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Wie der Sieg beim "Supertalent" alles verändert

15.09.2011 | 18:00 Uhr
Wie der Sieg beim "Supertalent" alles verändert

Essen.   RTL geht mit der fünften Staffel „Supertalent“ auf Sendung. Es warten Oberjuror Dieter Bohlen und ein Preisgeld von 100.000 Euro. Für die ersten vier Gewinner hat sich der Sieg gelohnt - sie konnten länger davon zehren, als man denkt.

Elefanten werden Samba tanzen und Schweine Basketball spielen. Ein 84-Jähriger wird zur Geige und eine Achtjährige zu einer Schlange greifen. Könnte auch umgekehrt sein. Wird man sehen, wenn sie erst einmal läuft, die fünfte Staffel der Suche nach einem „Supertalent“ (RTL, 20.15 Uhr) . Keine andere Casting-Show im deutschen Fernsehen wird so mit Hohn und Spott überschüttet. Dabei bringt keine andere erfolgreichere Sieger hervor. Denn selbst wenn es nicht zur von Oberjuror Dieter Bohlen gerne prognostizierten Weltkarriere kommt, von einem Sieg beim „Supertalent“ lässt sich länger und besser zehren, als man denkt. Nicht nur wegen der 100.000 Euro Preisgeld.

Keiner weiß das besser als Michael Hirte . Der ehemalige Hartz-IV-Empfänger und Straßenmusikant mit dem blinden Auge und dem steifen Bein rührt 2008 Millionen Zuschauer zu Tränen und siegt überlegen in Staffel zwei. Mittlerweile gilt der 46-jährige Mundharmonika-Spieler als Deutschlands erfolgreichster Casting-Künstler überhaupt. Für seine bisher sieben Alben ist er fünf Mal mit einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet worden und längst Dauergast in deutschen Volksmusiksendungen. „Das ,Supertalent’“, sagt er seit Jahren, „hat mein Leben auf den Kopf gestellt.“

Michael Hirte rührte 2008 Millionen Zuschauer zu Tränen

Ganz so schlimm war es bei seinem Vorgänger Ricardo Marinello nicht. „Time To Say Goodbye“ hat der heute 22-Jährige bei seinem Sieg in der ersten Staffel gesungen, ist aber seiner Heimatstadt Düsseldorf trotzdem treu geblieben. An der Robert-Schuhmann-Musikhochschule studiert er dort mittlerweile Musik und kommt Dank der Siegesprämie „gut über die Runden“. Gelegentliche Auftritte helfen, die Studentenkasse aufzubessern. Anfragen gibt es auf seiner Homepage viele. „Die Leute können mit meinem Namen noch etwas anfangen.“ Ganz hell scheint das Rampenlicht allerdings nicht mehr. Was ihn nach eigener Aussage nicht stört. „Ich will durch meine Stimme überzeugen, nicht durch meinen ,Supertalent’-Sieg. In Opernkreisen hat der Halbitaliener festgestellt, sei die RTL-Show ohnehin nicht gut gelitten. „Da zählt ein Sieg bei einem Klassikwettbewerb viel mehr.“

„Gelohnt?“ Yvo Antoni, mit seinem Hund Primadonna Supertalent-Sieger von 2010 , muss nicht lange überlegen. „Natürlich hat es sich gelohnt, an der Show teilzunehmen.“ Nicht nur der 100 000 Euro wegen. Für Artisten wie ihn, sagt der 32-Jährige, sei die RTL-Sendung die ideale Plattform. „Die Werbung, die du durch einen TV-Auftritt bekommst kannst du sonst im Leben nicht bezahlen“, sagt er. Verträge mit Hundefutter-Herstellern hat sie Antoni und Primadonna gebracht und viele, viele Engagements – vom Firmenball bis zur Eröffnung einer neuen Tierhandlung (www. yvo-antoni.de). Was er für einen Auftritt bekommt, verrät der Kölner nicht. Nur soviel: „Ich konnte früher davon leben. Aber heute lebe ich besser.“

Ein Satz, den Freddy Sahin-Scholl sofort unterschreiben würde. Er kann mit sich selbst im Duett singen. In schönstem Bariton und Sekunden später in glockenhellem Sopran. Lange ist er mit dieser Laune der Natur unter dem Namen Galileo durch die Lande getourt, doch der Durchbruch blieb aus.

Platz drei in den Charts

„Man hat sich halt durchgeschlagen.“ Bis der 57-Jährige im vergangenen Jahr bei der RTL-Casting-Show siegt und sein Album „Carpe Diem“ elf Jahre nach der Erstveröffentlichung plötzlich bis auf Platz drei der deutschen Charts klettert. Auf Tour ist er gegangen, hat seine Autobiografie veröffentlicht und ein Kinderhilfsprojekt unterstützt. „Ich habe viel erlebt“, erinnert sich der Karlsruher und räumt ein, dass sich manche Tür nur durch den Sieg bei RTL geöffnet hat.

Langsam schließen sie sich nun wieder. Kein Problem für Sahin-Scholl. „Eigentlich“, hat er festgestellt, „ist es ganz gut, wenn der Hype sich legt. Dann kriegt man auch mal wieder etwas anderes geschafft.“

Andreas Böhme


Kommentare
16.09.2011
19:56
Wie der Sieg beim Supertalent alles verändert
von RicoMielke | #1

Das sind ja keine Supertalente.

Ich kann da nur an Lena erinnern, die aus dem stehgreif heraus einen überwältigen Sieg beim Eurovision-Song-Contest geholt hat.

Mit dem 2. höchsten Abstand, den ein ESC-Sieger jemals schaffte.

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