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Flipper-Automaten

In Dortmund öffnet jetzt ein Flipper-Museum

15.01.2016 | 17:14 Uhr

Dortmund.   Das Flipper Museum Ruhr in Dortmund öffnet für Automaten-Nostalgiker und Adrenalin-Sucher. Bumper, Bonus, Multiball bringen den Spielern Glückgefühle.

James Bond schießen die silbernen Kugeln an der Föhnfrisur vorbei, um die Welt zu retten feuert man Rampen rauf und runter, stürzt in tiefe Verliese und entschwebt in die Schwerelosigkeit des Alls. Es blitzt und blinkt, dass man die Augen zukneifen möchte – und weiter unten an der schrägen Rampe haben zwei Schläger alle Hände voll zu tun: Multiball bei „GoldenEye“. Wer nun immer noch nicht weiß, welches Spiel hier gespielt wird, wurde wohl zu spät geboren. Denn hier wird geflippert, bis der Highscore fällt.

Sie stehen Schulter an Schulter, Mensch gegen Maschine, sechs, sieben, acht Männer und Frauen jeden Alters, Schultern vorgebeugt, Finger am Knopf, den Blick starr gerichtet auf das rasante Geschehen, das da unter der Glasscheibe klackert und klockert. Sie kämpfen in einer Schlacht, die sie nur verlieren können. Aber sie kämpfen. Um der Maschine Punkte, Extrabälle oder gar ein Freispiel abzutrotzen.

In Kneipen, Eisdielen, Pommesbuden

Mann gegen Maschine: Die Weltenrettung erfordert im Flipper Museum Ruhr höchste Konzentration – nicht nur am „James Bond - GoldenEye“-Automaten aus dem Jahr 1996.

Freispiel? Nun, an dieser Stelle müssen wir kurz eingreifen in die Schilderung der heroischen Taten unserer unbeugsamen Pinball-Zauberer und -Zauberinnen, denn um Freispiele und den Kampf um den letzten Groschen geht es im Flipper Museum Ruhr gerade nicht mehr, hier entrichtet jeder seinen Eintritt von 12 Euro und hat, oh moderne Zeiten, für den Rest des Abends Flatrate-Flippern – anders als in der freien Wildbahn, in Kneipen, Eisdielen und Kinofoyers, wo einst Jugendliche das ganze Taschengeld an einem Abend im Schacht eines Flipperautomaten versenkten.

Museum ist allerdings so ein grundfalsches Wort für das, was gerade in Dortmund-Wellinghofen unter das Dach eines mittelgroßen Eventzentrums gezogen ist, Tür an Tür zum Automobil Museum Dortmund. Denn die vermeintlichen Ausstellungsstücke verlangen ja förmlich danach, angefasst und benutzt zu werden, bis die eigenen Finger schmerzen. „Wir haben das Flipper Museum gegründet, weil wir viele verrückte Flipperbegeisterte sind, die auch an anderen Geräten spielen möchten als an den eigenen – und auch andere daran teilhaben lassen wollen“, sagt Wolfgang Olbrisch, 1. Vorsitzender des Vereins, den es schon seit 2008 gibt, der zwischenzeitlich Domizil bezogen hatte in einem Essener Bunker und dann privat auf Olbrischs Dachboden Unterschlupf fand.

Mit Fingerfertigkeit die Mädchenherzen erobern

Nicht nur für Nostalgiker: Im Flipper-Museum spielen auch die, die nicht mit den analogen Kisten aufgewachsen sind.

Natürlich war es dort zu eng, so dass die neuen Räume nun nicht nur einen Befreiungsschlag für den Verein, sondern auch eine Öffnung für ein breiteres Publikum bedeuten. Und ein solches sollte sich schon finden, schließlich waren Flipperautomaten in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren an allen möglichen Orten präsent, sie waren von der Kneipe bis in die Pommesbude ein Garant für neugierige jugendliche Blicke und Kontaktanbahnung mit dem anderen Geschlecht. Nicht selten versuchten Jungs, die Mädchen durch ihre Fingerfertigkeit im Umgang mit den Silberkugeln zu beeindrucken – und so ihr Herz zu gewinnen. Und die Mädchen? Flipperten zurück. Eine Faszination, die erst nachließ, als die aufwändigen analogen Maschinen, die lange in friedlicher Koexistenz zu Videospielautomaten gelebt hatten, Konkurrenz bekamen von Heimcomputern und Videospiel-Konsolen, in die man nicht mehr die sauer verdienten Münzen werfen musste.

22 Geräte stehen derzeit in Dortmund, nicht alle blinken und klackern, denn der Flipper Museum Ruhr e.V. ist auch ein Club von Schraubern, die kaputte Geräte vor Ort reparieren. „Wer bei uns zu Besuch ist, kann nicht nur spielen, er kann sich auch informieren, was es früher gab. Wir erklären, wie es funktioniert hat vor 50 Jahren. Es besteht auch die Möglichkeit, so ein Gerät zu öffnen“, sagt Olbrisch.

Die älteste Kiste stammt aus dem Jahr 1953 und ist ein mechanisch-elektronisches Kuller-Glücksspiel, bei dem man selten mit den Flipper-Schlägern in Kugelkontakt kommt – und erst recht nicht seine Schüsse präzise platzieren kann.

Bumper, Boni, Multibälle

Video
Flipper-Fans sind hier wahrscheinlich genau richtig: Am 23. Januar eröffnet in Dortmund das Flipper-Museum Ruhr. Den Besuchern werden hier alte Schätzchen und Hightech-Maschinen präsentiert.

Es gibt natürlich auch jüngere Geräte: Ein „Kiss“-Flipper von 1978, der von den bleich geschminkten Hardrockern persönlich getestet wurde, ein „Star Trek“-Pinball von 1979, ein „Maverick“ von 1994, bei dem man seine Bälle in einen Schaufelrad-Dampfer schießen kann, ein „Funhouse“ von 1990, bei dem man der verdrehten Logik eines Irrenhaus-Themenparks folgt. Denn: Ja, jeder Flipperautomat hat eigene Spielregeln, die einer Story folgen. Wer Kombinationen, die in dieser Geschichte Sinn ergeben, erspielt, bekommt mehr Punkte, Boni, Extrabälle, der setzt Multibälle frei und ein Videofeuerwerk.

Es ist eine Wissenschaft für sich, mit jeder der Maschinen kann man sich zahllose Stunden erbittert auseinandersetzen, bevor man alle Feinheiten erfasst hat, die die Ingenieure in den Tiefen der Flipperkästen versenkt haben. Eine Faszination auch für die Meisterleistungen verspielter Ingenieurskunst, die nichts anderes im Sinn hatte, als den Adrenalinspiegel des Spielers bis zum Anschlag zu kitzeln. Wenn man sieht, mit welcher Konzentration Väter und Töchter, Jungs und Mädchen sich im Flipper Museum in cooler Pose einer Leidenschaft hingeben, die längst den Rückzug angetreten hat aus Gastronomie und Spielhallen, fängt es bei vielen an, wieder in den Fingern zu jucken.

  • Flipper Museum Ruhr, Brandisstr. 50, 44265 Dortmund. Offizielle Eröffnung: 23. Januar, 16 Uhr. Weitere Flippertermine: 5.2., 26.2., 4.3., 11.3., 8.4., 23.4., jeweils 18 Uhr. www.flippermuseum-ruhr.de

Georg Howahl

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http://www.derwesten.de/panorama/wochenende/im-bann-der-silbernen-kugel-id11466248.html
2016-01-15 17:14
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