Wer ist Thomas Müller? ARD-Doku zeigt Durchschnittsdeutschen

"Wer ist Thomas Müller", ein Dokumentarfilm von Christian Heynen, am Dienstag (23.06.15) um 22:45 Uhr im Ersten.
"Wer ist Thomas Müller", ein Dokumentarfilm von Christian Heynen, am Dienstag (23.06.15) um 22:45 Uhr im Ersten.
Foto: WDR/augenschein Filmproduktion G
Was wir bereits wissen
Der Durchschnittsdeutsche, kein Scherz, heißt Thomas Müller. Ein ARD-Reporter hat sich an seine Fersen geheftet. Das Ergebnis verblüfft.

Köln.. Der Durchschnittsdeutsche hat einen Namen: Thomas Müller. Das ist keineswegs willkürlich. Thomas ist der häufigste Vorname, Müller der häufigste Nachname. 50.000 Deutsche heißen so. Für Filmemacher Christian Heynen stellte sich die Frage: Sind die Müllers so durchschnittlich wie ihre Namen? Er hat sie bereist.

Die Idee ist nicht ganz neu. Das ZDF hat sich bereits voriges Jahr des Lebensgefühls der Deutschen – Mustermann Müller inklusive – in einem Dreiteiler für „Terra X“ angenommen. Das Ergebnis konnte sich buchstäblich sehen lassen.

Und die Doku im Ersten? Die Redaktionen von WDR und MDR gönnen Heynen 90 Minuten; üblich ist die Hälfte. Und noch etwas: Der Film läuft um 22.45 Uhr, ein respektabler Sendeplatz. Maischbergers Sommerpause macht’s möglich.

Ein halber Liter Tränen – Statistiker wissen’s ganz genau

Heynen verknüpft die Statistik mit der Frage nach nationaler Identität. Oder anders: Lässt sich das zu Zahlensalat aufbereiten? Antwort: bedingt. Natürlich serviert Heynen anfänglich ein paar statistische Weisheiten, dargestellt am Beispiel einer zeitgeistigen Computer-Grafik. Demnach ist der Durchschnittsdeutsche 1,78 Meter groß, 43 Jahre, 83,4 Kilo schwer, blond, bartlos. Natürlich streut Heynen auch ein paar wunderbar nebensächliche Fakten ein. So verdrückt Thomas Müller im Jahr einen halben Liter Tränen. Ein weiterer Aha-Effekt: Der Durchschnittsdeutsche glaubt nicht an Außenirdische.

Drama Heynen nimmt die Statistik zum Anlass, alle möglichen Thomas Müllers zu bereisen. Nervig ist, dass Heynen sich selbst bei seiner Recherche-Reise ins Bild setzt. Gut ist, dass er an seinen Gesprächspartnern wirklich interessiert ist.

Heynen zeigt ein spannendes Kaleidoskop von Thomas Müllers aus etlichen Lebensbereichen. Einer von ihnen ist Fußball-Profi. Dieser Müller will durchschnittlich sein. Zugleich weiß er, dass er genau das weder sein kann noch darf. Der Nationalkicker steht unter öffentlicher Beobachtung.

Nebenher will Heynen immer wieder wissen, was Deutschsein ausmacht, im In- wie im Ausland. Die Antworten verblüffen.

Fazit: Doku trotz kleiner formaler Mängel sehenswert.

ARD, Dienstag, 22.45 Uhr