Wirbel um "Spreadshirt" - Pegida-Shirt nein, Sexismus ja

Ihren Wunsch nach einem "I love Pegida"-Shirt machte die junge Frau bei Facebook öffentlich.
Ihren Wunsch nach einem "I love Pegida"-Shirt machte die junge Frau bei Facebook öffentlich.
Foto: FMG
Was wir bereits wissen
Eine Kundin möchte ein "I love Pegida"-Shirt drucken lassen, doch eine Leipziger Firma weigert sich. Die Debatte löst heftige Reaktionen im Netz aus.

Leipzig.. In den sozialen Netzwerken ist die Leipziger Textildruckerei "Spreadshirt" heftig in die Diskussion geraten. Grund: Sie weigerte sich, einer offensichtlichen Pegida-Anhängerin ein T-Shirt mit der Aufschrift "I love Pegida" zu bedrucken. Die Kundin forderte eine Erklärung und bekam diese prompt:

"Das, was PEGIDA vertritt, gilt in unseren Augen nicht als Meinung, sondern als rassistische, diskriminierende und menschenverachtende Äußerungen. Wir haben uns aus ethischen Gründen darum entschieden, den Namen dieser lächerlichen Vereinigung nicht zu drucken. Ich hoffe, du erkennst irgendwann, dass Du zusammen mit Nazis auf die Straßen gehst." Bereits Anfang Juli teilte die Kundin diese Antwort mit der Facebook-Gemeinde, wohl mit der Absicht, möglichst viel Unterstützung für ihre Position zu bekommen.

Stattdessen bekommt sie in den Sozialen Netzwerken viel virtuellen Gegenwind, muss teilweise auch Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie einstecken. Die meisten User schenken jedoch "Spreadshirt" größere Aufmerksamkeit, loben die Leipziger Firma für ihre Stellungnahme und ihr Verhalten. Eine Nutzerin auf Facebook schreibt zum Beispiel anerkennend "Schöne Aktion von Spreadshirt" und kassiert dafür über 360 Likes - Pegida-Fan Kerstin bekommt für ihren Post gerade einmal 168 Likes.

Neben der ganzen Zustimmung für "Spreadshirt" erheben sich im Netz jedoch auch kritische Stimmen. Manche vermuten hinter der Geschichte eine PR-Nummer des Leipziger Unternehmens. Diese Vorwürfe weist Pressesprecherin Anja Greulich vehement zurück, die Antwort auf Kerstins Nachricht stamme von einer Mitarbeiterin des 13-köpfigen Legal Service-Teams. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Stern" betont Greulich: "Jeder Mitarbeiter im Legal Service hat die Macht, selbst zu entscheiden, ob er ein bestimmtes Motiv aus ethischen Gründen ablehnt. Wir vertrauen da ganz auf unsere Mitarbeiter. Wir stehen da absolut dahinter."

Fragwürdige Motive: Eisernes Kreuz und FreitalPegida-Gegner

Auch wenn viele User "Spreadshirt" im Netz dafür feiern, dass es ein Zeichen für Toleranz gesetzt hat: Im Online-Shop finden sich durchaus auch T-Shirt-Motive, die nicht recht zum Firmenimage passen wollen. Zum Beispiel können sich Kunden ihr Shirt mit einem von vier verschiedenen Freital-Motiven bedrucken lassen. Das Eiserne Kreuz kommt auf 51 Shirt-Varianten - sogar Baby Kurzarm-Bodys können damit gestaltet werden. Das Eiserne Kreuz wird zwar als Tapferkeitsorden in der Bundeswehr verliehen, es ist jedoch auch in der rechten Szene als Ersatz für das Hakenkreuz beliebt. Die Angelegenheit ist damit nicht eindeutig.

Der Süddeutschen Zeitung sagte Sprecherin Greulich, dass "Spreadshirt" eine offene Plattform sei, die aber auch Grenzen habe. Dazwischen liege eine große Grauzone zu Geschmacksfragen oder politischen und religiösen Einstellungen, worunter die Freital- und EK-Motive fallen. Explizit verbiete man aber gewaltverherrlichende, pornografische oder volksverhetzende Inhalte.

Die sexistische Debatte wurde dabei noch nicht angestoßen. So lange bietet der Händler noch T-Shirts mit Aufdrucken an wie "Ich steh auf Blondinen - Doof fickt gut" und "Das nennst du Party? Wo sind die Nutten?" - Letztes Motiv gibt es auch als Kinder-Shirt-Variante.