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Halde Kissinger Höhe hat sogar eine eigene Berghütte

05.02.2016 | 19:05 Uhr
Halde Kissinger Höhe hat sogar eine eigene Berghütte
Hüttenzauber auf der Halde.Foto: Ralf Rottmann

Hamm.   Auf der Kissinger Höhe in Hamm-Herringen ist man von ehemaligen Zechen umzingelt. Und mit Cottmanns Hütte hat man sogar eine gute Stube in Gipfelnähe.

Sie ist umzingelt von ehemaligen Zechen und Schächten. Zeche Heinrich Robert mit dem Hammerkopfturm. Schacht Lerche mit dem Golfschlägerturm. Die Schächte Franz und Humbert. Zeche Radbod. Wer je daran gezweifelt hat, dass Hamm mit vollem Recht zum Ruhrgebiet zählt, erhält hier auf der Kissinger Höhe eine Lektion in Bergbau-Geschichte. Das ist auch durchaus wörtlich zu nehmen, denn über die Halde verteilt findet sich ein Bergbau-Lehrpfad mit allerhand Gerät, das einst unter Tage seine Dienste verrichtete: Förderwagen und Seilscheibe, Teufkübel und Greifer, E-Lok mit Personenwagen.

Unter Tage wirken manche der Maschinenteile wie von Riesen erschaffen, hier oben auf dem Rücken des 115 Meter über n.N. liegenden Abraumberges schrumpfen die Dimensionen. Ja, Hamm ist eine Bergbaustadt gewesen – und kann sich doch des Kontrasts zwischen schwerer Industrie und landschaftlichem Idyll nicht erwehren. Denn im Sommer blühen hier die Sonnenblumen, ist es kräftig begrünt, allein von den gut 500 000 Bäumen, mit denen die Kissinger Höhe vor einigen Jahren bepflanzt wurde.

Mit Matthias Alze vom Förderverein und seinem Pudel bei einem Rundgang über die Halde. Foto: Ralf Rottmann

Der Bergbau hat sich vor gar nicht allzu langer Zeit von hier zurückgezogen: Am 30. September 2010 wurde auf Heinrich Robert die letzte Schicht gefahren. Die Verfüllungsarbeiten der Schächte dauerten noch bis 2013 an. Einer, der das ganz genau weiß, ist Matthias Alze. Er war Wetteringenieur auf Heinrich Robert, „noch zu Produktionszeiten“, wie er sagt. Nach der letzten Schicht arbeitete er an der Verfüllung mit. Heute, mit 53 Jahren, ist er im Vorruhestand – und doch lässt ihn die Zeche und ihre Halde nicht los. Zum einen, weil er den Berg in seiner Nachbarschaft immer noch als Laufstrecke zu schätzen weiß, genau wie die ganze Laufgruppe der Grubenwehr Bergwerk Ost. Sie sind nicht die einzigen Läufer hier, denn entlang der 17 Kilometer Wegstrecke scharen sich Wanderer, Nordic-Walker – und auf dem Barfuß-Pfad die Bigfoot-Truppe. Alze kennt sie alle, denn er ist seit Juli vergangenen Jahres Geschäftsführer des Fördervereins Kissinger Höhe, der sich nun um die Instandhaltung der Halde kümmert. Und nicht nur um die.

Kräuterwanderungen und Grillfeste

Auf der Halde steht zudem Cottmanns Hütte, die in den 80er-Jahren errichtet wurde und unter anderem als Schulungsraum für Bergleute genutzt wurde. Wenn man sie so sieht, an diesem Januartag mit seinem Bindfadenregen, dann kann man sich dennoch sehr gut vorstellen, dass sie im Sommer auch prima für Grillfeste und andere Feiern genutzt werden kann. „Uns geht es darum, Cottmanns Hütte attraktiv zu machen. Wir haben etwa Kräuterwanderungen über die Halde durchgeführt und anschließend in der Küche der Hütte mit den gepflückten Kräutern Speisen zubereitet“, berichtet Alze. Für die Hütte hatte sich ein eigener Förderverein gegründet, der im vergangenen Jahr mit dem der Kissinger Höhe fusionierte.

Auf der Höhe: Matthias Alze, ehemals Wetteringenieur, heute Geschäftsführer des Fördervereins Kissinger Höhe, im Hintergrund der Hammerkopfturm von Heinrich Robert. Foto: Ralf Rottmann

Hamm, so scheint es, ist eine Stadt der Kümmerer. 38 Mitglieder und acht Organisationen zählt der Verein heute. Und ohne die private Initiative wären Halde und Hütte nicht in so gutem Zustand wie heute, schon allein wegen der Kosten. „Wenn man mal ehrlich ist: Der Regionalverband Ruhr, dem die Hütte eigentlich gehörte, hätte das ganze Ding abgerissen. Schüppe drauf, Glückauf!“ Denn Instandhaltung, Wasser und Strom gibt es nun mal nicht ohne Geld und Mühe.

„Um das Außengelände allein der Hütte in Schuss zu halten, braucht man schon richtig Manpower. Wir machen deshalb hier regelmäßig SOS-Tage, dann wird das Laub gefegt, Grünschnitt und auch diverse Reparaturarbeiten gemacht. Das sind schon ein paar Quadratmeter. Und den Teich müssen wir im Frühjahr auch wieder einmal auspumpen, um den ganzen Schlamm zu entfernen“, so Alze.

Dabei macht die gesamte Halde einen recht gepflegten Eindruck, was einerseits an den asphaltierten Wegen liegt, die bis zur Hütte führen, andererseits auch an der geringen Verschmutzung, die ohne Kümmerer wahrscheinlich ungleich heftiger wäre.

Auf dem Haldengipfel erwartet den Besteiger allerdings keine spektakuläre Landmarke, nur eine große Stahlscheibe mit kreisförmig darum angeordneten Natursteinquadern, woraus sich im Sommer ein prima Picknicktisch machen lässt. Der Ausblick auf einige der markanten Bergbau-Landmarken rundherum könnte sich allerdings schon im kommenden Jahr erledigt haben. „Auf Heinrich Robert werden die ersten Abrisse wohl noch im Herbst dieses Jahres erfolgen. Elf Gebäude stehen meines Wissens zur Disposition. Die könnten zwar noch unter Denkmalschutz gestellt werden.“

Der Berbaulehrpfad

Aber man muss realistisch sein: Es wird darauf hinauslaufen, dass sie abgerissen werden. „Da kann man als Förderverein nur hier auf der Halde noch etwas dafür tun, dass diese Verknüpfung zum Bergbau weitgehend erhalten bleibt. Insbesondere über den Bergbaulehrpfad und über diverse Veranstaltungen zum Thema Bergbau, die hier auf der Halde abgehalten werden“, sagt Alze. Und wenn er davon erzählt, dann kommt seine Stimme nicht ganz ohne Wehmut aus.

Georg Howahl

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2016-02-05 19:05
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