Wie Udo Jürgens gegen Twitter und Facebook wettert
08.02.2012 | 07:02 Uhr 2012-02-08T07:02:26+0100
Oberhausen. Udo Jürgens (77) und die sozialen Netzwerke werden wohl keine Freunde: Bei seinem umjubelten Konzert vor 9000 Fans in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen teilte die Schlager-Legende ordentlich gegen den zwanghaften Mitteilungswahn in der Netzwelt aus - natürlich auch im Bademantel.
Auf ihn warten sie gerne: Ein Fan auf den Rängen der König-Pilsener-Arena in Oberhausen hat sich am Dienstagabend trotz Bibberkälte in einen Bademantel gehüllt. Völlig unnötig eigentlich, denn so lange müssen die 9000 Fans in der gut gefüllten Halle gar nicht ausharren.
Schon wenige Minuten nach 20 Uhr erklingt die Stimme des Mannes aus Klagenfurt. Der Vorhang fällt. Ganz klassisch. Ganz stilvoll. Ganz groß. Den Anhängern wird bei den ersten Melodien schnell warm ums Herz. Ihr Idol zeigte sich dagegen wenige Tage zuvor noch äußerst verschnupft. Eine Grippe hatte den 77-Jährigen aus dem Verkehr gezogen. Vier Konzerte mussten ausfallen. Erst am Sonntag feierte die „Der ganz normale Wahnsinn“-Tour von Udo Jürgens in Köln Premiere.
Breitseite gegen Facebook und Dschungel-Camp
Dabei ist der Titel der Tour nicht falsch zu verstehen. Der Österreicher ist nicht „Onkel Jürgen(s)“. Auch mit Kollegen wie Michael Wendler und Mickie Krause hat die Schlager-Ikone nichts gemein. Udo Jürgens haut mit seinen neueren Songs, die den ersten Teil des Konzertes dominieren, vor allem gesellschaftlichen Trends auf die Finger. Kritik soll schließlich erlaubt sein - und ein bisschen Wartezeit dann doch noch. Jürgens neckt am Klavier: „Wenn ich die alten Songs schon jetzt spiele, hauen Sie in der Pause doch schon ab!“ Die Lacher gehören ihm.
Eine musikalische Breitseite gibt es mit dem Song „Du bist durchschaut“ gegen Daten-CDs, Google, Facebook und Twitter. „Privates, das ist out“, singt er da. Aber auch eine Variante schärfer: „Ganz offenherzig twitterst du. Gibst alles von dir preis. Den größten Mist – den kleinsten Scheiß!“ Überhaupt zeigt sich Jürgens angriffslustig: Auch „Dschungel-Camp“, „Deutschland sucht den Superstars“ und „Big Brother“ bekommen satirische Töne ab. „Superstars, die tun mir leid. Nackte Deppen im Container, weggezappt - schad' um die Zeit.“ Eine Schlager-Legende darf das offensichtlich. Applaus in der Halle.
Rotes Kavaliertuch für einen weiblichen Fan
Doch es geht auch gewohnt charmant: Mit dem roten Kavaliertuch aus seiner Jacketttasche beschenkt der Sänger einen weiblichen Fan. Bindet das Orchester von Pepe Lienhard bestens ein. Und überzeugt als klassischer Entertainer. Bei Aufnahmen zum ARD-Zweiteiler "Der Mann mit dem Fagott", der Udo Jürgens Leben zeigt, spielen Künstler und Orchester passend zu den Bildern, die auf der Videoleinwand erscheinen. Im Ansatz beeindruckend, auf Dauer etwas ermüdend. Durch die Länge der Suite geht dem Konzert kurzzeitig die Puste aus. Doch das ist schnell vergessen. „17 Jahr, blondes Haar“, „Ein ehrenwertes Haus“, „Aber bitte mit Sahne“, „Ich war noch niemals in New York“. Keine weiteren Fragen.
Und am Ende: Kommt der Bademantel
Es ist ein knapp dreistündiger Reigen inklusive Pause. Minuten vor dem Ende des Konzertes erlebt auch der Fan im Bademantel seinen großen Augenblick: Udo Jürgens hat die Kult-Bekleidung ebenfalls angezogen. Es ist der umjubelte Konzert-Moment, der unter keinen Umständen fehlen darf.
Udo Jürgens zeigt sich in Oberhausen nach überstandener Grippe in bester Spiellaune und gut aufgelegt - so sehr, dass man die Fans während der stillen Momente scheinbar summen hört: „Mit 77 Jahren, da fängt das Leben an...“
21:55
Udo Jürgens nutzt nicht Facebook, sondern die Bildzeitung, um jeden Dreck von sich zu veröffentlichen.
