Was Singles bei der Partnersuche von Affen lernen können

Bei den Schimpansen: die Teilnehmer des Seminars.
Bei den Schimpansen: die Teilnehmer des Seminars.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Biologe aus Holland stellt auf Seminaren vor, wie die Partnersuche von Menschen und Affen sich ähnelt. Vögel und Löwen zieht er auch heran.

Gelsenkirchen.. Peter Droste (Name geändert) hat gut aufgepasst. Wie er den Frauen die Tür aufhält, wie er ihnen am Tisch Wasser und Saft nachschenkt – vorbildlich, wenngleich eventuell nicht völlig selbstlos. „Für Frauen ist Höflichkeit attraktiv,“ hat Patrick van Veen vorhin vorgetragen und auf die Schimpansen verwiesen: „Wer die meisten Frauen laust, ist der Chef in der Horde.“

Tür aufhalten ist das neue Lausen. Jedenfalls unter Menschen, meint Patrick van Veen. Der Biologe aus den Niederlanden hat sich darauf spezialisiert, die Ähnlichkeit von Menschen und Menschenaffen in Seminaren und Trainings darzustellen. Mit Chefs, mit Managern. Mit 65 Singles, ganz überwiegend Frauen, wie jetzt im Gelsenkirchener Zoom. Thema: „Wie Affen und Menschen den Partner fürs Leben finden.“ Mehrmals im Jahr bietet er das in Holland an, aber auch gerne in Deutschland. In allen Städten mit Zoos. Die Affen haben.

Verhaltensweisen im Büro sind dieselben wie im Affenhaus

Warum nicht in die Tierwelt schauen – van Veen hat offensichtlich einen erweiterten Affenbegriff und bezieht beim Zug durch den Zoo den Hammerkopfvogel ebenso selbstverständlich mit ein („Je größer das Nest des Männchens, desto eher ein Weibchen“) wie die Löwinnen: „Die Löwinnen bestimmen alles.“ Allerdings denken die im Moment erkennbar nicht an Frühling, sondern schauen lieber den schmackhaften Zebras zu jenseits des Grabens.

Auf seine Spezialisierung kam Patrick van Veen auf Umwegen. Nach dem Biologie-Studium zunächst arbeitslos, heuerte er bei einer Versicherung an. Und irgendwann fiel ihm auf, dass viele Verhaltensweisen im Büro dieselben sind wie im Affenhaus. „Konflikte wegen Kleinigkeiten, Manipulation, Koalitionen, Konkurrenzkampf.“ Erst machte er daraus Notizen, dann Bücher; seine ganze berufliche Selbstständigkeit mit der Firma „apemanagement“ beruht heute darauf, dass das Erbgut von Menschen und Schimpansen zu 98,6 Prozent gleich ist.

Orang-Utans als „einsame Genies“

Vor ihrem Gehege jedoch erweisen sie sich als gänzlich unvorbereitet. Ein einziger Schimpanse sitzt da und fingert nervös an einem Zweig herum, da er sich zu Recht intensiv beobachtet fühlt. „Wir Menschen würden jetzt ins Handy schauen“, sagt van Veen. Gegen Ende können sich alle Teilnehmer vor dem Affencharakter aufstellen, der ihrem Selbstbild am ehesten entspricht. Dem sanften Gorilla? Dem aggressiven Pavian? Die meisten stehen beim Orang-Utan. Van Veen hatte sie vorgestellt als: „Einsame Genies.“