Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Emotionen

Die Macht der Gefühle – und wie wir sie kontrollieren

04.03.2016 | 19:55 Uhr
Die Macht der Gefühle – und wie wir sie kontrollieren
Jedes Gesicht zeigt eine andere Emotion - aber welche davon ist echt?Foto: Getty

Essen.  Menschen können nicht anders als fühlen. Was uns unterscheidet, ist wie wir die Emotionen bewerten. Wie stark wir sie zeigen – oder sie verstecken.

Wir kennen das aus Talkshows: Politiker geraten heftig in Streit, ihre Augen weiten sich, ihre Stimmen werden schriller, ihre Hände ballen sich zur Faust. Hier sind gewaltige Gefühle im Spiel. Dann plötzlich das: Die Diskussion ist zu Ende, der Abspann läuft – die Streithähne strahlen, schütteln einander die Hände und beglückwünschen ihr Gegenüber. Alles Schauspielerei? Nicht unbedingt. Vielleicht nur der bewusste Umgang mit den eigenen Gefühlen.

Erziehung
Sei schön brav – Was Erziehungsfloskeln über uns verraten

„Du wirst uns noch mal dankbar sein!“, „Mach dich nicht schmutzig!“, „So gehst du mir nicht aus dem Haus!“: Wir kennen diese Sätze von unseren Eltern...

Wir alle erleben ununterbrochen die eigenen Gefühle. Manchmal überwältigen sie uns, manchmal unterdrücken wir sie. Aber es gibt keinen Zustand, in dem wir nichts fühlen. Kleine Kinder erleben Emotionen ungefiltert, Freude oder auch Angst erfassen den ganzen Menschen. Erst wenn sie älter werden, lernen sie, ihre Gefühle zu kontrollieren, „ihr Handeln an willentlich gesetzten Zielen auszurichten“, wie der Bielefelder Psychologe Manfred Holodynski in dem Buch „Emotionen – Entwicklung und Regulation“ schreibt.

Auch später noch, im Erwachsenenalter, gelten einige Menschen als besonders emotional, andere als besonders kontrolliert. Sie unterscheiden sich aber mitunter weniger in ihren Gefühlen als darin, wie sie mit diesen Gefühlen umgehen, was sie zulassen und zeigen. Menschen, die ihre Gefühle nicht nach außen dringen lassen, gelten als verstandsorientiert. Dabei kann es auch in ihnen, hinter der Maske brodeln. Nur, dass sie es anderen nicht mitteilen.

Emotionale Muster beeinflussen

Dabei sind wir unseren emotionalen Verhaltensmustern nicht vollständig ausgeliefert. Den genetischen Einfluss auf unser Temperament schätzen Wissenschaftler auf 30 bis 50 Prozent, es lässt sich also nicht grundsätzlich vermeiden, dass einige Menschen eher zu Trauer oder Angst neigen, andere hingegen zu Freude und Überschwang. Dennoch lassen sich laut Experten die emotionalen Verhaltensmuster beeinflussen. Dazu braucht es Übung und Ausdauer. Durch Therapien oder neu eingeübte Verhaltensweisen ist es möglich, neue Verbindungen im Hirn zu schaffen, die wie ein Muskel trainiert werden – auch indem man lernt, die aufkommenden Gefühle neu zu bewerten.

Schon Babys spiegeln die Gefühle der Mutter.

Der amerikanische Emotionsforscher Paul Ekman hat bereits in den 70er-Jahren das in verschiedenen Kulturen gültige „Facial Acting Coding System“ entschlüsselt, nach dem die Menschen sieben Gesichtsausdrücke kulturübergreifend erkennen können: Angst, Ekel, Freude, Trauer, Überraschung, Verachtung und Wut. Und die Bandbreite der Emotionen ist noch viel größer.

Manchen Menschen fehlt es aber an der Fähigkeit, die Emotionen anderer zu erkennen, teils mit fatalen Folgen. „Gewalttäter haben oft nicht gelernt, bestimmte Emotionen von anderen Menschen richtig zu interpretieren. Hinterher sagen sie oft, wenn sie andere verprügelt haben, dass es nicht von ihnen ausging, dass sie sich nur gegen einen verteidigen wollten, der sie böse ansah“, sagt Emotionsforscher Klaus Wahl.

Leicht durch schwierige Situationen

Gibt es ein „richtiges“ Maß an Gefühlen? Fest steht, dass Menschen, die in der Lage sind, bewusst ein Mehr oder Weniger an Gefühlen zuzulassen, leichter durch schwierige Situationen kommen. Vor allem bei negativen Emotionen. Sei es bei Prüfungsangst, wenn sie es schaffen, Herzrasen und Nervosität in den Griff zu bekommen. Sei es bei Wut, wenn sie den Aggressionen nicht freien Lauf lassen, sondern eine Faust in der Tasche machen.

Wie viel von diesen Emotionen zu zeigen, ist denn nun das richtige Maß? Dafür gibt es leider keine festen Regeln – es bleibt, gewissermaßen, Gefühlssache.

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Die Macht der Gefühle – und wie wir sie kontrollieren
    Seite 2: Wie Hass entsteht
    Seite 3: Der emotionale Führungsstil

1 | 2 | 3

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Endlich Schnee im Sauerland
Bildgalerie
Winter
Knieprothesenoperation
Bildgalerie
Operation
Halden-Hügel-Hopping
Bildgalerie
Fotostrecke
Halde Großes Holz
Bildgalerie
Halden im Revier
article
11623090
Die Macht der Gefühle – und wie wir sie kontrollieren
Die Macht der Gefühle – und wie wir sie kontrollieren
$description$
http://www.derwesten.de/panorama/wochenende/die-macht-der-gefuehle-und-wie-wir-sie-kontrollieren-id11623090.html
2016-03-04 19:55
Wochenende