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WDR bangt um „Liga-Live“-Zukunft – geht's der DFL ums Geld?

WDR bangt um „Liga-Live“-Zukunft – geht's der DFL ums Geld?

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Sabine Töpperwien - WDR Radio-Reporterin Foto: Thomas Nitsche
Die DFL schreibt zum ersten Mal die Radio-Rechte für die Bundesliga aus. Vordergründig geht es um mehr Ordnung. Vermutlich geht es um mehr Geld. Ist die legendäre ARD-Konferenzschaltung in Gefahr?

Köln. 

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) schreibt zum ersten Mal die Bundesliga-Rechte für das Radio aus. Wie es heißt, gibt es für die ARD ernstzunehmende Konkurrenz durch Agenturen und Unternehmen außerhalb der Medienbranche. Droht der legendären Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag der Abpfiff?

Die DFL hofft, dass Konkurrenz im Hörfunk ihr Geschäft belebt – und sie mehr Geld als bisher einnehmen kann. Über Zahlen mag niemand sprechen. Aber dem Vernehmen nach kassiert die DFL insgesamt rund sieben Millionen Euro pro Saison für die Audiorechte, darunter offenbar etwa 6,5 Millionen Euro von der ARD.

Der DFL geht es nach eigenem Bekunden jedoch nicht nur ums Geld. Es geht ihr auch um „eine neue Struktur und Ordnung“, wie Marketingchef Jan Lehmann sagt.

Konkurrenz im Internet durch 90elf

Daran ist auch ARD-Konkurrent 90elf interessiert. „Deutschlands Fußball-Radio“ (Eigenwerbung) in Leipzig überträgt Spiele aus Bundesliga und DFB-Pokal, Champions League und Euro League im Internet. Pro Woche erreicht das digitale Angebot 2,2 bis 2,5 Millionen Hörer – je nach Attraktivität der Spieltage. Das Netz sieht 90elf-Sprecher Nico Nickel als „Grauzone“. Denn ARD-Anstalten wie der WDR verbreiten Sendungen wie „Liga live!“ auch über Livestreams im Internet-Angebot WDR Event.

Die DFL schreibt drei Pakete aus. Das erste Paket umfasst Rechte für UKW und zeitgleiche Verbreitung im Internet und im Digitalradio DAB+. Das zweite Paket enthält Rechte für mobile digitale Empfangsgeräte wie Smartphones und Tablet-Rechner. Das dritte Paket ergänzt die beiden ersten Pakete um Interview-Möglichkeiten. Bieter können sich vom 1. Januar an melden. Im März 2013 fällt der DFL eine Entscheidung.

Clubs können weiter mit Lokalradios zusammenarbeiten

Jenseits der Ausschreibung will die DFL den Lokalradios weiter ermöglichen, in Kurzform über Spiele ihrer Mannschaften zu berichten. Erhalten bleiben sollen auch die Rechte der Clubs, Spiele ihrer Mannschaften live im Netz zu übertragen und sich einen Hörfunksender als Partner zu holen.

WDR-Hörfunkchef Wolfgang Schmitz, der für die ARD mit der DFL verhandelt, macht keinen Hehl daraus, dass er „die bewährte Medienkooperation“ mit den Fußball-Funktionären gern fortgesetzt hätte. Dennoch beteuert Schmitz, er habe „kein Problem mit einer Ausschreibung“. Klar ist, dass die ARD bietet – aber nur „zu vertretbaren Kosten“.

Konferenz lockt jeden Samstag bis zu acht Millionen Hörer

Zugleich setzt Schmitz auf den „Kultstatus“ der Berichterstattung, allen voran der samstäglichen Bundesliga-Konferenz. Sie kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Der verstorbene WDR-Hörfunksportchef Kurt Brumme erfand die Konferenz vor fast 50 Jahren. Doch Tradition ist nicht das einzige Argument. Die Konferenz lockt bis zu acht Millionen Hörer.

Kein Wunder, dass die Konferenz Radio-Kommentatoren zu Stars machte. Als wohl bekannteste Radiostimme gilt Manni Breuckmann. 2008 schied der gebürtige Dattelner beim WDR aus. Im August vorigen Jahres kehrte der inzwischen 61-jährige Vorruheständler wieder ins Berufsleben zurück – fürs Internetradio 90elf.