Das aktuelle Wetter NRW 25°C
Studium

Wie Deutschlands Studenten wohnen, leben und reisen

26.06.2013 | 14:55 Uhr
Wie Deutschlands Studenten wohnen, leben und reisen
Trotz der Rekordzahl von 2,5 Millionen Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule.Foto: Ingo Otto

Berlin.  Haben die Eltern studiert, tun das meist auch die Kinder. Aus Arbeiterfamilien schafft es dagegen nicht einmal jeder Vierte an die Hochschule. Die finanzielle Situation der Studenten hat sich derweil etwas verbessert. Populärer geworden sind die Ingenieurwissenschaften.

Trotz der Rekordzahl von 2,5 Millionen Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule. Dies geht aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten neuen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) hervor. Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren 77. Von 100 Kindern aus Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.

Studentenwerks-Präsident Dieter Timmermann sagte: "Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv - auch wenn das Bildungsniveau der Gesellschaft insgesamt gestiegen ist." Auch die neue Studienstruktur mit dem schnelleren Bachelor-Abschluss habe die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft nicht verändert.

Timmermann: "Von Chancengleichheit ist kaum die Rede"

"Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellens, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede", sagte der DSW-Präsident, der früher Rektor der Universität Bielefeld und Bildungsforscher war.

Hochschulen
Erstmals mehr als 600.000 Studenten in NRW

Auch vor dem erwarteten Ansturm durch den doppelten Abiturjahrgang ist es an den Hochschulen in NRW eng. Laut Statistik waren im vergangenen Wintersemester erstmals mehr als 600.000 Studierende in NRW eingeschrieben. Für das kommende Semester werden mehr als 120.000 Erstsemester erwartet.

Timmermann forderte Bund und Länder auf, sich jetzt ohne weitere Verzögerungen über eine Bafög-Reform zu verständigen. Die Anhebung der studentischen Ausbildungsförderung steht nun schon im zweiten Jahr aus. Bereits im Januar 2012 hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent sowie der Elternfreibeträge um sechs Prozent verlangt. Diese Forderung hatte sich die Regierung allerdings nicht zu eigen gemacht.

Ein Viertel der Studierenden mit Bafög gefördert

Laut Sozialerhebung wird derzeit ein Viertel der Studierenden voll oder teilweise mit Bafög gefördert. Stipendien bekommen nur vier Prozent. Sechs Prozent haben Kredite aufgenommen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies sind den Ergebnissen zufolge vor allem Kinder aus ärmeren Elternhäusern.

Wie die repräsentative Umfrage ergab, haben die Klagen der Studierenden über die hohe Arbeitsbelastung im Bachelor-Studium inzwischen Wirkung gezeigt und an den Unis zu einer Entzerrung der Lehrveranstaltungen geführt. Durchschnittlich 35 Stunden in der Woche wendet ein Student für Vorlesungen, Seminare und Selbststudium auf. Dies sind zwei Stunden weniger als noch bei der Umfrage 2009.

61 Prozent arbeiten neben dem Studium

61 Prozent gaben an, neben dem Studium noch zu jobben - im Schnitt 7,4 Stunden die Woche. Insgesamt ist die Erwerbstätigenquote unter den Studierenden allerdings leicht zurückgegangen. Als eine mögliche Ursache gilt laut Sozialerhebung der Verzicht auf Studiengebühren. Besonders Studenten aus ärmeren Familien hatten zuvor darüber geklagt, für die Gebühren nebenbei arbeiten zu müssen. Aus Sicht von Hochschulforschern lässt aber auch das straffer organisierte Bachelorstudium mit seiner dichten Abfolge von Lehrveranstaltungen heute weniger Zeit für Nebenjobs. (dpa)

  1. Seite 1: Wie Deutschlands Studenten wohnen, leben und reisen
    Seite 2: Wie die finanzielle Situation der Studenten ist und wo sie wohnen
    Seite 3: Was am liebsten studieren wird

1 | 2 | 3


Kommentare
Aus dem Ressort
"Schlimmer als die Hölle" - Paar verlor drei Kinder in MH17
MH17-Tragödie
Anthony Maslin und Marite Norris aus Australien verloren ihre drei Kinder beim MH17-Unglück vergangene Woche. Nach einem Urlaub in Europa reisten die Kinder mit ihrem Großvater zurück in die Heimat, um rechtzeitig zum Schulanfang zuhause zu sein. Der offene Brief der Eltern bewegt die ganze Welt.
Berliner verlost 12.000 Euro für ein Jahr Nichtstun
Grundeinkommen
Utopie oder Zukunftsmodell? Das bedingungslose Grundeinkommen ist umstritten. Vielen gilt es als unfinanzierbar. Der 29-jährige Berliner Michael Bohmeyer will die Idee trotzdem ausprobieren - und verlost 12.000 Euro für ein Jahr Nichtstun.
Algerisches Flugzeug mit 116 Menschen über Niger verschollen
Luftverkehr
50 Minuten nach dem Start ist am Donnerstag der Kontakt zu einem Flugzeug der algerischen Fluggesellschaft Air Algerie abgebrochen. Die Maschine, die in Burkina Faso gestartet war, gilt seitdem als verschollen. Die Hintergründe sind unklar.
Polizist in Hessen erschossen - Täter auf der Flucht
Kriminalität
Nach dem Tod eines Polizeibeamten in Hessen fahndet die Polizei nach dem Täter. Ein Phantombild wurde veröffentlicht. Der 50-60-Jährige befindet sich noch auf der Flucht und ist vermutlich noch immer bewaffnet.
Teenager stürzt bei Rekordversuch mit Flugzeug ins Meer
Absturz
Ein 17 Jahre alter Junge ist bei dem Versuch, als jüngster Pilot mit einem einmotorigen Flugzeug die Welt zu umrunden, gemeinsam mit seinem Vater ins Meer gestürzt und gestorben. Beide waren Mitte Juni zu ihrem Rekordversuch gestartet und wollten Geld für gemeinnützige Projekte sammeln.
Umfrage
Die Duisburger Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten jährt sich zum vierten Mal. Wie hat das Unglück Ihr Leben verändert?

Die Duisburger Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten jährt sich zum vierten Mal. Wie hat das Unglück Ihr Leben verändert?