Weimar-Tatort "Der beste Iwan" ist hinreißend komisch

Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) entdecken vor der Geisterbahn den flüchtigen Kongo.
Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) entdecken vor der Geisterbahn den flüchtigen Kongo.
Foto: MDR/Wiedemann & Berg Television/
Was wir bereits wissen
Liebenswert verrückt: Die Schauspieler Christian Ulmen und Nora Tschirner glänzen in „Der irre Iwan“ – ein hinreißend komischer Tatort aus Weimar.

Weimar.. Der Lessing kann seinen Goethe, denn in Weimar muss man sogar als Polizist zitatfest sein. Und schlagfertig, wenn man eine blitzgescheite und rotzfreche Kollegin namens Dorn hat, die auch die Lebensgefährtin ist. Aber in diesem Dauergag liegt nicht der alleinige Reiz dieser Tatort-Reihe, die beim Auftakt vor einem Jahr mit smartem Humor das Publikum eroberte und nun den Neujahrsabend (ARD, 20.15 Uhr) versüßt.

Auch im zweiten Streich „Der irre Iwan“ ist es vor allem die Beiläufigkeit, mit der das Traumpaar Christian Ulmen und Nora Tschirner die Pointen aus dem Ärmel schüttelt und sich durch aberwitzige Ermittlungen hindurchschlaubergert, ohne dass das Alberne je das Liebenswürdige besiegen könnte. Wie die beiden praktisch im Vorbeigehen den Fall lösen, das erinnert in seinen besten Augenblicken an die brillanten amerikanischen Komödien der 30er-Jahre.

Selbst der Tod kann sichein Schmunzeln nicht verkneifen

Der Ton ist unaufgeregt und lässig, das Tempo gedrosselt, die Geschichte von Murmel Clausen und Andreas Pflüger, die sich auch schon den ersten Weimarer Tatort ausgedacht haben, erfrischend verrückt. Selbst der Tod kann sich hier ein Schmunzeln nicht verkneifen, denn die wasserstoffblonde Sekretärin des Stadtkämmerers wird das Opfer eines Raubüberfalls im Rathaus eine Etage tiefer: Der Maskierte ballert zur Warnung in die Decke, nun ja, vier-, fünfmal. Steckt da etwa Absicht hinter?

Der Kämmerer Iwan Windisch (herrlich schmierlappig: Jörg Witte) jedenfalls entpuppt sich als windige Type. Nicht nur, dass er als „Latte Diabolo“ in einschlägigen Internetforen herumschlawinert und mit der Blondine aus dem Sekretariat öfter mal im örtlichen Swingerclub auftauchte, was die entgeisterte Gattin (Therese Hämer) irgendwann spitz kriegt. Er sieht auch dem Geisterbahnbesitzer auf dem Rummel verteufelt ähnlich, der von der Ehefrau (wunderbar überkandidelt: Sophie Rois) vermisst wird.

Mit leichter Hand zu einer kurzweiligen Sause inszeniert

Führt da jemand ein Doppelleben? Und dass der größte Kirmestölpel der Welt namens Kongo (Pit Bukowski) plötzlich mit der Beute aus dem Überfall herumläuft, passt irgendwie auch nicht. Schließlich: Kutscher Caspar Bogdanski (Dominique Horwitz), in der ersten Folge 2013 verhaftet, geistert nach abgebüßter Strafe wieder in der Stadt herum; eine hübsche Idee und wohl auch eine Premiere, dass ein Gauner in zwei Tatorten mitmischt.

Der Irrwitz dessen, was Richard Huber mit leichter Hand zu einer kurzweiligen Sause inszeniert, geht natürlich zu Lasten dessen, was der Krimifan unter herkömmlicher Spannung versteht. Dafür verwöhnt der Regisseur mit einem sympathischen Typenarsenal, darunter auch ein überforderter Polizeichef (Thorsten Merten), der mit dem Handtuch um die Hüften im FKK-Club „Mein lieber Spitz“ raunt, als ihm das Ausmaß der Betrügereien, Ehebrüche und Frauentäusche klar wird. Der Mann ist sichtbar erleichtert, dass er den Überblick wiedergewinnt. Den zu behalten, das muss man einräumen, ist auch für den Zuschauer nicht immer ganz einfach. Aber das lässt sich verschmerzen.

Fazit Hinreißend komisch und originell ohne je komplett abzudriften: Zehnmal im Jahr würde das kaum gut gehen, aber nur ein Weimarer Tatort im Jahr mit diesem Traumpaar ist definitiv zu wenig!