15:36
Bemerkenswert, welche Schwerpunkte die WAZ mit dem Konzertbericht setzt. Und wie die Leser das aufgreifen! Von welchem deutschen Sänger würde man aktuell eine so wichtige Diskussion loszutreten erwarten können? Eben.
Wer sich noch ein bißchen mehr über die Udo-Jürgens-Tournee informieren will, das geht zum Beispiel hier: http://www.udofan.com/forum/board5-udo-juergens/board11-konzertberichte/1759-oberhausen-impressionen/ - und auch bei Facebook, ja, doch, da gibt es eine ganz offizielle Seite.
11:29
@#7 carlotta1972 - das sehe ich genauso ! Und noch was: Udo Jürgens nutzt zwar nicht Twitter, Facebook und Co für irgendwelche Ergüsse. Dafür hat er schon sehr viel Privates in den Printmedien oder im TV von sich gegeben...
11:12
Es kann mit so vielen Dingen Missbrauch betrieben werden. Alkohol, Schokolade, Nikotin, Sonnenbank und natürlich auch mit sozialen Netzwerken. Wie auch in den anderen Fällen ist jeder Mensch für sich selbst verantwortlich. Und wie man auch verantwortungsvoll mit Alkohol und Schokolade umgehen kann, so ist dies auch mit den sozialen Netzwerken möglich. Wer also zu kurzsichtig und offenherzig mit seinen privaten Informationen und Daten umgeht, wird vielleicht ingendwann davon eingeholt. Wer sich aber zuvor informiert und verantwortungsbewusst damit umgeht, kann durchaus Nutzen daraus ziehen. Im Übrigen wird niemand gezwungen sich z.B. bei Facebook zu tummeln.
Ab einem bestimmten Alter ist man aber vielleicht auch einfach nicht mehr besonders offen für Neues und brabbelt nur das nach was man irgendwo in grossen Lettern gelesen hat ohne sich ausführlich selbst zu informieren. Schade eigentlich.
11:09
er hat doch völlig recht.
möchte der staat was von euch wissen brüllt ihr was es ihn anginge.
aber bei facebook und co wird munter privates pepostet was das zeug hält.
komisches verständnis.
10:02
Recht hat er, der gute Mann!
Das werden irgendwann auch die erkennen, die heute auf Plattformen jeden Sch... von sich preisgeben. Und das ist möglicherweise sogar noch das kleinere Problem. Diese Datenkraken sammeln wirklich alles, was ihnen in die Finger kommt!
So möchte Facebook das ganze Leben seiner Nutzer kennen, gibt aber selber nicht preis, was mit den Daten passiert und was genau alles gespeichert wird. Bekannt sollte ja mittlerweile sein, dass Facebook selbst Daten weiter speichert, die der Nutzer eigentlich "gelöscht" hat. Ähnliches gilt natürlich für Google, MySpace...
Interessante Seite von Max Schrems ("Facebook ist fleißiger als die Stasi"), dessen Ausdruck seiner Facebook-Daten 1200 Seiten umfasste:
http://www.europe-v-facebook.org/DE/de.html
09:04
Seine Musik ist zwar absolut nicht mein Fall, aber die Einstellung teile ich. In seinem Alter müßte er sich soetwas eigentlich nicht mehr antun, aber laut und öffentlich Auszusprechen was eien auf der Seele brennt, daß trauen sich nur noch wenige. (Die Kids von heute trauen sich ja nur noch anonym im Netz was zu äußern)
Schön auch das er weiß seine Kritik in Worte bzw. Lieder zu fassen, eine Kunst die man von heutigen "Stars" wie z.b. einen Herr Bohlen nicht mehr erwarten kann. Diese Art von Mensch bedient sein Klientel mit einem Niveau, das man als solches schon gar nicht mehr bezeichnen kann.
Wenn Udo Jürgens jetzt noch - wie Sänger Kollege Roberto Blanco - zusammen mit Sodom auf die Bretter geht und "Aber bitte mit Sahne" schmettert, schau ich ihn mir doch glatt noch mal Live an ;-)
09:00
Udo Wer?
08:49
Herr Jürgens hat mit seiner Kritik zwischen den Zeilen an diesen Plattformen durchaus recht - bezieht sich ja auf die Nutzer und nicht auf die Plattform selbst !
Die Worte von Herrn Breuckmann in Bezug auf Herrn Assauer passen auch hier :
"Der nackte Voyeurismus"
An die Kindeszeugung mit dem späterem Misbrauchsgedanken darf ich gar nicht denken - alles über "Plattformen" gelaufen .
07:13
Hat der Opa Bockelmann was zu melden ?
NEIN !
wahrscheinlich mehr als sie
und er hat doch völlig recht.