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Lottoglück

Wie ein spanisches Dorf durch einen Lottogewinn steinreich wurde

22.12.2012 | 17:39 Uhr
Wie ein spanisches Dorf durch einen Lottogewinn steinreich wurde
Gewonnen: Diese beiden Männer konnten im letzten Dezember Lottogewinne feiern.Foto: Manuel Buque /dpa

Madrid/Granen.   Vor einem Jahr wurde das spanische Bauerndorf Granen reich. Da fiel der „Dicke“ auf die Losnummer 58268, die komplett in Granen verkauft worden war und Spaniens berühmte Weihnachtslotterie ließ mehrere hundert Millionen Euro vom Himmel fallen. Seitdem preschen die Bewohner im Mercedes durchs Dorf.

Die Bauern des Dorfes in der Region Aragon, etwa 70 Kilometer nordöstlich der Stadt Saragossa, organisierten spontan eine Traktor-Parade durchs Dorf, als sie hörten, dass sie steinreich geworden sind. „Ich habe geweint“, erinnert sich Maria Pilar Arzaga an den wohl glücklichsten Tag ihres Ortes.

Der Geldregen, von dem die meisten Familien in Granen profitierten, war jedenfalls ein Segen für das Dorf. „Hier leben alle von der Landwirtschaft“, erzählt Jose Manuel Penella, Chef der lokalen Bauernvereinigung. „Mit dem Geld haben wir unsere Felder in Ordnung gebracht.“ Schulden seien bezahlt worden. Ackerbau und Viehzucht seien mühsam geworden. „Einigen Leuten ging es sehr schlecht“, erinnert sich Bürgermeister Carlos Samperiz, der selbst leer ausging.

Doch die harten Zeiten waren mit dem Geldregen wie weggeblasen: Noch am großen Glückstag tauchte eine Schar von Autohändlern, Immobilienagenten und Finanzmaklern in Granen auf. Sie brachten auf dem Tieflader Luxuskarossen, neue landwirtschaftliche Maschinen und stapelweise Hochglanzprospekte mit, köderten die potentiellen Kunden mit Ferrari-Uhren und Flachbild-Fernsehern. Und sie machten das Geschäft ihres Lebens.

Kioskbesitzerin hatte kein Los

Ausgerechnet Maria Pilar, die Besitzerin jenes Lottogeschäftes, das mit dem Verkauf der Hauptgewinn-Nummer dem Ort und auch den Nachbardörfern Sodeto und Tardienta ein Vermögen bescherte, hatte kein Los mit der Glücksnumer gekauft. Dafür prangt nun über ihrer Lottobude ein großes Schild: „Hier wurde 2011 der Dicke verteilt.“ Und Maria Pilar kann sich über lange Schlangen vor ihrem Geschäft freuen: Aus ganz Spanien pilgerten Menschen zu ihrem Lottokiosk, um eine Losnummer zu ergattern. Das Kuhdorf Granen gilt seitdem als das Glücksdorf der Nation.

Glücksspiel
Spanische Weihnachtslotterie schüttet 2,5 Milliarden aus

Die Weihnachtslotterie gehört in Spanien zum Fest wie anderswo der Christbaum. Bei der Ziehung am Samstag werden 2,5 Milliarden an die Gewinner ausgeschüttet - zum letzten Mal steuerfrei. Ab 2013 kassiert das Finanzamt bei allen Gewinnen von mehr als 2500 Euro eine Steuer von 20 Prozent.

Die Glücksritter suchen vorzugsweise „magische“ Zahlenkombinationen, um Fortuna auf die Sprünge zu helfen. Dieses Jahr ist zum Beispiel die Nummernfolge 01-7-12, das Datum des Fußball-EM-Sieges Spaniens, besonders begehrt. Auch per Internet kann übrigens gespielt werden, so dass inzwischen immer mehr Ausländer mitzocken.

Am Samstag wird wieder gezogen

Am Samstag, 22. Dezember, zieht Spaniens staatliche Lottogesellschaft wieder den dicken Weihnachtshauptgewinn, den „gordo“. Und die ganze Nation wird gebannt vor dem Fernseher sitzen, um live mitzuerleben, wo denn dieses Mal die Glücksfee ihr Füllhorn ausschütten wird. Spaniens Weihnachtslotterie, die vor genau 200 Jahren erstmals das Land beglückte, gilt mit einer Gewinnsumme von 2,5 Milliarden Euro als größte Weihnachtsziehung der Welt.

Allein der Hauptpreis, der auf eine Losnummer fällt, beträgt 720 Millionen Euro. Da sich aber jede Glücksnummer in 180 Serien und jede Serie noch einmal in zehn Zehntellose unterteilt, gibt es hunderte oder sogar tausende Gewinner des „gordo“. So war es auch vor einem Jahr in Granen, wo viele Bewohner ein Los mit der gleichen Nummer gekauft hatten.

Für jedes Zehntellos, das im Lottogeschäft 20 Euro kostet, locken 400 000 Euro Gewinn. Viele Lottospieler kaufen gleich mehrere Zehntel oder verteilen die Losscheine unter Angehörigen und Freunden – in der Hoffnung auf ein frohes Fest.

Ralph Schulze



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