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Wem gehört das Zahngold?

22.08.2014 | 00:15 Uhr

Erfurt. Krematorien dürfen Zahngold von Toten nach der Einäscherung an sich nehmen und gegebenenfalls verwerten. Das entschieden die Richter des Bundesarbeitsgerichtes am Donnerstag in Erfurt. In dem Fall ging es um eine Schadenersatzklage der Hamburger Friedhöfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter. Dieser hatte mit Kollegen Gold aus der Asche gesammelt und verkauft. Innerhalb von acht Jahren waren so 31 Kilogramm im Wert von mindestens 250 000 Euro zusammengekommen. Das Gericht wies die Klage an das Hamburger Landgericht zurück.

Es stellte sich generell die Frage, wem das Zahngold gehört. Den Angehörigen? Dem Krematorium? Oder dürfen es doch Mitarbeiter verkaufen? Laut Rechtsprechung sind Zahngold und auch Metalle aus Prothesen „herrenlos“ und nicht automatisch Bestandteil des Erbes. Die Richter in Erfurt bestätigten, dass ein Krematorium gegebenenfalls über den Verbleib des Goldes verfügen kann. Ein Eigentum des als „herrenlos“ geltenden Zahngoldes sei daraus nicht abzuleiten.

Friedrich Hauck lehnt sich in seinem Sessel zur Seite, betrachtet den Anwalt und schmunzelt dann etwas. „Wir sehen, dass im Zahngold noch viel Zündstoff ist“, sagt der Richter am Bundesarbeitsgericht. „Wem gehört die Leiche? Oder besser wem gehört das Zahngold?“, fragt Hauck noch einmal, bevor er sich mit seinen Beisitzern schließlich zur Beratung zurückzieht. Zuvor hatten sich vor Gericht zwei Anwälte einen Schlagabtausch geliefert: Jan Ruge für die Hamburger Friedhöfe und Hans-Dieter Klumpe, der einen ehemaligen Krematoriumsmitarbeiter vertritt. Seinen Mandanten hat dessen früherer Arbeitgeber auf Schadenersatz verklagt. Der mittlerweile 56-Jährige hatte gemeinsam mit Kollegen jahrelang Zahngold aus der Asche geklaubt und für sich verwendet. Damit finanzierte er teure Reisen, Autos und anderes mehr. In einem strafrechtlichen Verfahren war er deshalb im Juni wegen Störung der Totenruhe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, die aber noch nicht rechtskräftig ist. Sein Verteidiger Klumpe argumentierte nun, dass es kein Diebstahl und das Gold „herrenlos“ gewesen und somit kein Eigentum verletzt worden sei. Damit sei auch kein Schaden entstanden. Ruge hingegen pochte darauf, dass die Friedhöfe durchaus das wertvolle Metall verwahrten und gegebenenfalls auch verwerten dürften.

Der Bundesverband der Bestattungsunternehmen verurteilte diese Praxis. Es erinnere an die dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte, sagte Sprecher Oliver Wirthmann. Die Wertgegenstände müssten in der Asche verbleiben, forderte er.

Stefan Engelbrecht

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2014-08-22 00:15
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