Wie Rudi Assauer seinen Alltag mit Alzheimer meistert
01.02.2012 | 10:18 Uhr 2012-02-01T10:18:00+0100
Gelsenkirchen. Der an Alzheimer erkrankte Rudi Assauer ist vom ZDF tagelang für eine Reportage begleitet worden. Im Interview mit der WAZ-Mediengruppe schildert die verantwortliche Journalistin, warum Assauer ihr gegenüber zugab, dass „etwas mit seiner Birne“ nicht stimme.
Rudi Assauer macht seine Alzheimer-Erkrankung
öffentlich. In einer Reportage der ZDF-Reihe „37 Grad“ (Dienstag, 7. Februar, 23.15 Uhr) ist Schalkes Ex-Manager
und Borussia Dortmunds Ex-Spieler bei seinem Kampf gegen diese Krankheit zu sehen. Dafür hat Stephanie Schmidt ihn ein Jahr begleitet. Mit ihr sprach Christoph Bauer.
Alzheimer ist kein Thema, mit dem jemand gern in die Öffentlichkeit geht. Wie kam es zu dem Projekt?
Stephanie Schmidt: Ich war mit Rudi Assauer
und Werner Hansch für einen Beitrag über Gelsenkirchen unterwegs. Da fiel mir auf, dass Assauer sich verändert hatte. Die Symptome kannte ich aus meiner eigenen Familie.
Wie hat er reagiert?
Schmidt: Mir gegenüber sehr offen. Er hat nach einem Gespräch bestätigt, dass „etwas mit seiner Birne“ nicht stimme.
Und die Zusammenarbeit für eine Fernseh-Reportage?
Schmidt: Die dauerte länger. Er hat sich ein halbes Jahr Zeit gelassen, hat sich Filme von mir angesehen. Schließlich rief Werner Hansch an und sagte mir, dass Assauer einverstanden sei.
Wie ging es dann weiter?
Schmidt: Die ersten Gespräche haben wir vor einem Jahr geführt, der Dreh begann im Sommer. Da habe ich ihm gleich gestanden, dass ich überhaupt keine Ahnung von Fußball habe.
Wie hat er reagiert?
Schmidt: Er hat gelacht und gesagt, das sei egal. Hauptsache, ich hätte das Herz auf dem rechten Fleck. Meinen Fußballunsachverstand hat er mir später noch mehrmals bestätigt.
Was bedeutet ihm denn der Fußball heute?
Schmidt: Sehr viel. Wir waren für eine Aufnahme auf dem Rasen in der Arena. Da war er lange nicht mehr drauf und es hat ihn tief berührt, eigentlich uns beide. Das Verhältnis zum Verein scheint sich ja auch wieder zu öffnen, auch wenn er sich seine Eintrittskarten selbst kaufen muss.
Er bekommt keine Gratiskarten?
Schmidt: Nein, aber das stört ihn nicht. Rudi Assauer
ist ein so bescheidener Mensch, der erwartet das überhaupt nicht, dass ihm einer was schenkt. Nicht mal Karten für die Arena, die er gebaut hat.
Also nicht der Machotyp?
Schmidt: Überhaupt nicht. Er war höflich, zuvorkommend und mit wunderbaren Umgangsformen.
Wie eng wurde das Verhältnis zu ihm?
Schmidt: Nun, das war etwas schwierig. Er konnte sich zwar bei jedem neuen Dreh an das Projekt erinnern, er wusste auch der wievielte Drehtag es war, aber ich musste mir bei jedem Dreh das Vertrauen neu erkämpfen, wir fingen jedes Mal bei Null an.
Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Schmidt: Ja, ein Interview im September. Wir waren eigentlich fertig für den Tag und hatten schon fast alles eingepackt. Da ergab sich ein Gespräch, das war persönlicher als alle anderen. Ein Großteil davon wird am Dienstag zu sehen sein.
Worum ging es?
Schmidt: Um sehr private Dinge, um Gedanken über Selbstmord, um die Angst, was die Krankheit mit ihm macht. Und um den Verlust von Stärke, das macht ihm sehr zu schaffen.
Hat er Angst?
Schmidt: Er hatte immer Angst, dass er Alzheimer bekommen würde, weil es Fälle in seiner Familie gibt. Jetzt hat er eine regelrechte Wut auf die Krankheit, dass sie ausgerechnet ihn erwischt hat. Aber diese Wut verleiht ihm auch Kraft, dagegen anzugehen. Da bringt er viel Geduld auf.
Er ist in einer Spezialtherapie.
Schmidt: Ja, in der Essener Memory-Clinic. Dort finden zum Beispiel Gespräche mit Jens Lehmann oder anderen Weggefährten statt. Diese Biografie-Arbeit tut ihm sehr gut, das hilft ihm und gibt ihm Kraft.
Schaut er noch Fußball?
Schmidt: Leidenschaftlich, auch im Stadion. Wenn er über Fußball spricht, dann wird sein Blick ganz anders und er richtet seinen Körper gerade auf.
Kann er sich denn noch komplett an seine Fußball-Karriere erinnern?
Schmidt: Fast. Die großen Erfolge und Projekte, das ist alles noch da. Aber dann fällt ihm auf einmal ein Name eines Mitspielers nicht ein oder ein Topspieler, den er verpflichtet hat. Das macht ihn dann wütend.
Er suchte früher die Öffentlichkeit, wie geht er jetzt damit um?
