Wie Sie bei der Wahl der E-Mail-Adresse Strom sparen können

Was wir bereits wissen
Surfen, mailen, online kaufen: Der Energieverbrauch des Netzes in Deutschland verursacht mehr CO2-Emissionen als der Flugverkehr.

Essen.. 100 Millionen PCs, Tablets, Notebooks stehen in Haushalten und Büros, gut 75 Prozent der Deutschen surfen im Internet, jeden Tag gehen weltweit Milliarden E-Mails auf die Reise. Möglich wird das erst durch Rechenzentren, die rund um die Uhr online sind. Das alles belastet die Stromrechnung. Doch wie lässt sich sparen?

Weltweit werden täglich 200 Milliarden Mail verschickt

Der Wirtschaftswissenschaftler Ralph Hintemann vom Borderstep Institut ist einer der bekanntesten Experten in Deutschland für die Energieeffizienz von Informationstechnik. Er sagt: „Weltweit werden jeden Tag rund 200 Milliarden E-Mails versendet“. Die elektronische Post verbrauche rund 140 Terawattstunden, das entspreche dem jährlichen Stromverbrauch von Österreich und der Schweiz zusammen. Das Gros davon werde bei dem erzeugt, der seine Mails abruft und Rechner und Bildschirm laufen lässt. Der Rest des Strombedarfs fällt in den Rechenzentren der Mailanbieter an. Dazu gehört etwa der Branchenriese United Internet, der mit GMX und web.de vierzig Prozent der E-Mail-Postfächer in Deutschland betreibt. Er unterhält nach eigenen Angaben 70 000 Server und leitet jeden Monat fünf Milliarden Mails durch seine Rechenfabriken. Viel Energie schluckt allein die Kühlung der Rechner.

Gekühlte Rechenzentren

Allerdings, so sagt Hintemann, gebe es bei den Firmen Unterschiede – die einen verbrauchen weniger Energie als die anderen. „Kunden können die Stromlast durch die Wahl des Anbieters verringern – wenn auch nicht direkt bei sich zuhause, aber insgesamt.“

Zusammen mit dem „Magazin zeo2“ hat Hintemann zwölf kostenlose E-Mail-Dienste, die insgesamt 90 Prozent des Marktes abdecken, einem Check unterzogen. Haben Sie ihre Rechenzentren auf Energieeffizienz getrimmt? Vermeiden Sie mit optimaler Software unnötigen Energieverbrauch und blocken Spam-Mails? Denn Spams machen weit über 80 Prozent aller Mails aus. Zudem: Nutzen Sie Ökostrom? Am besten schnitt die Gütersloher Firma Mail.de ab. Sie bekam die Note gut. GMX und Web.de, Google mit Gmail, die Deutsche Telekom mit T-Online und Vodafone erhielten zum Beispiel ein Befriedigend.

E-Mails senden statt Briefe zu schreiben – das ist freilich längst nicht alles, was jeder mittlerweile im Internet erledigt. Wer hat nicht schon mal online Schuhe gekauft oder zuhause einen Film runtergeladen? So hat der Stromverbrauch für die Internetnutzung und die dazu gehörige Infrastruktur bereits vor zehn Jahren, also im Jahr 2005, den Bedarf für die Beleuchtung überschritten. Das Umweltbundesamt schätzt, dass der Stromverbrauch des Internets in Deutschland so viele CO2-Emissionen wie der Flugverkehr verursacht.

Im Laden kaufen oder online ordern?

Schließlich hat die Zahl der PCs, Tablets und Notebooks in Behörden, Haushalten und Unternehmen seit dem Jahr 2010 um mehr als 30 Prozent zugenommen: Ende des Jahres 2014 war die 100 Millionen Marke überschritten. Und surften 1997 gerade mal 6,5 Prozent der Deutschen gelegentlich im Internet, so waren es 2014 fast 77 Prozent.

Längst versuchen Wissenschaftler herauszufinden, was mehr Energie verbraucht – Waren im Laden kaufen oder online bestellen? Doch da wird es kompliziert. Die Forscher müssen viele Annahmen machen, etwa für die Auslastung der Lieferwagen. Fest aber steht: Onlineshopping verbraucht nicht per se mehr Energie.

So lautet das Fazit einer Studie zu Computerspielen, die im letzten Herbst im renommierten Journal of Industrial Ecology erschienen ist: Computerspiele bis 1,3 Gigabyte Größe herunterladen, darüber besser im Laden kaufen. „Oft ist allerdings der Transport auf der letzten Meile entscheidend“, sagt Experte Hintemann. Das heißt: Wer mit dem Rad zum Laden fährt, verbraucht weniger Energie als derjenige, der das Produkt online bestellt.