Wie die Türken Deutschland das "Hurra" schenkten
08.11.2009 | 09:03 Uhr 2009-11-08T09:03+0100Belgrad. Kein deutscher Jubel ohne türkischen Spracheinfluss: Wenn wir "Hurra" rufen, geht das auf einen türkischen Ausdruck zurück. Das gleiche gilt für Heck-Meck, Schabracke und Gulasch. Wir sagen, welche Wörter wir den Türken verdanken - und welche sie uns.
Jeder kennt Döner Kebap, den Lammfleisch-Drehspieß, den unsere türkischen Nachbarn in Imbissbuden anbieten, zu haben an fast jeder Straßenecke Deutschlands. Döner setzt sich zusammen aus den türkischen Vokabeln „dönmek“ (= drehen) und kebap (= Fleisch) – ist also „das gedrehte Fleisch“. Die Kurzform „Döner“ erhielt mit der Migration der türkischen Arbeiter mittlerweile seinen festen Platz in der deutschen Sprache. Sie ist eines von offiziell 158 Wörtern türkischer Herkunft in der rund 200.000 Wörter starken deutschen Sprache.
Das sind also weniger als 0,1 Prozent, und vor allem Eigennamen: Harem, Raki, Hamam oder Sultan – eben „typisch Türkisches“, wofür es keine deutsche Entsprechung gibt. Aber: Wussten Sie, dass es auch einige wenige, viel ältere und verstecktere Wörter rein türkischen Ursprungs gibt, die wir täglich in der deutschen Sprache benutzen?
Kaffee stammt von Arabisch "kahve"
Da ist zunächst mal Joghurt – das türkische Wort für eine Art Dickmilch, das ab Ende des 17. Jahrhunderts in fast alle Sprachen der Welt einging. Genauso international ist auch der Kaffee verbreitet, der zurückgeht auf das türkische (eigentlich arabische) Wort „kahve“. Aber lesen Sie mal, welche Wörter sich noch in der deutschen Sprache tummeln, die ihren Ursprung am Bosporus hatten.
Hurra! – kommt von der Belagerung Wiens durch die Türken im 16. Jahrhundert; die osmanischen Soldaten spornten sich beim Angriff euphorisch mit dem Kriegsruf „Vur, ha!“ (das „ha“ langgezogen) an, was übersetzt „Schlag drauf!“ bedeutet. „Vur, ha“ wandelte sich in der Zeit zu dem (Sieges-)Ruf „Hurra!“ – und blieb es bis heute.
Horde – aus derselben Zeit – geht auf das türkische Wort „ordu“ für Heer zurück; da das Erscheinungsbild der türkischen Soldaten oft zu wünschen übrig ließ, wurde ihr Heer, das „ordu“, das sich zu „Horde“ wandelte, bei den feinen Wienern zum das Synonym für eine wilde, zusammengewürfelte, unordentliche Truppe von Männern.
Gulasch ist "Reste-Essen"
Gulasch – ebenso ein Kriegsbegriff: setzt sich zusammen aus den Wörtern „Kul“ (für niederer Soldat, Diener der Offiziere) und „Asi“ (für Essen). Gulasch, bis heute eigentlich eine Speise aus Resten von Fleisch, Kartoffeln und Gemüse, war also das „Reste-Essen“ für die niederen Dienstränge des Heeres.
Schabracke – kommt vom Wort „caprak“ für die „festliche Satteldecke“; da sich unter einer kunstvoll verzierten Satteldecke oft nur ein lahmer, alter Gaul verbarg, der verkauft werden sollte, wurde die „Schabracke“ zum Synonym für etwas, was nach Außen hin glänzt, jedoch bei genauerem Hinschauen in elendigem Zustand ist.
Heck-Meck – dieses Wendung geht auf den 1. Weltkrieg (1914-1918) zurück; da Deutsche und Türken Waffenbrüder waren, kam es vor, dass Einheiten auch gemeinsam gefangengenommen wurden. Und wenn dann die türkischen Kriegsgefangenen die englischen oder russischen Aufseher stundenlang und laut schreiend um „Ekmek, ekmek!“ – „Brot, Brot!!“ anflehten, meckerten ihre deutschen Mitgefangenen genervt darüber, „was die heute wieder für ein Heck-Meck machen“. So wurde „Heck-Meck“ zum Synonym für lautes, unkoordiniertes Durcheinander-Geschrei und Gestikulieren.
Kiosk stammt von türkisch "koesk"
Kiosk – die Verkaufsstelle hat ihren Namen vom türkischen Wort „koesk“ für Ecke; dieses Wort kam über das Französische nach Deutschland, denn die Franzosen fanden heraus, dass in Istanbul die Eckhäuser sich besonders als Verkaufsstellen (da nach zwei Seiten offen) eigneten, und übernahmen das türkische koesk als Wort für Verkaufsstelle.
Nicht nur die Türken haben uns Wörter geliehen. Deutsche Wörter sind in die umgekehrte Richtung gezogen: der „Ayzberg“ genauso wie „erzats“ für Ersatz. Oder das Wort für alle, die nicht wissen, wo sie hingehören: „haymatloz“.