Schmidt: Er möchte mit der Reportage seine Krankheit
öffentlich machen, dazu stehen. Bei einer Pressekonferenz hätte er Angst, dass er nicht schnell genug reagieren kann, ihm etwas nicht einfällt oder dass Sachen aus dem Zusammenhang gerissen werden. Und eine Sache macht ihn wütend.
Was ist das?
Schmidt: Wenn Leute sagen: „Ach, der Rudi, der hat zu viel getrunken.“ Klar hat er sich sein Bierchen schmecken lassen, aber die Sprachausfälle, die schon in der Vergangenheit mal in der Öffentlichkeit auftauchten, das sind eindeutig Symptome von Alzheimer.
14:58
Ich hoffe, das bleibt meiner Familie mit mir erspart. Obwohl... So manchmal...
Rudi, ich bewundere deinen Mut zur Offensive! Alle Achtung!
13:39
Sprachausfälle ?!?
Da sollte sich Stoiber aber mal erheblich mehr Sorgen machen!
GLÜCK AUF RUDI !!!
13:16
dieser Werner Hansch von dem da dauernd die Rede ist? Assauers Sekretär (hat ja auch die Zustimmung zur Reportage überbracht)?
12:06
Auch ein Dortmunder grüßt dich!
Du schaffst das, Junge!
Alles Gute für Herrn Aussauer und die Kraft weiter gegen diese schreckliche Krankheit zu kämpfen. Ich wünsche ihm, dass all die lieben Menschen um ihn herum immer an seiner Seite stehen.
12:02
Glück auf Rudi Assauer.
von einem Essener an einen Schalker
11:48
Meine Mutter hat Alzheimer und es ist wirklich kein Zuckerschlecken. Es tut weh, wenn man hilflos zusehen muss wie die Frau, die einen großgezogen hat immer mehr zum Pflegefall wird. Mittlerweile ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr alleine bleiben kann oder mit Verwandten redet, die schon seit 20 Jahren tot sind.
Ich hoffe, dass die Familie von Herrn Assauer sich professionelle Hilfe holt, denn die Pflege eines kranken Angehörigen ist auf die Dauer emotional sehr belastend. Das ist wie ein Vollzeitjob, den man zwar gerne macht (ich zumindest), aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man einfach nicht mehr kann.
Ich kann Sie sehr gut verstehen, da auch ich meine an Alzheimer erkrankte Mutter eine Zeit lang gepflegt hatte bis es dann nicht mehr ging und sie in ein Pflegeheim kam. Nur damals war ich völlig unvorbereitet da Alzheimer noch kein Thema war. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft bei der Pflege Ihrer Mutter. Herrn Assauer und seiner Familie wünsche ich ebenfalls viel Kraft und Gottes Segen.
11:31
Der Verein wird schon seine Gründe haben, warum er ihm keine Karten schenkt. Das Nachtreten gehört eigentlich nicht in so einen Bericht. Man erwartet schließlich auch Rücksichtnahme gegenüber R.A.
Woraus erlesen Sie ein "Nachtreten"? Ich kann da nichts finden. Zum einen ist dies hier kein Interview mit Rudi Assauer, sondern mit einer Filmemacherin, die ja selbst zugibt, keinerlei Fußballsachverstand zu haben, wie kann die dann also irgendwohin nachtreten.
Zum zweiten:
"Das Verhältnis zum Verein scheint sich ja auch wieder zu öffnen, auch wenn er sich seine Eintrittskarten selbst kaufen muss."
Er bekommt keine Gratiskarten?
Schmidt: "Nein, aber das stört ihn nicht. Rudi Assauer ist ein so bescheidener Mensch, der erwartet das überhaupt nicht, dass ihm einer was schenkt. Nicht mal Karten für die Arena, die er gebaut hat."
Einfach nur Fakten, wo ich weder Verbitterung lese noch sonst etwas interpretieren kann, was da nicht steht. Aber Verschwörungstheoretiker gibt es ja seit Zeiten des Internets wie Sand am Meer.
auch wenn rudi assauer seine karten selbst kaufen kann und ihn das nicht stört, aber ein so verdienter schalke (wo wäre schalke ohne ihn?) hat es nicht verdient, dass er seine karten kaufen muss. beim fc bayern wissen sie wie man mit verdienten menschen umzugehen hat. übrigens, ich bin schalker.
zu Rolli007
Das sehe ich genauso. Die Karten wären das wenigste was man für Herrn Assauer tun sollte. Der Vorstand sollte sich mal Gedanken machen, wie man diesem Schalkeidol
(wo wäre Schalke ohne ihn und hat er nicht Jahre seines gesunden Lebens für diesen Verein geopfert?) helfen bzw. schöne Momente vermitteln kann. Ich wünsche Herrn Assauer auf diesem Weg alles Gute und die Kraft weiter zu kämpfen
Natürlich ist das Nachtreten. Die Filmemacherin setzt den Verein eindeutig in ein schlechtes Licht. Das sind keine Fakten, sondern reine Suggestionen.
Schalke darf jetzt nichts mehr sagen, aus Rücksicht auf den kranken RA - da gäbe es einiges. Dann erwarte ich das allerdings auch von RA oder seiner Umgebung.
@ otto99
nicht die Filmemacherin setzt Schalke in ein schlechtes Licht, das macht Schalke schon selbst in dem sie dem größten Schalker seit über 50 Jahren keine Karten zur Verfügung stellen und ihn auch sonst ignorieren.
@ paulbaumann
Wenn ich darauf antworten würde, würde ich genauso wie Du jetzt, im Dreck wühlen.