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Gasometer-Schau zeigt Schönheit und Gefahr des Lebens

11.03.2016 | 17:17 Uhr
Gasometer-Schau zeigt Schönheit und Gefahr des Lebens
Naturdrama mit Geparden und Springbock.Foto: Bridgena Barnard

Oberhausen.   Die „Wunder der Natur“-Ausstellung im Gasometer in Oberhausen ist auch ein Appell, diesen Planeten zu schätzen und zu erhalten.

Ganz gleich, ob man sich im Oberhausener Gasometer erst die 150 riesenformatigen Naturfotografien ansieht, wenn man hinaufsteigt zum 20-Meter-Globus – oder ob man die mit dem blauen Planeten größte Attraktion zuerst in Augenschein nimmt, auf und ab fahrend im Aufzug wie ein Astronaut in der Rakete oder gemütlich in eins der Kissen auf den Treppenstufen gelagert: Man wird unweigerlich daran erinnert, dass alles zusammengehört, dass in dem komplexen System Erde alles mit allem zusammenhängt.

Und dass die Schönheit grausam sein kann. Genau so erlebte die Fotografin Bridgena Barnard jenen Moment, nachdem sie im Kgalagadi-Park in Südafrika ein Trio junger Geparden beobachtet hatte. Am fünften Tag ihrer Foto-Safari lauerte ein Trio von jungen Geparden einer Springbock-Herde auf. Da schleichen sich die drei an einen einzelnen Springbock heran. Noch könnte die Fotografin die Antilope mit einem Schrei vor der tödlichen Gefahr warnen – aber sie entscheidet sich dagegen. Die Geparden werden den Springbock genau in die Richtung der Fotografin hetzen, und sie fängt den dramatischen Moment ein, bevor drei Großkatzen den Paarhufer zu Fall bringen und dafür sorgen, dass sie die nächsten Tage nicht verhungern werden. „Die Natur“, schreibt Bridgena Barnard, „ist wunderschön, sie kann aber auch grausam sein.“

Das Schönste an den vielen schönen Tier- und Pflanzenfotografien im Gasometer, an den 28 000 Facettenaugen einer Libelle, an der puren Lebensenergie einer gerade schlüpfenden Karettschildkröte, die zum ersten Mal ihre Beine streckt, und an dem zärtlichen Kuss der Bonobo-Affen ist – die Logik dahinter. Es hat alles seinen Sinn und Zweck, seine Funktion, und wenn sich ein einzelnes Wesen tatsächlich all das ausgedacht haben sollte, dann müsste es tatsächlich über göttliche Fähigkeiten verfügen.

Ein Fassadenkletterer kontrolliert am Gasometer in Oberhausen das riesige Werbeplakat der Ausstellung „Wunder der Natur“. Foto: Roland Weihrauch

Die kurzen Texte an den Fotografien der Ausstellung erläutern all dies – und das auch dann, wenn selbst die Wissenschaft immer noch ahnungslos ist. Wie bei den Kaiserpinguinen zum Beispiel. Die schönen Pinguin-Filme im Kino enden meist dann, wenn die jungen Pinguine flügge sind, ihre Eltern nicht mehr brauchen und fröhlich ins Meer springen. Aber was dann passiert, in den drei bis sechs Jahren, bis die Jungpinguine wieder zurückkehren und selbst zur Familiengründung schreiten – ein Rätsel, das noch der Erforschung harrt.

Anderes wiederum hat seine natürliche Logik und ist doch schier unbegreiflich. Denn auch die größten Bäume der Welt, die kalifornischen Riesenmammutbäume (der fünftgrößte Organismus der Erde), die gut und gerne 2000 Jahre alt werden und so hoch wie der Gasometer werden können, keimen aus einem kleinen, unscheinbaren Samenkorn.

Staunen wie ein Kind

Und manche dieser Samen, die Dutzende von Kilometern weit fliegen sollen, sind wahre Wunder der Konstruktion, wabenförmige Ultraleichtflieger, getragen vom Wind und ihren Haaren, von Flügeln oder Hohlräumen. „Die Ausstellung“, sagt ihr Kurator Peter Pachnicke, der vor seiner Pensionierung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen im Dienste der Kunst arbeitete, „ist erwachsen aus dem Gefühl der Dummheit, die man spürt, wenn man sich im Alter wieder der Natur zuwendet. Man lernt wieder das Staunen, das man als Kind so gut konnte.“

Nach dieser Ausstellung wird man allerdings zuversichtlicher denn je sein, dass in der Natur alles – wenn schon nicht seine Ordnung, so doch seinen Sinn hat. Und man wird, mit ein bisschen Nachdenken, nicht nur darüber staunen, wie schön das alles ist, wie genial, intelligent und kreativ ausgedacht. Sondern auch darüber, was wir diesem empfindlichen System in den letzten 100, 200 Jahren alles zugemutet haben – und was es alles ausgehalten hat, ohne vollends außer Kontrolle zu geraten.

Im günstigsten Fall wird man draußen auf dem Parkplatz, wenn man kurz davor ist, den Zündschlüssel des Autos herumzudrehen, einen Augenblick lang fragen: Was mache ich hier eigentlich? Und was tue ich dafür, dass die Erde genau so wundervoll bleibt, wie ich sie gerade gesehen, wie ich sie erlebt habe?

Mehr zur Schau im: Gasometer

Jens Dirksen

Kommentare
19.03.2016
10:47
Gasometer-Schau zeigt Schönheit und Gefahr des Lebens
von ettigirbdre | #1

Zum letzten Absatz: Ein erster Schritt wäre es, nicht mit dem Auto zum Gasometer zu fahren. Eigentlich ist er gut mit dem ÖPNV und dem Fahhrad zu...
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Gasometer-Schau zeigt Schönheit und Gefahr des Lebens
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http://www.derwesten.de/panorama/wochenende/gasometer-schau-zeigt-schoenheit-und-gefahr-des-lebens-id11643761.html
2016-03-11 17:17
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