Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Kinderbuch

Cornelia Funke erfüllt (Alb-)Träume der Kinder

12.08.2011 | 18:04 Uhr
Cornelia Funke erfüllt (Alb-)Träume der Kinder
Jon rennt um sein Leben. Illustrationen: Friedrich Hechelmann, aus: Cornelia Funke: Geisterreiter, Dressler

Essen. Cornelia Funke hat wieder einen spannenden Roman geschrieben. Während „Tintenherz“ und „Reckless“ auch Erwachsene erfreuten, richtet sich „Geisterritter“ wieder mehr an ihre eigentliche Leserschaft: die Kinder.

Wenn doch nur der „Vollbart“ nicht wäre, denkt der elfjährige Jon. Wegen des neuen Manns an Mutters Seite muss er nun ins Internat nach Salisbury. Doch sein großes Selbstmitleid weicht schnell einer noch größeren Angst, denn in der Nacht erscheinen ihm in seinem neuen Zuhause neben der berühmten Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert „drei Reiter, so bleich, als hätte die Nacht Schimmel angesetzt.“ So gruselig beginnt das neue Buch von Cornelia Funke: „Geisterritter“.

Dabei greift die gebürtige Dorstenerin tief in die Truhe der Geschichte und Legenden, die sie in einem Glossar am Buchende erklärt. Funke erweckt William Longespee, den unehelichen Sohn des englischen Königs Heinrich II., der Jon als helfender Geist erscheint. Der Junge möchte sein Knappe werden, aber kann er ihm vertrauen? Eine treue Seelenverwandte ist ihm jedoch gewiss, die mutige, selbstbewusste Ella. Funke hat sie geistreich charakterisiert und eine lebende Vorlage benannt: Ella Wigram. Mit deren Vater, Lionel Wigram, schreibt die Autorin an der Märchen-Trilogie „Reckless“.

Dieses Mal hat Funke mit Friedrich Hechelmann zusammengearbeitet: Der Maler hat zuletzt auf wunderbare Weise Michael Endes „Momo“ neu illustriert. Bilder haben oft den Nachteil, dass sie den Figuren der Geschichte zu deutliche Gesichter geben – die Fantasie hätte vielleicht andere gemalt. Doch Hechelmann deutet oftmals nur an, und lässt so den eigenen Gedanken Raum. Dabei unterstreicht er noch die düstere Stimmung, die Funke in ihrem neuen Roman hervorruft.

Oma Zelda glaubt Jons Geistergeschichten. Illustration: Friedrich Hechelmann

Sie hat „Geisterritter“ rasanter geschrieben als den ersten Teil der Tintenherz-Trilogie, aber nicht so atemlos wie den ersten „Reckless“-Band. Während diese Geschichten auch gerne von Erwachsenen gelesen werden, bleibt „Geisterritter“ ein in sich abgeschlossenes Buch für Kinder – ein spannendes mit überraschenden Wendungen, das auch die Not und Zweifel von Kämpfenden nicht ausspart. Funke spricht damit Traumthemen von Jungen an, lässt sie ein wenig erschauern und nimmt sie doch ernst bei ihren Problemen mit Mutter und Mädchen.

Das Böse verscheuchen

Ältere werden die Geschichte trotzdem gerne vorlesen, da Funke einen immer wieder schmunzeln lässt, wenn sie mit – für Erwachsene verständlichem – ironischem Ton erklärt, was denn ein Elfjähriger so tut und denkt. Danach kann man dann auch nachvollziehen, was kleine Jungs an Rittern finden: „Vielleicht, dass sie uns glauben lassen, dass man das Böse mit einer Rüstung und einem Schwert aus der Welt vertreiben kann.“

  • Cornelia Funke, Friedrich Hechelmann: Geisterritter. Dressler Verlag, 253 Seiten, 16,95 Euro, ab 10

Maren Schürmann



Kommentare
Aus dem Ressort
So lacht das Revier – Sträter schwitzt im Fitnessstudio
Comedy-Serie
Torsten Sträter braucht einen Einpeitscher. Sonst bewegt er sich nicht. Das muss jemand sein, der den Komiker ernst nimmt. Einer wie Markus Lieber. Der Trainer darf den 48-Järhrigen sogar mit einem Gürtel antreiben: aus dem strömen kleine elektrische Reize in Sträters „Pansen“.
Treffpunkt Raststätte A40 - Gegenentwurf zu "Tank und Rast"
Autobahn
In Bochum-Stahlhausen findet man den Gegenentwurf zum immer gleichen „Tank und Rast“: An der „Raststätte A 40“, die früher eine Gaststätte war, treffen sie sich am Stammtisch - und gehen es noch gemütlich an. Eine Atmosphäre wie aus einer anderen Zeit.
Immer an der Ruhr entlang
Fluss-Buch
In wenigen Tagen erscheint das Buch „219,3 Kilometer im Fluss“, fotografiert von Jochen Tack, geschrieben von sechs Autoren. Unsere Reporterin Annika Fischer schwang sich für eines der Kapitel aufs Fahrrad und fuhr von der Quelle bis zur Mündung. Eine exklusive Vorabveröffentlichung in Auszügen
Wie entsteht eine politische Karikatur?
Zeichnen
Wenn kleine Bilder große Geschichten erzählen, dann steckt oft eine Menge Arbeit dahinter, gedanklich wie zeichnerisch. Wir haben uns vom Karkaturisten Heiko Sakurai erklären lassen, wie er von der ersten Idee bis zur fertigen Zeichnung kommt.
Erfreuliche Einkehr bei „Osteria Mangia e Bevi“ in Bottrop
Mahlzeit
Ein Lokal, Osteria zu nennen, darf als Zeichen einer gewissen Demut gelten. Der Historie nach handelt es sich um eine schlichte Einkehr mit schlichten, aber ordentlichen Speisen. Früher tafelten hier durchziehende Händler, Handwerker, einfache Leute. Schon in Pompeji gab es sowas.
Umfrage
Um die verkürzte Schulzeit besser zu meistern, sollen G8-Schüler weniger Hausaufgaben bekommen. Richtig so?

Um die verkürzte Schulzeit besser zu meistern, sollen G8-Schüler weniger Hausaufgaben bekommen. Richtig so?

 
Fotos und Videos
Lebensmittel-Schummel
Bildgalerie
Lebensmittel
Ein Fotograf macht Promis zornig
Bildgalerie
Fotografie