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Tierschutzbericht

Wieder mehr Tierversuche in Deutschland

17.08.2011 | 18:37 Uhr
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
Blick in das zentrale Tierlabor der Uni Essen: Die Zahl der Tierversuche in Deutschland ist laut dem aktuellen Tierschutzbericht des Bundes zuletzt wieder gestiegen. (Foto: von Born/WAZ FotoPool)

Berlin.   Die Zahl der Tierversuche ist in Deutschland wieder deutlich gestiegen. Das geht aus dem Tierschutzbericht der Bundesregierung hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Fortschritte gibt es bei der Hühnerhaltung.

In Deutschland werden wieder deutlich mehr Tiere für Forschungszwecke eingesetzt. Wie aus dem am Mittwoch vom Kabinett beschlossenen Tierschutzbericht hervorgeht, stieg die Zahl der Versuchstiere von rund 2,41 Millionen im Jahr 2005 auf 2,79 Millionen Tiere im Jahr 2009 an. Die Zahlen für 2010 sind noch nicht veröffentlicht.

Aus dem Tierschutzbericht geht auch hervor, dass sich das seit Anfang 2010 geltende Verbot der Käfighaltung von Hühnern nur geringfügig zugunsten der Freilandhaltung ausgewirkt hat. Statt in Käfigen leben die meisten Hühner jetzt in Bodenhaltung.

Nager sind die größte Gruppe

Als Grund für den Anstieg der Tierversuche wird vor allem der Ausbau des Forschungsstandorts Deutschland sowie der verstärkte Einsatz von transgenen Tieren, also eigens gezüchteten, gentechnisch veränderten Tieren, in der Forschung genannt.

Wie in den Jahren zuvor auch stellten 2009 die Nager, insbesondere die Mäuse, mit 87 Prozent die größte Gruppe der Versuchstiere. Der Anteil der Fische lag bei neun Prozent, der von Vögeln bei fünf und der landwirtschaftlichen Nutztiere bei rund einem Prozent. 2009 wurden den Angaben zufolge 90.000 Kaninchen, 3900 Hunde und 800 Katzen für Forschungszwecke verwendet.

Hühner leben vor allem in Bodenhaltung

Was die Geflügelhaltung angeht, so stieg der Anteil der Freilandhaltungsplätze für Hennen von 11,1 Prozent im Jahr 2008 auf 12,9 Prozent im vergangenen Jahr. Bei der sogenannten ökologischen Erzeugung gab es 2010 gar einen leichten Rückgang im Vergleich zum Jahr davor. Wurden 2008 noch 62,1 Prozent der Hühner aus Großbetrieben in Käfigen gehalten, sank dieser Anteil bis 2010 auf 18,2 Prozent. „In Deutschland gibt es innerhalb des Systems Käfighaltung praktisch nur noch Kleingruppenhaltungen“, heißt es dazu im Bericht.

Bei der Bodenhaltung haben sich die Verhältnisse umgekehrt entwickelt. Lebten 2008 noch 21,7 Prozent der Hennen in dieser Bewirtschaftungsform, waren es im vergangenen Jahr laut Tierschutzbericht 62,8 Prozent oder 23,03 Millionen Tiere. Bei der ökologischen Erzeugung gab es von 2008 auf 2009 einen Anstieg von 5,1 auf 6,3 Prozent. Im vergangenen Jahr sank ihr Anteil auf 6,2 Prozent.

Etwas mehr Platz als auf einem DIN-A4-Blatt

Tierschützer kritisieren, dass die Kleingruppenhaltung keine wesentliche Verbesserung darstellt. Sie bietet rund 35 bis 50 Tieren Platz, wobei jede Henne mindestens 800 Quadratzentimeter Raum haben soll. In der Batteriehaltung waren es nur 550 Quadratzentimeter. Zum Vergleich: Ein DIN-A-4-Blatt hat eine Fläche von knapp 630 Quadratzentimetern.

Nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts ist die Hennenhaltung in Kleingruppen verfassungswidrig. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgelegt, die keine Regelungen für Kleingruppenhaltungen mehr vorsieht. Allerdings soll es einen Bestandsschutz bis Ende 2035 geben.

Handelsverbote für Hunde- und Katzenfelle

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser (CDU), erklärte in Berlin, wie der aktuelle Tierschutzbericht verdeutliche, habe die Regierung den Tierschutz konsequent verstärkt und dabei auch viele Bedenken und Anregungen der Bürger und der Verbände aufgegriffen. Auf deutschen Druck hin gebe es mittlerweile europaweit Handelsverbote für Hunde- und Katzenfelle sowie für Robbenerzeugnisse. Auch die Haltung von Zirkustieren werde besser überwacht.

