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Abdullah Ibrahim: Die beste Musik kommt erst noch

19.03.2010 | 17:51 Uhr
Abdullah Ibrahim: Die beste Musik kommt erst noch

Er schrieb die inoffizielle Hymne seiner Heimat Südafrika. Abdullah Ibrahim ist eine Jazz-Abdullah Ibrahim:Legende über die Grenzen des schwarzen Kontinents hinaus. Jürgen Overkott sprach mit ihm über moderne Technik, die WM und das Leben in Südafrika nach der Apartheid.

Sie benutzen einen Blackberry. Fühlen Sie sich in der digitalen Welt zuhause?

Abdullah Ibrahim: Oh ja, sogar sehr. Ich muss sogar darin zurechtkommen. Andernfalls wären wir doch aufgeschmissen, oder? Was haben wir eigentlich gemacht, bevor es Blackberrys und Notebooks gab?

Manche Leute sagen, die digitale Welt tötet Musik. Was sagen Sie dazu?

Abdullah Ibrahim: Hm, ich seh’s anders herum: Musik tötet die digitale Welt.

Mag sein.

Abdullah Ibrahim: Nein, ernsthaft, die beste Musik ist noch nie aufgenommen worden.

Wo können wir die beste Musik entdecken?

Abdullah Ibrahim: Na ja, man muss schon seine Ohren trainieren.

Das Internet heißt zwar World Wide Web, aber Afrika wird davon kaum erfasst. Was ist nötig, um diesen Zustand zu ändern?

Abdullah Ibrahim: Na ja, das stimmt schon. Aber eigentlich stellen sich doch in Afrika ganz andere Fragen. Wir haben einen Mangel an medizinischer Versorgung, wir haben einen Mangel an günstigen Verkehrsmitteln, wir haben einen Mangel an sauberem Trinkwasser, und das sind nur einige, wenige Probleme, die ich hier in dieser Kürze ansprechen kann.

In diesem Jahr sieht die Welt auf Ihre Heimat Südafrika, weil dort die Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet. Können Sie mit diesem Sport etwas anfangen?

Abdullah Ibrahim: Fast jeder in Afrika interessiert sich für Fußball (lacht). Das gilt auch für mich; ich habe auch mal gespielt. Der Sport ist wirklich wahnsinnig populär, und er ist für die Gesellschaft wirklich wichtig. Na ja, und deshalb ist es schon klasse, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika stattfindet.

Auf welcher Position haben Sie gespielt?

Abdullah Ibrahim: Mittelfeld.

Welche Stimmung herrscht im Moment, wenige Monate vor der Weltmeisterschaft, am Kap?

Abdullah Ibrahim: Oh, ich spüre eine große positive Anspannung in meinem Land, eine große Vorfreude. Und es tut sich ja auch einiges, zum Beispiel wird die Infra­struktur im Land verbessert. Neue Buslinien werden eingerichtet. Andererseits spüren die Leute die WM, weil allerorten die Preise steigen.

Kann die Musik der WM auch Impulse geben?

Abdullah Ibrahim: Oh ja, es gibt eine Stiftung, die sogar ein internationales Jugendorchester unterstützt. Dazu gehören natürlich auch eine ganze Reihe von Talenten aus Südafrika. Und dieses Orchester spielt selbstverständlich auch bei der Weltmeisterschaft.

Als Sie anfingen zu spielen, herrschte Apartheid. Wie trug Ihre Musik dazu bei, die Verhältnisse zu ändern?

Abdullah Ibrahim: Hm, eine bescheidende kleine Rolle. Wissen Sie, viele, sehr viele Menschen haben dazu beigetragen, die Apartheid zu beseitigen. Aber ich darf anmerken, dass auch ich einen kleinen Beitrag dazu geleistet habe – mit meinem Stück „Mannenberg“, das die Menschen mitten ins Herz traf. Das ist benannt nach einer Township bei Kapstadt.

Kann Musik dazu beitragen, unsere Welt ein bisschen besser zu machen?

Abdullah Ibrahim: Gut, Musik ist etwas, das jeden erreicht. Musik in all ihren Formen spricht die Menschen emotional an, und meistens sorgt sie dafür, dass sich Menschen besser fühlen.

Welche Botschaft enthält Ihre Musik?

Abdullah Ibrahim: Ganz ehrlich: keine (lacht). Mir geht es in erster Linie um Melodien und Rhythmen, und mein vornehmstes Ziel ist es, immer besser zu werden. Ich arbeite schon seit Jahrzehnten daran. Selbst wenn ich einen DVD-Mitschnitt unserer Konzerte sehe, stelle ich mir die Frage, wo hätte ich besser spielen können?

Abdullah Ibrahim live: Am 20.3. in Mülheim, Stadthalle, in der Reihe KulturGut

Jürgen Overkott

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