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Der erste Versuch – und gleich ein großer Wurf

07.09.2012 | 18:11 Uhr
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Der erste Versuch – und gleich ein großer Wurf
Ein Wortspiel: Chad Harbach schreibt über Baseball.

Essen.   Zwei Dinge sind in den USA ungleich populärer als hierzulande: Baseball und Campusromane. Trotzdem wird Chad Harbach mit seinem Campusroman über Baseball „Die Kunst des Feldspiels“ auch in Deutschland eine Fangemeinde gewinnen.

Wer über die diversen Strikes, Bases und Runs locker hinwegliest (ein kurzes Glossar zum Baseball hätte dem Buch gutgetan), wird belohnt mit einem packenden Roman, der vor allem das Beziehungsgeflecht seiner fünf Hauptpersonen präzise ausleuchtet, die lange nicht so absurd daherkommen, wie die Namen der Akteure es vermuten lassen.

Das geht mit dem Hauptakteur los, der heißt Henry Skrimshander und hat das richtige Händchen für den Baseball. Der schmächtige Bursche vom Land wird von Mannschaftskapitän Mike Schwartz für die Mannschaft seines Colleges angeworben. Zu Beginn seiner College-Karriere wird „Skrim“ Zimmergefährte von Owen Dunne, einem schwulen Latino-Schönling, der selbst auf der Ersatzbank des Baseballteams noch Bücher liest.

Das allerdings führt zu einem tragischen Unfall: Skrimshander, der bis dahin noch nie einen Fehlwurf hatte, schmettert den Baseball in Owens schönes Antlitz. Das hat fürchterliche Folgen. Zunächst für Owen, dessen Gesicht nur allmählich wieder Normalform annimmt. Von der ist Skrimshander mittlerweile weit entfernt: Erst hat er Rekorde gejagt und stand kurz vor dem Profivertrag, jetzt hat er eine Blockade.

Wieder so ein verrückter Name

Noch schlimmer trifft’s College-Präsident Guert Affenlight (wieder so ein verrückter Name), der ans Krankenbett eilt und sich unsterblich in den schönen jungen Mann verliebt – was er vor der Hochschule und seiner Tochter Pella geheim halten muss. Die kehrt als Mittzwanziger nach gescheiterter Ehe widerwillig zu Papa zurück und beginnt erstens eine Liebschaft mit Mike Schwartz und zweitens als Küchenhilfe von vorn.

Das klingt nach den absurden Einfällen eines John Irving mit akademischen Charakteren wie sie Jonathan Franzen entfaltet. Und das Bemerkenswerte ist: Harbach gelingt es in seinem Erstling, das Beste dieser beiden Welten auf 600 Seiten zu vereinen. Dabei erzählt er recht konventionell – aber eben anschaulich, ideenreich und humorvoll. So taucht man in die hermetische Welt des Westish College in Wisconsin ein, wo Doping und Sport, Sponsoren und akademischer Erfolg eine enge und unheilvolle Liaison eingehen. Und vermutlich nicht nur dort.

Ein erstling mit spielerischer Leichtigkeit

Harbach, Jahrgang 1975, hat seine amerikanische Literatur in Harvard studiert, den akademischen Hintergrund merkt man seinen zahlreichen Anspielungen von Melville und Dickinson bis Whitman an. Dass sein Erstling die spielerische Leichtigkeit nicht verloren hat, trotz aller Theorie und neun Jahren literarischen Trainings, macht sein Buch zu einem großen Wurf – und darum geht’s schließlich im Baseball.

  • Chad Harbach: Die Kunst des Feldspiels. Dumont, 600 S., 22,99 Euro
    Lesung: 17. September 2012, 20 Uhr, im Literaturhaus Köln, Schönhauser Straße 8

Stephan Hermsen

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