Als weitere Beispiele nannte Bleser die Leitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums für die Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten sowie die Unterstützung „für wichtige Forschungsaktivitäten im Nutztierbereich und vor allem zur Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch“.

Die SPD kritisierte dagegen, dass sich im Tierschutz in den vergangenen beiden Jahren nichts getan habe und sich „stattdessen immer mehr die tierschutzfeindliche Positionen“ durchsetzen. (dapd)

DerWesten

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Kommentare
19.08.2011
14:39
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
von Egal1 | #22

@IlDottore

Die Seite kannte ich nicht, sehr interessant und auch hilfreich. Danke!
Schade, dass es diese Datenbank viel zu klein ist, wünschenswert ist eine wesentlich höhere Zahl an alternativen Möglichkeiten. Was ich auch seltsam finde ist, dass kaum einer diese Seite kennt. Hab mal rumgefragt und niemand kannte sie. Mehr Öffentlichkeitsarbeit wäre hier vom Vorteil.

Leider fallen meine Experimente da nicht drunter und ich kann sie vom Gesetzgeber her nicht ersetzten.

19.08.2011
13:55
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
von NichtEgal | #21

#20 von IlDottore
Soweit alles richtig, aber ein klein wenig Überlegungen sind in der Wissenschaft nicht anerkannt, hier zählen nur Fakten, d.h.methodisch saubere Studien. Ihren Satz hinter Daher: unterstütze ich voll.

19.08.2011
11:30
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
von IlDottore | #20

Dass InVitro-Untersuchungen zurzeit alternativarm sind, bestreitet niemand.
Aber das heißt nicht, dass trotzdem jede Menge Versuche, vor allem in der Grundlagenforschung, veranstaltet werden - die völlig überflüssig sind, und deren Erkenntnisgewinn schon im Voraus mit ein klein wenig Überlegung hätte ausgeschlossen werden können.

Daher: Tierversuche nur als allerletztes Mittel und unter allerstrengsten Auflagen !

Eine Seite zum Thema, die ohne die übliche Veganer-Rhetorik auskommt, ist diese:
http://www.datenbank-tierversuche.de/
Sie listet Alternativen auf, ebenso wie eine umfangreiche Datenbank von vorgenommenen Experimenten.
Letztere sind nichts für schwache Nerven ! Suchen Sie einfach mal nach Düsseldorf.

Hier ist der Kommentar fast noch lesenswerter als der Artikel:
http://www.wz-newsline.de/lokales/duesseldorf/tierversuche-an-der-uni-nachfragen-nicht-erwuenscht-1.167310

18.08.2011
19:47
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
von Egal1 | #19

@michelle2010

diese Seite ist mir natürlich bekannt. Aber lesen sie doch einfach nochmal mein Kommentar durch.

Aber ein anderer Teil ist wirklich wichtig. Klar, es gibt invitro Versuche mit denen man sicherlich gut arbeiten kann. Komplet ersetzten sie aber niemals invivo. Es ist wichtig dass man da keine Steine in den Weg gestellt bekommt.

dass schreibt auch die Seite die sie genannt haben.

18.08.2011
16:56
Blockierter Kommentar.
von michelle2010 | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.08.2011
16:44
Blockierter Kommentar.
von michelle2010 | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.08.2011
16:43
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
von michelle2010 | #16

Für EGAL1

Informieren Sie sich doch einfach mal auf dieser schönen Seite:

http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/

18.08.2011
15:03
Wieder mehr Tierversuche in Deutschland
von Egal1 | #15

Danke ... NichtEgal ... (schöner Name)

Es gibt viele, sehr viele Tierversuche die man wirklich streichen kann. Sie sind nicht nur überflüssig, haben keinen besonderen nutzen und vor allem sind einige schon längst gemacht worden.

Das trifft aber nur auf einen Teil zu. Wie groß dieser Teil ist weiss ich leider nicht.

Aber ein anderer Teil ist wirklich wichtig. Klar, es gibt invitro Versuche mit denen man sicherlich gut arbeiten kann. Komplet ersetzten sie aber niemals invivo. Es ist wichtig dass man da keine Steine in den Weg gestellt bekommt.

Ich bin mir sicher, dass die Idee Gefangene als Versuchstiere zu benutzen nur ein Scherz war. Wir sind hier nicht in den USA, wir haben noch ein wenig Menschenwürde übrig, auch für die krankesten Menschen.
Denn im Ammiland gab es ne Zeit in der an Gefängnisinsassen an solchen Studien freiwillig teilnehmen mussten!

18.08.2011
13:55
Blockierter Kommentar.
von NichtEgal | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.08.2011
13:51
Blockierter Kommentar.
von soulseeker | #13

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