrachtung konzipiert wurde. Was wir also sehen, ist eine 3D-Konvertierung des ursprünglichen Materials, von bösen Zungen auch als „Fake 3D“ abgetan.
Allein das Uhrwerk in „Hugo Cabret“
Nun ist gerade George Lucas einer, dem die Qualität ungemein wichtig ist. Das zeigte sich schon bei der Zweitverwertung seiner ersten „Stars Wars“-Trilogie als erweiterte „Special Edition“. Und sicher hat er auch in Sachen rekonstruierter Räumlichkeit alles herausgekitzelt, was möglich war. Doch wer diese neue Version betrachtet, der wird nie jene wunderbare Tiefe der Bilder erleben, wie Martin Scorsese sie gerade in seinem mit Doppelkameras gedrehten Film „Hugo Cabret“ vorweisen kann. Wie allein das Uhrwerk im Turm des Pariser Bahnhofs Montparnasse uns schwerelos zu umspielen scheint, dagegen wirken selbst die Weltraum-Shots in „Episode 1“ noch flach und eng.
Wie sehr vor allem das amerikanische Publikum den 3D-Touch liebt, zeigte sich 2011 am Beispiel von Disneys „Der König der Löwen“. Obwohl der Streifen im DVD-Geschäft bereits riesige Umsätze gemacht hat, schoss die konvertierte Fassung des zweidimensionalen Zeichentrickfilms auf Anhieb auf Platz 1 der Kino-Charts. Am Ende verbuchte das Studio immerhin nordamerikanische Einnahmen von 93,2 Millionen Dollar. Das war der Eisbrecher für Vieles, was noch kommen wird. Im Frühjahr beispielsweise wird die „Titanic“ noch einmal räumlich untergehen. Mit James Cameron ist da ein Mann am Werk, der mit seinem späteren Science-Fiction-Film „Avatar“ bereits Maßstäbe im 3D-Bereich gesetzt hat.
Ein verschwommener Kampf der Titanen
Trotzdem ist die schnelle Geldmacherei mit der dritten Dimension noch immer nicht vorbei. Die Rede ist von solchen 2D-Filmen, die unmittelbar nach Fertigstellung gegen den Protest des Regisseurs einem simplen Umwandlungsprogramm unterworfen werden – eilig erstellt und hastig in die Kinos gebracht. Üble Beispiele sind da in Erinnerung, wie etwa der Fantasy-Film „Kampf der Titanen“ von Louis Letterier, der auf einmal verschwommen wirkte und kaum Tiefenwirkung erzielen konnte. Ähnlich erging es M. Night Shyamalan mit seiner „Legende von Aang“. Und zumindest skeptisch äußerte sich bereits Andrew Stanton, dessen demnächst startende Science-Fiction-Produktion „John Carter“ bereits das gleiche Schicksal erlitten hat.
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