Das aktuelle Wetter NRW 1°C

Klimawandel

Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen

21.11.2009 | 20:52 Uhr

Berlin. Sollten uns bis zu 300 Jahre bleiben, bis das Grönlandeis abgetaut ist, dann bliebe uns Zeit, ein paar euroäische Großstädte umziehen zu lassen. Das hofft jedenfalls Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. Denn die Meerespegel werden steigen.

Ja doch, es gibt Hoffnung. Es könnte durchaus 300 Jahre dauern, bis das Grönlandeis getaut ist. „Man hätte dann die Zeit, um Bremen, London und Paris rückzuverlagern”, meint Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. Klimaexperten-Humor? Der Physikprofessor Schellnhuber meint es völlig ernst. Europas küstennahe Großstädte hat er auf lange Frist abgeschrieben. Nichts mehr zu machen. Auf der Kopenhagener Klimakonferenz geht es im Dezember allein um die Frage, ob es noch viel schlimmer kommt.

Diese Sorge hat den Professor mit drei weiteren Koryphäen in Sachen Klima und Umwelt vor die Bundespressekonferenz getrieben. Gemeinsam fordern sie einen „Rettungsschirm für das Weltklima”. In Kopenhagen sei endlich verbindlich festzuschreiben, dass die weitere globale Erwärmung zwei Grad nicht übersteigen darf: „Zwei Grad sind ein fauler Kompromiss mit der Natur, wir kriegen nur nichts Besseres mehr”, sagt Schellnhuber.

Relativ genaues Bild

Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts fuer Klimafolgenforschung

Die Faustformel lautet: Ein Grad Erderwärmung lässt den Meeresspiegel um 15 bis 20 Meter steigen. Das ist aus dem Auf und Ab seit 40 Millionen Jahren zu ersehen, von dem es mittlerweile ein relativ genaues Bild gibt. In der Eiszeit vor 30 000 Jahren etwa lag der Meeresspiegel 120 Meter unter dem heutigen Niveau. Vor 30 Millionen Jahren, als es auf der Welt drei bis vier Grad wärmer war als heute, lag er 50 bis 70 Meter darüber.

Seit 1900 ist die globale Mitteltemperatur schon um 0,8 Grad gestiegen. Wenn es gelingen soll, die weitere Erwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad zu begrenzen, darf die Menschheit in den nächsten vier Jahrzehnten noch 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen, jeder Erdenbürger also 110 Tonnen. Jeder Deutsche kommt derzeit auf knapp 11 Tonnen - im Jahr.

Faire Aufteilung

Die politische Frage lautet, wie dieses verbleibende „Emissionsbudget” fair aufzuteilen ist. Darüber wird in Kopenhagen gestritten. Wünschenswert aus Sicht der Klimaexperten wäre ein weltweiter Konsens, dass der CO2-Ausstoß der Industrieländer, gemessen am Stand von 1990, bis 2050 um 80 Prozent sinken soll, damit er global um 50 Prozent abnehmen kann.

Und wenn nicht? Seine „letzte Hoffnung” sei, hat Schellnhuber vor einigen Monaten gesagt, dass die ganze Klimaforscherzunft sich „kollektiv geirrt” habe: „Das ist mein dickster Strohhalm.” Leider gebe es dafür keinerlei Anzeichen.

Winfried Dolderer

Facebook
 
Kommentare
01.12.2009
23:26
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von RolfEder | #23

Und wenn der Unsinn steigt muss der Verstand umziehen.

22.11.2009
22:38
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von MH Freund | #22

Was passiert eigentlich, wenn die Gurus, die gegen die Klimaveränderung wettern, Unrecht haben und die anderes Seite Recht ?

Können wir uns heute erlauben, eine Entscheidung nicht zu treffen, weil nicht endgültig gesichert ist, daß eine Klimaerwärmung mit einem Anstieg der Meere möglich ist ???

So blöd das klingt, ich erinnere nur an die Rentenversicherung. Auch hier wurden Entscheidungen immer wieder hinausgezögert und aus Feigheit nicht getroffen, bis es nahezu zu spät war. Alles 30 Jahre früher und manches wäre heute keine Problem.

Muß man erst alles aussitzen, bis man erkennt, man hätte handeln m ü s s e n.
Vielleicht werden die Klimaoptimisten ja auch von irgendeiner Lobby bezahlt.

Ein Vorteil hätte die Sache dann,
der Hafen von Ruhrbania hätte vielleicht dann einen Sinn.

22.11.2009
20:53
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von franzjos | #21

Derzeitige Höhen über dem Meeresspiegel:

Berlin
geogr. Länge 13° 24 O
geogr. Breite 52° 31 N
Höhe über NN 50 m

Arnsberg
geogr. Länge 8° 04 O
geogr. Breite 51° 24 N
Höhe über NN 250 m

Dortmund
geogr. Länge 7° 28 O
geogr. Breite 51° 31 N
Höhe über NN 100 m



http://www.handelsblatt.com/technologie/umwelt-news/klimawandel-groenland-verliert-1500-gigatonnen-eis;2483496
13. Nov. 2009 ... Ein Verlust von 150Gigatonnen ist doch Peanuts

Vergleich zu Gesamt-Eismenge Grönlands von rund 2 Millionen Gigatonnen. ...

