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Schlager

Er hat die Haare schön

03.08.2012 | 19:55 Uhr
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Er hat die Haare schön
Rundum gepflegtes Haar, nicht nur auf dem Kopf: Dieter Thomas Kuhn. Foto: Ralph Horbaschek

Köln.   Es steckt mehr unter der Föhnwelle als ein unwiderstehlicher Schlagersänger. Wir wollten von Dieter Thomas Kuhn wissen, wie viel Ironie in seinen Auftritten steckt und ob er im Feierabend immer noch die volle Schlagerdröhnung braucht.

Mit seinem neuen Album „Hier ist das Leben“ wandelt Dieter Thomas Kuhn ein weiteres Mal auf den Spuren seiner geistigen Ahnen: Paola, Christian Anders & Co. Der 47-Jährige ist aber nicht nur einer, der alte Schlager in neue Schläuche füllt, sondern auch seine eigene Rolle als „singende Föhnwelle“ reflektiert.

1999 haben Sie Ihr Abschiedskonzert gegeben – 2004 starteten Sie Ihr Comeback: Wie kam es dazu?

Ich dachte, diese Figur ist ausgebrannt. Ich hatte das Gefühl, die Geschichte ist zu Ende. Aber plötzlich loderte das alte Gefühl in mir wieder auf, und auch das Feedback der Fans in der Zwischenzeit war entsprechend. Ich dachte: „Ich versuch’s noch mal.“

Ihr Stil sich auf der Bühne zu kleiden, erinnert an die 70er, setzt aber noch einen drauf: Verstehen Sie das als Persiflage?

Wir, die Band und ich, betrachten uns selbst mit einer gewissen Ironie. Wir haben den Effekt der Persiflage auch nie aus den Augen verloren. Es ist aber trotzdem ein Projekt, bei dem sich jeder das heraussuchen kann, was er möchte. Uns selbst macht das auch unglaublich viel Spaß, weil sich die Leute an das, was wir da bringen, gerne erinnern.

Das Phänomen Heck

Ihrem echten Namen, Thomas Kuhn, haben Sie „Dieter“ hinzugefügt – aus Verehrung für Dieter Thomas Heck?

Früher stand dieser Name für die Kunstform Schlager schlechthin. Das war für uns damals die perfekte Assoziation.

Haben Sie Dieter Thomas Heck jemals persönlich kennengelernt?

Ich habe ihn ein paar Mal getroffen und von ihm einmal eine ,Goldene Stimmgabel’ verliehen bekommen. Er hat mir gesagt, dass er das, was wir machen, großartig findet. Aber ich weiß nicht, ob er das ehrlich gemeint hat.

Was hätte Dieter Thomas Heck davon, Sie anzulügen?

Da haben Sie recht. Wahrscheinlich fand er uns wirklich gut.

Hören Sie auch privat Schlager oder reicht es Ihnen irgendwann?

Zu Hause, nach der Show, kann ich keine eigene CD hören, da mag ich lieber aktuelle Popmusik oder alte Dinge auf der Folkschiene.

Besuchen Sie selbst noch Konzerte?

Leider nur sehr selten. Ich nehme mir das vor, aber meistens schaffe ich es nicht. Zuletzt habe ich Udo Lindenberg in Stuttgart gesehen.

Und es war Sommer

Haben Sie einen Lieblingsschlager?

„Und es war Sommer“ von Peter Maffay. Der hat mich total beeindruckt. Wahrscheinlich wegen der Geschichte.

Und sonst?

Auch „Einmal um die ganze Welt“ von Karel Gott mag ich sehr gerne. Und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ von Jürgen Marcus.

Gerade ist Ihre CD „Hier ist das Leben“ erschienen. Darauf sind auch „Ich steh ja so auf Disco“ von Lindenberg und „Night Fever“ von den Bee Gees. Wie kam es zu diesen Ausreißern?

Wir sind in der Position, wo wir auch mal etwas anderes ausprobieren dürfen. Das können wir uns schon erlauben. Gerade ,Night Fever’ live – das Publikum ist total abgegangen.

Sieht der Privatmensch Thomas Kuhn anders aus als der Bühnenstar?

Kann man schon sagen. Was so eine Frisur alles ausmacht . . .

Sie liefern das Stichwort: Man nennt Sie ,Die singende Föhnwelle’. Finden Sie das belustigend oder beleidigend?

Das ist eine Bezeichnung, die mich von Anfang an begleitet hat. Ich fand das niemals beleidigend, weil sich das für die Figur so festgesetzt hat. Es ist ja auch ein Markenzeichen von mir geworden.

Der Gitarrist mit dem Lockenstab

Wird Ihre Frisur tatsächlich geföhnt? Zutreffender wäre gerollt. Dazu braucht man so einen Lockenstab.

Wer macht Ihnen „die Haare schön“?

Unser Friseur ist unser Gitarrist. Er macht die schnellstmögliche und beste Frisur für die Band in zwei Stunden.

Wieso sind Ihre Konzerte, die eher Partys sind, seit Jahren so erfolgreich? Weil „Retro“ Kult ist oder weil sich die Leute in die Jugend zurückversetzt fühlen?

Da kommt beides zusammen. Es sind drei Stunden, in denen man von allem losgelöst ist und Spaß haben kann. Darauf bereiten sich die Leute richtig vor. Sie überlegen, was sie anziehen und probieren die Sachen vor dem Spiegel aus.

Wie soll das mit den drei Stunden Spaß am 31. August am Tanzbrunnen in Köln funktionieren? Ihr Konzert muss um 22 Uhr zu Ende sein!

Da gibt es ja die After-Show-Partys, die von den Fans organisiert werden. Beim letzten Mal am Tanzbrunnen waren die Jungs von Limp Bizkit dabei. Die haben uns auf YouTube verfolgt und gefragt, ob sie vorbeikommen dürfen. Wir haben bis morgens um vier abgefeiert.

  • Dieter Thomas Kuhn & Band, 31.8., Tanzbrunnen, Köln. Karten in den Ticketshops und hier.

Susanne Schramm

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