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Im Namen der Liebe

05.10.2012 | 15:53 Uhr
Im Namen der Liebe
Frisch verliebt: Eine 40-Jährige fühlt sich in Jodi Picoults neuem Roman zu einer anderen Frau hingezogen. Ihr gemeinsamer Traum: ein eigenes Kind.Foto: Arne Poll

Essen.   Jodi Picoult beleuchtet in „Ein Lied für meine Tochter“ die Reproduktionsmedizin. Es handelt von zwei lesbischen Frauen, die ein gemeinsames Kind wollen. Die Erfolgsautorin stellt die moralische Frage, was eine Familie heute ausmacht.

Das Coming-Out einer 40-Jährigen, die sich so ungläubig wie unsterblich in eine andere Frau verliebt – das ist eine Geschichte wie geschaffen, um ein bewegendes Buch daraus zu machen. Wenn man sich auf diese eine Geschichte beschränkt. Und sie nicht vermengt mit: kindlichen Traumata, religiösen Eiferern, Diskriminierung, Autismus, Reproduktionsmedizin, Sucht, Suizid, Missbrauch… Jodi Picoult aber packt all diese Themen (und mehr!) in einen einzigen Roman, ihren neuen: „Ein Lied für meine Tochter“. Und so wurde aus vielen guten Ideen – keines der besseren Bücher der Autorin, die mit „Beim Leben meiner Schwester“ doch weltweit Leser (und Kinogänger) zu begeistern vermochte.

Protagonistin Zoe hat es schwer. Endlich ist sie schwanger, nach der zig-sten künstlichen Befruchtung, da verliert sie das Baby. Und dann verlässt sie auch noch Ehemann Max. Verzweifelt stürzt sich die Musiktherapeutin in die Arbeit, lernt die Psychologin Vanessa kennen. Und lieben. Das lesbische Paar heiratet – und will ein Kind. Die Klinik will Zoe die letzten beiden eingefrorenen Embryos, die noch aus der Zeit ihrer Versuche mit Max stammen, und mit denen es funktionieren könnte, nur herausgeben, wenn Max zustimmt. Doch der ist inzwischen Mitglied einer radikalen Kirchengemeinde, des „größten homophoben Vereins in der Gegend“, und weigert sich. Es kommt zum Prozess.

Jodi Picoult schreibt gerne über brisante Themen. In ihrem neuen Buch spricht sie jedoch zu viele an. Foto: Getty

An dessen Ausgang der Leser nicht eine Sekunde lang zweifelt. Weil es in Jodi Picoults Roman nur Gute und Böse gibt, nur Schwarz und Weiß. Aber so löblich das Engagement der US-Autorin für die Rechte homosexueller Paare in ihrem Land auch sein mag, so farblos wirkt eine Geschichte, der die Grautöne fehlen. 20 Bücher hat die studierte Pädagogin seit 1992 veröffentlicht – und die Fans, so ist zu lesen, lieben sie, weil sie sich so leidenschaftlich mit brisanten Themen befassten. Nun, dass Picoult tapfer gegen Vorurteile kämpft, ist tatsächlich ein Grund, „Ein Lied für meine Tochter“ nicht gleich beiseite zu legen. Außerdem ist sie stellenweise wirklich witzig, etwa im „Bibelstellen-Kampf“ der beiden Anwälte. Meist aber platt. Und zu bemüht, um glaubhaft zu wirken, ihr Roman zu überfrachtet, um rühren zu können. (Es gibt sogar einen „Soundtrack“ zum Buch!)

Dass Picoults 17-jähriger Sohn jüngst gestand, er sei schwul, passt da nur zu perfekt ins Bild. Zumal es die Mutter, erfährt man auf der Homepage der Autorin, ja wusste, seit er drei war! Der Leser ahnte es irgendwie.

  • Jodi Picoult: Ein Lied für meine Tochter. Lübbe-Verlag, 576 Seiten, 22,99 Euro

Von Ute Schwarzwald


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