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Als Michelangelo den Himmel schuf

26.10.2012 | 15:21 Uhr
Als Michelangelo den Himmel schuf
Michelangelos weltberühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom.Foto: dapd

Der begnadete Künstler Michelangelo Buonarotti enthüllte am 1. November vor 500 Jahren seine heute weltberühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Doch was die Menschen damals zu sehen bekamen, erfreute nicht jeden Christen.

Was erzählen uns die Deckenbilder in der Sixtinischen Kapelle in Rom?

Wer in der Kirche neben dem Petersdom seinen Kopf in den Nacken legt, kann in den zentralen Bildern des Deckengewölbes Geschichten aus dem Alten Testament bestaunen: von der Erschaffung der Welt, über den Sündenfall bis zur Trunkenheit Noahs. Auch Propheten hat Michelangelo Buonarotti in der Kirche des Vatikans gemalt, in der der Papst gewählt wird. Sibyllen – weissagende Seherinnen – sind auch darunter sowie die Ahnen Christi. Der begnadete Künstler enthüllte sein heute weltberühmtes Werk am 1. November vor 500 Jahren.

Berühren sich Adams und Gottes Finger?

Die berühmteste und meistgedruckte Szene – auch auf T-Shirts und Tassen – erzählt von der Erschaffung Adams. Gott zeigt auf den ersten Menschen, den er zum Leben erweckt. Adam hält Gott seine Hand entgegen. Dabei kommen sich die Finger sehr nahe, aber sie berühren sich nicht. Wissenschaftler sind sich allerdings nicht sicher, ob Michelangelo wirklich Adams und Gottes Hände selbst gemalt hat. Auch einer seiner Gehilfen könnte die Farbe aufgetragen haben.

Warum war Michelangelo zunächst nicht erfreut über diesen Auftrag?

Das Gemälde an der Wand, das das Jüngste Gericht zeigt, malte Michelangelo erst rund 20 Jahre später. Foto: dapd

Michelangelo war eigentlich Bildhauer. Ursprünglich sollte er ein Grabmal für Papst Julius II. aus Marmor hauen. Doch der Heilige Vater überlegte es sich anders. Er wollte nun kein Grabmal mehr zu Lebzeiten. Stattdessen verpflichtete er Michelangelo für die Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle, die bis dahin einen tiefblauen Sternenhimmel zeigte. Dabei hatte Michelangelo kaum Erfahrung mit der Freskenkunst. Er stand damit in direkter Konkurrenz zu einem anderen weltberühmten Künstler: Raffael malte zur gleichen Zeit die Stanzen im Vatikanpalast.

Warum sind Fresken eine besonders heikle Kunst?

Bei einem Fresko muss jeder Pinselstrich sitzen. Gefällt die gemalte Figur am nächsten Tag nicht, kann man nur noch den getrockneten Putz abgeschlagen – und wieder von vorne beginnen. Zudem musste Michelangelo auf einem großen Gerüst arbeiten, freihändig über dem Kopf. Das Gewölbe stellte eine weitere Herausforderung dar. Michelangelo malte wahrscheinlich deshalb manche Propheten größer, um der perspektivischen Verkürzung etwas entgegenzusetzen. So entstanden in der Zeit von 1508 bis 1512 an der sixtinischen Decke über 100 überlebensgroße Figuren, plastisch und unvergleichlich ausdrucksstark.

Wieso sind so viele gemalte Menschen spärlich bekleidet?

Ursprünglich war noch mehr nackte Haut zu sehen. Michelangelo hat sich wohl an den antiken Skulpturen orientiert. Wundern kann man sich trotzdem darüber, dass Papst Julius II. diese Provokation, so viele nackte, muskulöse Männer in seiner Kirche toleriert hat. Er hatte den Entstehungsprozess nicht wirklich verfolgen können – das Gerüst stand seinem Blick im Weg. Selbst vor Gott machte Michelangelo nicht Halt. In der Szene, in der Gott die Gestirne erschafft, streckt er dem Betrachter seine entblößte Rückansicht entgegen. Julius’ Nachfolger mochten so viel Haut nicht sehen. Sie ließen viele Figuren übermalen. Erst in den 1980er- und 90er-Jahren gaben Restauratoren manchen von ihnen ihre Haut zurück. Sie befreiten die Decke auch von jahrhundertealtem Ruß und legten so die ganze Farbenpracht frei.

Weiterlesen: Spannend und unterhaltsam erzählt Leon Morell die Geschichte von Michelangelos Freskenarbeit in seinem Roman „Der sixtinische Himmel“ (Scherz-Verlag, 565 Seiten, 19,99 Euro).

Maren Schürmann


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