Es muss nicht immer lustig sein
11.11.2011 | 18:42 Uhr 2011-11-11T18:42:00+0100
Der Komiker hat ein neues Buch geschrieben. Es unterläuft alle Erwartungen der Leser und wird an manchen Stellen sogar melancholisch. Weil Klocke aber immer wieder zurück zu den Absurditäten des Lebens findet, ist es umso besser.
Piet Klocke hat ein Buch geschrieben. Viele werden denken: „Na, das hat uns auch noch gefehlt . . .“ Was sie aber nicht wissen: Das hat es. Denn der Essener Komiker, Auslassungs- und Abschweifungskünstler versammelt Bonmots und komische wie melancholische Betrachtungen in einem einzigartigen Bändchen mit dem Titel „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?!“. Das will nicht gedruckte Comedy sein. Oder höchstens manchmal. Georg Howahl sprach mit ihm übers Schreiben, Spaßmachen und Traurigsein.
Herr Klocke, an manchen Stellen ist Ihr Buch ja gar nicht lustig. Wieso nicht?
Klocke: Ich dachte, gib doch mal preis, wie du eigentlich so bist. Obwohl . . . weit ist der Professor Schmitt-Hindemith, den ich auf der Bühne gebe, auch nicht weg.
Inwiefern?
Wenn ich mich als Piet Klocke im Buch über die Evolution aufrege und größenwahnsinnig sage: „Wenn ich das machen würde, dann würde auch was Anständiges dabei rauskommen“, dann passen diese Sachen ja auch wieder zu meiner Bühnenfigur. Es ist so, dass ich nicht automatisch alles weggelassen hätte, was nicht zur Figur passt. Im Gegenteil.
Man bekommt also den lustigen wie den nachdenklichen Klocke?
Ich wollte zeigen, was ich so im Kopf und in der Gefühlswelt habe. Und ich denke, es wird dadurch deutlicher, was überhaupt Komiker sind. Die sind ja meist genau so traurig wie alle anderen auch. Nur dass sie anders mit den Dingen umgehen. Ich hoffe, dass das bei den Lesern ankommt.
In literarischer Hinsicht sind Sie aber kein Ersttäter . . .
Ich hatte ja mal ein Büchlein versucht. Aber das habe ich als Versuch abgehakt, weil ich damals noch so frisch mit der Figur des Professor Schmitt-Hindemith zugange war. Ich dachte damals: Der kann eigentlich gar nicht schreiben. Ich kann ja nicht zeigen, dass ich jetzt auf eine Assoziation warte und dann kommen 500 Punkte.
Ihr neues Buch hat allerdings viel „Raum für Notizen“. Manchmal steht ein einziger Satz auf einer Seite.
Das ist eine Lehre aus dem alten Buch. Da waren damals sieben, acht sehr schöne Einzelsätze drin, die man aber überlas, weil die in so einem zusammengeballten Zeugs standen. Ich dachte: Das mache ich nicht noch mal. Ich lasse dann lieber alles Überflüssige weg und reduziere das auf einen einzigen Satz wie: „Das Schicksal will auch seinen Spaß.“ Das könnte man ja auch an den Kalender hängen.
Und dann haben sie noch die Fotos dazu geliefert?
Ich habe erst während des Machens entdeckt, dass man auch Bildergeschichten erzählen kann. Das geht mit dem Handy ganz einfach, zack, zack, zack, da hatte ich so Bilder – dann habe ich Geschichten dazu erfunden, das macht einen Heidenspaß. Ich verfremde die Bilder mit Effekten, von denen ich mir nie erträumt hätte, dass ich das kann.
Eine Ihrer Betrachtungen trägt den die Überschrift „Gut und Börse“ . . .
Bei so was denke ich immer selbst: Ich lach mich gleich kaputt. Das sind die einfachen Dinge . . . Da kommt schon viel von meiner eigenen Denkweise rüber. Auch, wenn ich mich über den Straßenverkehr aufrege. Erst gestern hätte ich wieder alle erschießen können, da hat mir wieder einer die Vorfahrt . . . Aber egal.
Fühlen Sie sich heute noch wohl in der Comedy-Landschaft?
Ich beobachte die Szenerie und denke wie mein Vater. Der sagte: „Mein Gott, jede Woche 200 neue Comedians, da übertreiben sie aber.“ Ich sagte ihm dann immer: „Aber ich bin doch kein Comedian, ich bin Protestsänger mit Gitarre.“
- Piet Klocke: Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?! Heyne, 288 Seiten, 12,99 Euro. Live: 24.11. Wuppertal, 19.1. Kamp-Lintfort, 28.1. Bocholt, 29.1. Dorsten, 24.2. Duisburg
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