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Bauernregeln, die tatsächlich stimmen

17.05.2013 | 18:09 Uhr
Bauernregeln, die tatsächlich stimmen
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist... Dann hat das durchaus etwas mit dem Wetter zu tun.Foto: Reiner Kruse

Essen.   Haben Sie sich schon immer gefragt, auf welche Wetterweisheiten Sie sich verlassen können? Dann können Sie sich hier davon überzeugen, dass nicht alles, was der Volksglaube verbreitet, ins Reich der Mythen gehört.

Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen, lautet eine alte Wetterregel. Wer sich daran hält und bei Gewitter mit dem Bestimmen von Rinde und Blättern aufhält, sollte sich nicht wundern, wenn der Blitz direkt neben ihm einschlägt. Bäume, egal ob Eiche oder Buche, sind bei Gewitter niemals gute Unterstellplätze. Doch sind alle Wetterweisheiten Mythen? Wir haben Dr. Jurik Müller gefragt, Experte beim Deutschen Wetterdienst. Er verrät uns Bauernregeln, die wirklich stimmen.

„Wenn die Schwalben hoch am Himmel kreisen, sie weiter auf schönes Wetter hinweisen, doch fliegen sie am Boden tief, dann hängt der Wettersegen schief.“

Schwalben fangen ihre Beute in der Luft. Wenn die Sonne scheint, erwischen sie Fliegen und Mücken „hoch am Himmel“. Mit der wärmeren Luft, die in so genannten Thermikblasen hinaufsteigt, gelangen die Insekten in die Höhe. Kommen jedoch Regen und Wind auf, wird die Thermik schwächer. Die Insekten suchen den Schutz von Bäumen und Büschen. Und genau dort unten gehen dann auch die Schwalben auf Jagd.

„Laurentius heiter und gut,
einen schönen Herbst verheißen tut.“

Viele Wetterweisheiten beziehen sich auf Namenstage von Heiligen. In diesem Fall ist es der 10. August – der Tag des heiligen Laurentius. Scheint die Sonne am Tag des Schutzpatrons der Bierbrauer besonders viel und unser Blick trifft auf einen wolkenfreien Abend- und Nachthimmel, dann trifft die Regel in vier von fünf Fällen zu: Wir genießen einen trockenen Herbst.

„Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.“

Der 27. Juni ist der Siebenschläfertag. Der Name hat nichts mit dem Nager zu tun. Der Tag erinnert an eine Legende über die Flucht von sieben frommen Jünglingen, den sieben Schläfern von Ephesus. Statistiken zeigen, dass viel Regen Ende Juni uns häufig einen feuchten Juli bringt. Das hat etwas mit der Luftdruckverteilung zu tun. Müller: „Ziehen Tiefdruckgebiete und deren Ausläufer über Skandinavien und Mitteleuropa wie auf einer ,Rennbahn’ hinweg, verringern sich die Chancen auf sonniges Wetter in der Urlaubs- und Erntezeit.“

„Fängt der August mit Hitze an,
bleibt sehr lang die Schlittenbahn.“

Das stimmt! „Aber nur unter der Bedingung, dass die ersten sieben Tage des Monats August sich durch eine mittlere tägliche Höchsttemperatur von 25 Grad und mehr auszeichnen“, betont Müller. Nur dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass im Winter an mehr Tagen als üblich eine Schneedecke von mindestens 1 cm Höhe liegt.

„Wenn Steine und Äxte beginnen zu schwitzen, wirst du nicht lange mehr im Sonnenschein sitzen.“

Wenn im Sommer die Luft schnell viel wärmer und schwüler wird, bildet sich Kondenswasser an Wänden oder eben Äxten. Die Regel trifft zu, weil mit dem Zustrom von schwülwarmer Luft oft auch Schauer und Gewitter kommen.

„Wenn der Frauenmantel schwitzt,
bald Regen uns im Nacken sitzt.“

Wenn die Heilpflanze ins „Schwitzen“ kommt, liegt das nicht am Kondenswasser. Die Tröpfchen auf den Blättern sind „Guttationswasser.“ Die Pflanze sondert es durch feine Poren ab. Wenn das Wetter jedoch schlechter wird, erhöht sich auch die Luftfeuchtigkeit. Und so können diese Wassertropfen nur schlecht oder gar nicht verdunsten.

„Dreht die Kuh mit dem Schwanz sich von Osten nach Westen, entwickelt das Wetter sich nicht zum Besten.“

Klingt absurd, hat aber einen wahren Kern: Wer Kühe auf einer Weide beobachtet, sieht sie häufig in die gleiche Richtung schauen. Und zwar in die Richtung, aus der sie den Feind erwarten. Denn Raubtiere nähern sich meist gegen den Wind an, damit Kühe – oder auch Rehe – sie nicht wittern, also nicht hören und riechen können. Instinktiv stellen sich die Tiere daher beim Fressen mit dem Hinterteil in die Richtung, aus welcher der Wind weht. Weht der Wind aus Osten, bringt er meist trockene Luft mit, kommt er aus Westen, wird es feuchter. Dreht sich also der Wind von östlicher auf westliche Richtung, stellen sich auch die Kühe wieder um und zeigen uns, dass wir mit Regen rechnen müssen.

„Kräht der Hahn auf dem Mist, bleibt’s Wetter wechselhaft, wie’s ist; doch kräht er auf dem Hühnerhaus, hält’s schöne Wetter noch ein Weilchen aus.“

„Keine Scherzregel!“, sagt der Meteorologe Jurik Müller. Bei unbeständigem Regenwetter halten sich die kleinen Lebewesen, die Hahn und Hühner vor den Schnabel bekommen wollen, sehr gerne in den feuchten Oberschichten des Misthaufens auf. Bahnt sich jedoch Hochdruckwetter an, trocknet bei reichlich Sonnenschein und Ostwind die Oberschicht des Misthaufens aus. Die kleinen Insekten verkriechen sich in tiefere Schichten, wo die Hühner sie nicht fangen können. Und wenn es auf dem Misthaufen nichts zu fressen gibt: Was sollen sie dann noch dort oben? Da sucht sich der Hahn lieber ein schöneres Plätzchen, zum Beispiel auf dem Dach des Hühnerhauses.

  • Weiterlesen: Jurik Müller, 100 Bauernregeln, die wirklich stimmen, blv, 159 Seiten, 12,95 Euro

Maren Schürmann



Kommentare
06.08.2013
22:26
Wetter
von raimont | #1

„Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist" (:-)

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