Meer (Ozean) --> die zusammenhängende Wasserfläche der Erde, die mit 361 Mill. km2 Ausdehnung ca. 71% der --> Erdoberfläche bedeckt. ...

http://www.datenbank-europa.de/erdkunde/glossar/m.htm



2 000 000 Gt (Gigatonnen) = 2 000 000 10 hoch 9 t = 2*10 hoch 18 kg bzw. Liter oder dm3

361 Mill. km2 = 361 000 000 km2 = 1000 * 1000 * 10 * 10 = 10 hoch 14 dm2

20000 dm = 200 m (Meter)
Bei einer totalen Abschmelzung würde demnach der gesamte Meeresspiegel der Welt um 200 Meter ansteigen.

Bei 150 Gigatonnen ergäbe sich demnach eine Meeresspiegelanhebung von 150/1000000 * 200 = 0,03 m = 3 cm

Wasser nimmt Luft auf, Luft nimmt Wasser auf, Luft nimmt CO2 auf und Wasser nimmt CO2 auf, aber maximal nur soviel, bis die Sättigung erreicht ist, mehr nicht!

22.11.2009
13:52
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von krüwalda | #20

In der Geschichte der Erde hat es Zyklen der Eiszeit und der Heißzeit gegeben und wird es weiterhin geben, unabhängig vom menschlichen zusätzlichen CO2-Ausstoß. Diese ganze Klimadiskussion ist eine heuchlerische Propaganda. Im Mittelalter gab es eine kleine Eiszeit, welche dramatische Hungerkatastrophen in ganz Europa zur Folge hatte. Die Neandertaler haben in ihrem 200.000 Jahre währenden Dasein ebenfalls eine grosse Eiszeit überlebt. Der moderne Mensch, als Spezies wird es schon schaffen, aber eben nicht alle.

22.11.2009
13:38
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von V8 | #19

Hmmnn ... seitdem ich weiss, das die Malediven ein mohammedanisches Land sind, in dem Andersgläubige massiv unterdrückt werden, fahre ich jeden Tag ein paar mal um den Block, damit der Meeresspiegel schneller steigt ... ich habe ausgerechnet, das ich wenn ich nur fünf mal die Strecke fahre, ..

22.11.2009
12:54
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von Kikifax | #18

Man hätte dann die Zeit, um Bremen, London und Paris rückzuverlagern

An welcher Küste liegt Paris ?
Wohin soll man die Stadt Paris zurückverlagern ?
Vielleicht in die Alpen ?

22.11.2009
12:05
Blockierter Kommentar.
von udo.michel | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.11.2009
12:02
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von zerberus | #16

Hallo, future,
sterben müssen wir sowieso alle.
Was macht es also wichtig, daß hinter uns noch einer kommt?

22.11.2009
09:48
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von future | #15

Geschätzte Kritiker/innen:
Ich fürchte, Herr Schellnhuber hat Recht. Es ist allerdings schwer, die gewohnten Vorstellungen von immer mehr und immer besser usw. zu verlassen. Die Industriestaaten--und damit auch wir in Deutschland--sind wohl dabei, zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu erschweren oder diese--in einigen Erdteilen--zu vernichten. Jetzt, in unseren Tagen, muss hier die Klimawende gelingen. Andernfalls gute Nacht Menschheit.

22.11.2009
09:35
Wenn die Meere steigen, müssen Großstädte umziehen
von hingucker | #14

Das Küstennahe Paris zurückzuverlagern”, meint Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung.
GEOMETRIE war noch nie meine Stärke...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2134855/create

Umfrage
Immer mehr Kinder in NRW lernen Schreiben nach Gehör . Was halten Sie von dieser Lernmethode?

Immer mehr Kinder in NRW lernen Schreiben nach Gehör. Was halten Sie von dieser Lernmethode?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Elektronische Fußfessel für Schwerverbrecher in Berlin
Justizvollzug
Berlin will eine elektronische Fußfessel für Straftäter einführen. Die Fußfesssel soll eine Alternative zur Sicherungsverwahrung werden. Die Hauptstadt will sich an einem Pilotprojekt beteiligen, das mehrere Bundesländer einführen. Auch NRW will eine gemeinsame Überwachuntsstelle der Länder.
2 Kommentare 2
Kachelmann klagt erfolgreich gegen Medien
Kachelmann
Jörg Kachelmann hat erfolgreich gegen die detaillierte Berichterstattung über seinen eigenen Prozess geklagt. Das Oberlandesgericht Köln entschied am Dienstag, dass die Medien Umstände aus dem Leben des ehemaligen ARD-Wettermoderators nicht ohne weiteres hätten verbreiten dürfen.
Foto 4 Kommentare 4