Wie Google mit YouTube zum Fernsehprogramm werden will

Noch ist das Angebot klein. Aber YouTube bietet nun auch in Deutschland ganze Kinofilme an.
Noch ist das Angebot klein. Aber YouTube bietet nun auch in Deutschland ganze Kinofilme an.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
YouTube, eine Tochter von Google, bietet jetzt auch Kinofilme an – bislang kostenlos. Das Angebot lässt sich an zwei Händen abzählen. Die privaten deutschen Fernsehsender sind dennoch alarmiert. Ein Blick in die USA zeigt, warum. Dort dringt die Plattform längst auf das Territorium klassischer Fernsehsender vor.

Essen.. Auf den ersten Blick klingt die Sache ganz harmlos. Googles Tochter YouTube bietet jetzt auch Kinofilme zum Ansehen an (www.youtube.com/movies). Das kostet bisher nichts, aber die Filme sind alt, und das Angebot lässt sich an zwei Händen abzählen. Bei den privaten deutschen Fernsehsendern, denen jüngst ähnliches verboten wurde, schrillen dennoch die Alarmglocken. Ein Blick in die USA zeigt, warum.

Denn dort dringt die Plattform, die ursprünglich nur für wackelige Flimmer-Videos bekannt war, längst auf das Territorium klassischer Fernsehsender vor und wird zu einem Online-TV mit hunderten – teils eigens produzierten – Kanälen. 100 bis 150 Millionen US-Dollar will sich die Firma das in nächster Zeit kosten lassen. Portokasse für Google.

Aber langfristig möglicherweise eine überaus lohnende Investition – nicht nur für YouTube, sondern auch seine Partner. Die verdienen nämlich mit, wenn auf den neuen Kanälen Werbung geschaltet wird. Und wer seinen Job gut macht, so heißt es, könne sechsstellig verdienen.

Natürlich bietet Google auch eine eigene TV-Box an

Das erklärt, warum die Bewerber Schlange stehen. Kleine TV-Produzenten und Videoteams sind ebenso dabei wie große Zeitungen und Nachrichtenagenturen. Aber auch Rock- und Sportstars. Madonna hat einen eigenen Tanzkanal, die Skateboard-Legende Tony Hawk einen Skating-Channel. Und längst hat sich eine ganz neue Industrie etabliert, die mit eigenproduzierten Filmchen jede noch so ausgefallene Nische bedient. Da wird gewandert, gehäkelt oder gekocht. Da gibt es Tipps für Heimwerker und Hobbygärtner, Reiseberichte und Buchempfehlungen.

Die Werbeindustrie, die in den USA bisher jährlich rund 60 Milliarden Dollar in TV-Spots steckt, ist ebenfalls begeistert. Schließlich kann sie nirgendwo sonst so gezielt wie hier eine eng umrissene Zielgruppe ansprechen. Zumal YouTube in Zukunft längst nicht mehr nur am PC oder auf dem Handy geguckt werden kann. Immer mehr Fernseher sind mittlerweile internetfähig, und natürlich bietet Google auch eine eigene TV-Box an, die herkömmliches Fernsehen mit dem Internet-TV verschmelzen lässt.

In Deutschland hat Google sein neues Angebot ganz still und leise gestartet. Ein paar Reisevideos gibt es zu sehen, den Klassiker „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ oder den Science-Fiction-Streifen „Dune“. Nichts Besonderes also. Und kostenlos, das nur am Rande, dürfte die YouTube-Videothek auf Dauer natürlich auch nicht bleiben. In den USA kosten aktuelle Filme dort mittlerweile drei bis vier Dollar.

„YouTube agiert zunehmend aggressiv", sagt ProSieben

Dennoch sind RTL und die ProSieben/Sat1-Gruppe bereits auf die Barrikaden gegangen. Nicht nur, weil Google auch hierzulande sein Angebot wohl weiter ausweiten wird. Sondern vor allem, weil ihnen ein ähnliches Angebot erst vor kurzem vom Bundeskartellamt untersagt wurde.

Das verbot in der vergangenen Woche eine geplante gemeinsame Plattform der großen Privatsender, auf der sich Filme und Reportagen gegen Bezahlung abrufen lassen sollten. Damit, so die Furcht der Kartellwächter, würden die Privaten ihre „marktbeherrschende Stellung weiter ausbauen“.

„YouTube agiert zunehmend aggressiv und bewegt sich dabei außerhalb unseres Regulierungsrahmens“, sagte Conrad Albert, Vorstand bei ProSieben/Sat.1, dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Und bei RTL nennt man die Situation „absurd“.

Von ARD und ZDF dagegen ist nichts zu hören zur aufziehenden Konkurrenz. Ihr geplantes Videoportal wurde allerdings von den Aufsichtsbehörden jüngst auch durchgewunken.