Wer bei Schäden in der Waschstraße haftet

Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten, nachdem das Auto durch die Waschstraße gefahren ist.
Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten, nachdem das Auto durch die Waschstraße gefahren ist.
Foto: imago/Eibner
Was wir bereits wissen
Schäden nach der Fahrt durch die Waschanlage sorgen oft für Streit. Viele Autobesitzer bemerken den Schaden erst, wenn es zu spät ist, warnt der ADAC.

Essen.. Die Autowäsche kann eigentlich nicht gründlich genug sein. Doch manchmal geht die Fahrt durch die Waschstraße schief: Kratzer im Lack, ein beschädigter Außenspiegel oder eine verbogene Antenne. Anlagenbetreiber sind für solche Fälle versichert, die Beweislast liegt dabei allerdings beim Kunden. Doch wer haftet wann? Regelmäßig sorgt dieses Thema für Streit.

Die Frage der Haftung

Grund­sätzlich gilt: Steht fest, dass der Schaden beim Waschen entstanden und ein Mitverschulden des Kunden ausgeschlossen ist, haftet der Inhaber der Anlage. Ausnahme: Der Betreiber belegt, dass ihn kein Verschulden trifft. Die Haftungsfrage ist also kompliziert, lange Streitigkeiten sind keine Seltenheit. „Es muss zunächst glaubhaft gemacht werden, dass der Schaden vor der Einfahrt in die Waschanlage noch nicht da war“, sagt ADAC-Rechtsexperte Klaus Heimgärtner. Als Zeugen könnten Nachbarn, Familienmitglieder oder Bekannte angegeben werden, die den Zeitraum der Verursachung eingrenzen könnten. Auch Vorher-/Nachherfotos könnten als Beweismittel dienen. „Es ist allerdings wenig realistisch, dass jemand sein Auto vorher von allen Seiten abfotografiert oder jedes Mal den Nachbarn mit zur Autowäsche nimmt“, sagt der Experte.

Kann der Autofahrer beweisen, dass der Schaden durch die Waschanlage entstanden ist, liegt es am Betreiber, das zu widerlegen. Genau das führt immer wieder zu Streitigkeiten. „Etwa 95 Prozent der gemeldeten Schäden stammen nicht von der Waschanlage“, behauptet Siegrid Pook, Geschäftsführerin Bundesverband Tankstellen und gewerbliche Autowäsche Deutschland. Häufig enden diese Fälle bei Gutachtern, die anhand des Kratzerverlaufes sehen können, ob der Schaden beim Waschen entstanden ist. Der Arbeitskreis Sachverständiger für Schäden durch und an Kfz-Waschanlagen (AKSV) weist indes darauf hin, dass Lackschäden in der Regel nur anerkannt würden, wenn sie durch abgerissene Autoteile verursacht worden seien.

Schäden richtig reklamieren

Viele Autofahrer bemerken den Schaden erst, wenn es zu spät zum Melden ist. ADAC-Rechtsexperte Heimgärtner rät, „einen Schaden so schnell wie möglich und vor Ort zu melden“ und ihn schriftlich festzuhalten. Ein Grund: Je später ein Autobesitzer einen Lackschaden reklamiert, desto schwerer lässt sich beweisen, dass die Kratzer tatsächlich beim Waschen entstanden sind. Autofahrer sollten deswegen stets nach dem Waschgang und noch vor Ort das Auto kontrollieren.

Kann ein Autobesitzer nachweisen, dass der Schaden ausschließlich in der Waschstraße entstanden ist, hat er die selben Ansprüche wie bei einem Verkehrsunfall, sagt Heimgärtner: „Dabei geht es um Wertminderung, Reparaturen, die Kosten für einen Mietwagen und eine eventuelle Kostenpauschale.“

Auf Nummer sicher gehen

Vor der Einfahrt in die Waschstraße sollten Autobesitzer – wenn möglich – alle hervorragenden Teile wie Spiegel oder Antennen einfahren. Die beste Schutzstrategie beim Auto­waschen ist allerdings, schon im Vorfeld genau hinzusehen. Macht eine Wasch­anlage einen ungepflegten Eindruck, sei kaum zu erwarten, dass sie gut reinige und perfekt gewartet sei.