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Ein Tisch soll heute eine Geschichte erzählen

09.11.2012 | 18:15 Uhr
Ein Tisch soll heute eine Geschichte erzählen
Möbel vom Design-Büro „Jehs + Laub“.Foto: Jehs + Laub, COR

Stuttgart.   Wer Wohnzeitschriften durchblättert, kommt an ihnen nicht mehr vorbei: Tische und Sessel, die an die 50er- oder 60-Jahre erinnern. Jürgen Laub, Partner des Design-Büros „Jehs+Laub“ und Beobachter der Branche, im Gespräch über Retro-Möbel.

Nostalgie in der Möbel-Branche. Ein Gespräch mit Jürgen Laub, Partner des Design-Büros „Jehs+Laub“.

Herr Laub, heute stehen in Wohnzimmern auch Nierentische, die man so ähnlich auf Omas Speicher entdecken könnte. Wie stößt man solche Trends an?

Markus Jehs (l.) und Jürgen Laub (r.) vom Design-Büro „Jehs + Laub".Foto: Jehs + Laub

Jürgen Laub: Trends kommen aus dem Alltag und haben ihre Wurzeln in der gelebten Kultur. Ein Designer treibt die Idee voran, andere greifen sie auf, entwickeln sie weiter und die meisten werden wie von einem Sog mitgezogen. Das sind Möbel, die den Zeitgeist von damals widerspiegeln. Wobei das natürlich immer einem Klischee entspricht. Wer sich Stahlrohrmöbel kauft, erinnert damit an die 20- oder 30er-Jahre. Ihm gefällt Bauhaus, die Strenge, die diese Möbel ausstrahlen. In Wahrheit haben die meisten Menschen damals mit Holzmöbeln gelebt. Beim Retro-Stil nimmt man das Positive aus der damaligen Zeit mit. In den 50ern waren das die leichten, eleganten Holzmöbel.

Noch ein Bild aus einer Wohnzeitschrift: Zwischen modernen Möbeln steht ein alter Stuhl, der auch ein paar Kratzer hat. Wieso empfindet man das heute als stilvoll?

Wir leben in einer Zeit, in der wir gerne authentische Dinge um uns haben. Alles wird entmaterialisiert. Man braucht keinen Schreibtisch mehr, wir haben ja den Laptop. Die wenigen Gegenstände, die wir aber noch haben, die sollen wahrhaftig sein. Man möchte an einem Tisch sitzen, der massiv ist und nach Holz riecht. Die Möbel sollen eine Geschichte erzählen, nur dann haben sie ein Eigenleben, eine Persönlichkeit, eine Bedeutung. Wer seine Räume nur mit modernen Möbeln einrichtet, schafft einen seelenlosen Ort.

Greifen Sie selbst Ideen von damals auf?

Ein Stuhl muss heute repräsentativer sein als früher.Foto: Jehs + Laub, COR

Jeder, der sich mit Design beschäftigt, sollte Vergangenes studieren. Wir schauen uns die besten Gegenstände an und versuchen Alternativen, aber keinen Retro-Look. Am Anfang steht eine neue Idee, eine neue Technik, eine neue Nutzung.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Während in den 60er-Jahren in der Küche gekocht wurde, um die Gäste zu bewirten, treffen sich die Gäste heute dort, um gemeinsam zu kochen. Daher sehen Küchenstühle heute repräsentativer aus als früher, während die Couch mehr zum privaten Möbel wird, auf dem man auch krümeln und knutschen kann.

www.jehs-laub.com

Von Maren Schürmann



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